IEF, 8.10.2019 – Nach einer dreitägigen emotionalen Debatte passierte der Gesetzesentwurf das französische Parlament. Massenproteste folgten. Nun bedarf die Vorlage nur noch einer Zustimmung des Senats.

Gesetzesreform Anliegen Macrons

Nun bedarf die Vorlage nur noch einer Zustimmung des Senats.

Da die bisherige Gesetzgebung „dem Bild einer modernen Familie“ nicht mehr gerecht werde, stimmte die französische Nationalversammlung letzte Woche mit großer Mehrheit für die Gesetzesvorlage der Regierung unter Präsident Emmanuel Macron. Wie vom IEF bereits berichtet, sieht der Bioethik-Gesetzesentwurf eine Ausweitung der medizinisch unterstützten Reproduktion auf alle Frauen vor – auch auf alleinstehende und jene, die in einer lesbischen Beziehung leben.

Nach der bisherigen Rechtslage haben in Frankreich nur heterosexuelle Paare, die länger als zwei Jahre verheiratet sind oder zusammenleben, Zugang zu reproduktionsmedizinischen Verfahren, wenn ihre Unfruchtbarkeit medizinisch belegt wurde.

Moderne Familie ohne Vater – zumindest solange dieser noch lebt

Wie der Spiegel berichtet, warnten Kritiker während der Debatte davor, dass in Zukunft „zahlreiche Kinder ohne Vater“ aufwachsen könnten. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn verteidigte den Entwurf jedoch als „Chance“ für die Gesellschaft. Er bilde die moderne Familie ab, in der es Kinder mit nur einem Elternteil oder mit homosexuellen Eltern gebe. Nach ihrer Vorstellung sollen die Kosten für künstliche Befruchtungen für alle Frauen von der Sozialversicherung getragen werden. Mit knapper Mehrheit wies die Nationalversammlung hingegen einen Änderungsantrag zurück, der Witwen eine künstliche Befruchtung mit dem Sperma ihres toten Mannes ermöglicht hätte. „Was zu der etwas absurden Regelung führt, dass es zwar Kinder ohne Vater geben soll – aber bloß solange dieser noch lebt“, verdeutlicht Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF) die Inkonsequenz der Zulassung von Reproduktionsmedizin für alleinstehende Frauen und lesbische Paare.

Großdemonstration auf den Straßen Paris

Am vergangenen Sonntag protestierten rund 74.500 Bürger im Rahmen einer von etwa 20 Verbänden organisierten Großdemonstration unter dem Motto „Liberté, égalité, paternité“ (Freiheit, Gleichheit, Vaterschaft) in den Straßen Paris gegen die Reform des Bioethikgesetzes. Gegner der Gesetzesreform wiesen im Rahmen der Veranstaltung „Marchons enfants“ durch Transparente mit der Aufschrift „Wer ist mein Vater?“ auf die Gefahr des Aufweichens traditioneller Familienstrukturen hin. Auch eine Entwicklung hin zur Legalisierung der Leihmutterschaft wird befürchtet.

Wie vaticannews.va berichtet, unterstützten die französischen Bischöfe die Teilnahme an den Protesten: „Wir ermutigen die Bürger nachdrücklich, sich zum Gesetz zu äußern“, sagte Éric de Moulins-Beaufort, Präsident der französischen Bischofskonferenz. Unabhängig vom Ergebnis der Demonstration und der Abstimmung der Nationalversammlung ende „die Arbeit der Kirche hier nicht, ebenso wenig wie das Engagement der Katholiken, die Menschen zu ermutigen, das menschliche Leben in all seiner Schönheit zu leben.“

Ab Jänner 2020 hat nun der Senat über die Revision des Gesetzes zu entscheiden. (KL)

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