DE / Pro-Life: Woche für das Leben in Deutschland

IEF, 15.5.2017 – Jährlich veranstalten die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland die sogenannte „Woche für das Leben“, in der bundesweit Diskussionen, Ausstellungen und Vorträge rund um die Themen Wert und Würde des Lebens stattfinden. In diesem Jahr stand sie unter dem Motto: „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“.

Gemeinsam eröffneten Kardinal Reinhard Marx und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirchen Heinrich Bedford-Strom am 29.4.2017 die „Woche für das Leben“ in Kassel mit einem ökumenischen Gottesdienst. Dabei versuchten beide sowohl die Schönheit und Würde von neuem Leben hervorzuheben und gleichzeitig die Ambivalenzen anzusprechen, die entstehen können, wenn Menschen versuchen, eigenmächtig und mit allen Mitteln über menschliches Leben zu verfügen. Kinder werden von Eltern oft als „kleines Wunder“ erlebt. Besonders schmerzlich kann es gleichzeitig sein, wenn ein Kinderwunsch nicht erfüllt wird oder bereits in der Schwangerschaft Grund zur Sorge auftritt. Es „hat niemand das Recht, über die Paare in solchen Zerreißproben selbstgerecht zu urteilen“, so Kardinal Marx in seinen eröffnenden Worten. Gleichzeitig sei im Blick zu behalten, dass bei all den inzwischen zu Verfügung stehenden Handlungs- und Behandlungsmöglichkeiten auch ethische Bedenken und Grenzen, sowie Konsequenzen für das Leben der Kinder bedacht werden müssten.

Die gesamte Woche drehte sich dann um die Themen Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und verschiedenen Fragen zu entsprechenden reproduktionsmedizinischen und diagnostischen Methoden, wie etwa dem Erkennen von Krankheiten oder Defekten eines Embryos vor der Implantation oder auch der zielgerichteten Veränderung der DNA eines Menschen (Genome Editing). Im Mittelpunkt der Diskussionen stand deshalb auch das Embryonenschutzgesetz und dessen Öffnung, sowie die damit verbundenen ethischen Fragen.

Kritik zur Woche für das Leben kam aus zwei Richtungen. Der katholische Journalist Peter Winnemöller kritisierte auf dem Nachrichtenportal thegermanz die geringe Außenwirkung der Veranstaltung. Trotz prominenter Beteiligung und hochaktuellen, ethisch strittigen Themen, sei die Resonanz in den Medien viel zu gering gewesen. Das Thema Lebensschutz sei der Kirche unangenehm. „Schutz des Lebens ist unpopulär. Unpopulär möchte man nicht sein.“ Aus einer ganz anderen Richtung kommt die Kritik des Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates Peter Dabrock. Der evangelische Theologe stößt sich an dem Titel der Veranstaltung. „Das hinterlässt ein schales Gefühl: Kinderwunsch sei okay, bei Wunschkindern werde es bedenklich und der Weg zum Designerbaby sei dann nicht mehr weit.“ Er erwarte eine größere pastorale Sensibilität gegenüber Paaren, für die eine natürliche Familienplanung aus verschiedenen Gründen nicht in Frage komme, anstatt ihnen vorzuhalten, dass „nicht jeder ein Recht auf ein biologisches Kind hätte.“

Ob die Veranstalter mit dem Titel der „Woche für das Leben“ nicht vielmehr die Bandbreite der eingeschlossenen Themen, statt einer direkten inhaltlichen Verknüpfung beabsichtigten, bleibt offen. Wie wichtig jedoch eine Debatte um diese existenziellen Themen bleibt macht der Paderborner Erzbischof Becker deutlich: „Es geht um Grundlegendes: um unser Menschenbild und damit um die Zukunft unserer Kinder.“

Auch in Österreich wird die Woche des Lebens gefeiert. Allerdings handelt es sich dabei um eine Reihe von niederschwelligen Veranstaltungen zwischen Mai und Juli, die in zahlreichen Pfarren über ganz Österreich verteilt, stattfinden und bei denen die Feier des Lebens im Mittelpunkt steht. Informationen dazu finden sie hier.

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