IEF, 06.02.2020 – Dieses Postulat geht aus einer Studie hervor, die die psychischen Folgen von Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften bei Frauen untersuchte.

Jede sechste Frau leide nach einer Fehlgeburt an einer posttraumatischen Belastungsstörung

Forscher der KU Leuven in Belgien und des Imperial College London in England haben die psychischen Folgen einer Fehlgeburt bzw. Eileiterschwangerschaft bei 650 Frauen untersucht. Den Frauen, die eine Fehlgeburt (insgesamt 537) bzw. Eileiterschwangerschaft (insgesamt 116) erlitten hatten, wurde eine Kontrollgruppe von 171 Frauen mit unauffälligen Schwangerschaften gegenübergestellt.

Aus der im American Journal of Obestrics and Gynecology publizierten Studie ging hervor, dass eine Fehlgeburt bei jeder sechsten Frau zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führt.

Bei einer PTBS handelt es sich laut der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie um eine „besonders schwere oder wiederholte bzw. langanhaltende Traumatisierung, zum Beispiel infolge psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalterfahrungen“, die „erhebliche Beeinträchtigungen des Erlebens, Denkens, Fühlens und auch der Interaktion mit der Umwelt nach sich ziehen“ können.

Einen Monat nach der Fehlgeburt war jede dritte Frau (29 Prozent) von einer PTBS betroffen. 24 Prozent der Frauen litten zudem an mäßigen bis schweren Angstzuständen und 11 Prozent an mäßigen bis schweren Depressionen. Die Situation besserte sich ein wenig nach neun Monaten, die Werte blieben jedoch in einer klinisch relevanten Höhe. So wiesen immer noch 18 Prozent der Frauen eine PTBS, 17 Prozent mäßige bis schwere Angstzustände und 6 Prozent mäßige bis schwere Depressionen auf.

Die Betreuung von Frauen nach einer Fehlgeburt muss sichergestellt werden

Basierend auf den Erkenntnissen der Studie fordern die Studienautoren eine sofortige Verbesserung der Betreuung von Frauen nach einer Fehlgeburt. Das klinische Management müsse für die psychologischen Implikationen einer Fehlgeburt sensibilisiert werden. PTBS hätte laut Jessica Farren, der Erstautorin der Studie, gravierende Auswirkungen auf unterschiedlichste Lebensbereiche, wie Arbeit, soziale Kontakte, Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und das Risiko bei zukünftigen Schwangerschaften.

„Wir haben in den letzten Jahren große Fortschritte darin erzielt, das Schweigen rund um psychische Probleme während und nach einer Schwangerschaft zu brechen. Fehlgeburten bedeckt jedoch weiterhin ein Mantel des Schweigens und es gibt wenig Verständnis dafür, welch schmerzliche und tiefgehende Erfahrungen das sein können. Viele Frauen erzählen ihren Kollegen, Freunden und Familien vor der 12. Schwangerschaftswoche nichts von einer Schwangerschaft, weshalb sie nach einer frühen Fehlgeburt auch mit niemanden über die damit verbundenen Emotionen sprechen können. Auch Partner können in Folge einer Fehlgeburt bzw. Eileiterschwangerschaft psychische Probleme erleben, worüber gerade geforscht wird“, so Jessica Farren gegenüber Science Daily.

Tom Bourne, einer der leitenden Studienautoren, sieht ebenfalls einen großen Handlungsbedarf: „Die Behandlung nach einer frühen Fehlgeburt muss sich ändern, um den damit verbundenen psychologischen Implikationen gerecht werden zu können. Die jüngsten Bestrebungen mehr über dieses weitverbreitete Thema zu sprechen, sind jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Während generelle Unterstützung und Beratung vielen Frauen helfen wird, benötigen jene mit einer posttraumatischen Belastungsstörung spezialisierte Hilfe um wieder völlig gesund zu werden. Diese Hilfe ist jedoch nur in seltenen Fällen vorhanden. Wir sollen uns auch überlegen Frauen nach einer Fehlgeburt daraufhin zu untersuchen, ob sie eine Behandlung benötigen.“ (AH)

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