Niedriges Selbstwertgefühl kann ein Beziehungstöter sein. Ewiges Vergleichen, sich runtermachen, Unzufriedenheit führt zu niedriger Attraktivität und hat große Auswirkungen auf Beziehungen. Die folgenden Tipps können dabei helfen wieder mehr Selbstbewusstsein aufzubauen.

  1. Hören Sie auf, sich mit anderen zu vergleichen

Es gibt unzählige Möglichkeiten sich zu vergleichen – jemand verdient mehr, sieht besser aus, hat mehr Freunde (wenn auch nur auf Facebook), mehr Kinder, weniger Kinder, mehr Haare, usw. Je mehr man sich vergleicht, desto mehr Neid empfindet man normalerweise. Je mehr Neid man empfindet, desto unglücklicher ist man. Ein altes Sprichwort besagt: „Willst du glücklich sein, vergleiche nicht“.  Wenn Sie sich vor allem auf Qualitäten anderer fokussieren, fallen Ihnen Ihre eigenen irgendwann nicht mehr auf. Übrigens: Auch der Vergleich mit Menschen denen es schlechter geht ist nicht sinnvoll, da man auch dann automatisch im „Vergleichs-Modus“ bleibt und selten gut dabei aussteigt. Versuchen Sie, sich eine Angewohnheit daraus zu machen, jeden Vergleich im Keim zu ersticken.

  1. Lernen Sie Selbst-Mitgefühl

Häufig neigen Menschen dazu sich selbst zu kritisieren, wenn sie nicht so sind, wie sie es von sich erwarten. Obwohl dahinter vielleicht der diffuse Versuch steckt sich selbst anzuspornen, führt dieses Verhalten viel öfter zu Leistungsdruck, unerbittlichen Standards, schlaflosen Nächten und zu einem niedrigeren Selbstwertgefühl. Dieses Verhalten ist meist schon sehr früh erlernt worden und stimmt oft mit dem Verhalten oder unausgesprochenen Ansprüchen der Eltern zusammen. Nicht umsonst wird in einer Psychotherapie häufig die eigene Kindheit aufgearbeitet – unter anderem darum, sich selber besser verstehen zu können und „mitfühlender“ mit sich umzugehen. Treibt man einen Esel mit der Peitsche an, wird er sich nur wiederwillig bewegen und sobald der Antreiber ist stehen bleiben. Vermittelt man ihm aber die Idee vom Möhrenacker, der auf ihn wartet, wird er vielleicht selbst in die Gänge kommen. Beginnen Sie sich wie jemanden zu behandeln, den sie positiv motivieren wollen – entwickeln Sie Selbst-Mitgefühl.

  1. Tun, statt Zweifeln! Nehmen Sie Ihre Zweifel an.

Oft wartet man mit Dingen lieber, bis man sich sicher fühlt. Genau das kann aber eine Falle darstellen. Sicherheit bekommt man, indem man sich seinen Ängsten stellt und beginnt Dinge zu tun. Vorbereitungen können sehr oft sinnvoll und wichtig sein, das Streben nach hundertprozentiger Sicherheit ist aber meist kontraproduktiv. In einer 2010 veröffentlichen Studie an Sportlern wurde sogar festgestellt, dass Zweifel zu einer Leistungssteigerung führen können[1] – Athleten mit gewissen Selbstzweifeln, performen demzufolge besser, als die mit hundertprozentiger Selbstsicherheit. Es kann sich bezahlt machen zu lernen das unsichere Gefühl bei neuen Herausforderungen umarmen zu lernen und so über sich hinauszuwachsen. Die Angst bringt einen nicht um, sie kann einen aber sehr wohl lähmen.

Beginnen Sie Ihre Zweifel zu akzeptieren und lernen Sie, trotz Unsicherheiten zu Handeln.

  1. Betreiben Sie Sport!

Der menschliche Körper ist nicht für die Art von Belastung ausgelegt, wie sie heute oft passiert. Zu wenig Bewegung und zu wenig frische Luft führen zu vielen negativen Auswirkungen. Sport wirkt laut unzähligen Studien besser als ein gut eingestelltes Antidepressivum. Außerdem sparen Sie sich unangenehme Nebenwirkungen (solange Sie dabei nicht übertreiben). Drei Einheiten Sport pro Woche führen meist schon zu dem gewünschten Effekt. Neben der antidepressiven Wirkung und positiven Auswirkung auf die Gesundheit, stellt sich allmählich auch die Körperwahrnehmung um, was häufig zu einer bewussteren Lebensweise und mehr Selbstbewusstsein führt. Wer rastet der rostet – beginnen Sie noch heute mit Sport.

  1. Üben Sie, aus sich raus zu kommen.

Vielleicht fühlen Sie sich manchmal nicht wichtig genug, um sich irgendwo zu Wort zu melden, oder versinken pseudo-beschäftigt im Handy anstatt auf andere zuzugehen? Negative Selbstwahrnehmung und Glaubenssätze haben meistens viel weniger mit der Wirklichkeit zu tun, als Sie vielleicht denken. Lernen Sie Ihre negativen Gedanken auf die Probe zu stellen und immer dann, wenn Sie sich selbst sagen, dass Sie etwas nicht schaffen können, tun sie es einfach. Sehen Sie die neuen Verhaltensmöglichkeiten als Experiment und lernen Sie neu, was passiert. Fehler zu machen, oder nervös zu sein, ist oft weniger schlimm, als man denkt. Jedes Mal, wenn Sie sich Ihren Ängsten stellen, können Sie ein kleines bisschen mehr Selbstwertgefühl gewinnen.

Viele Menschen kämpfen mit ihrem Selbstwertgefühl. Sollten die Einschränkungen in der Beziehung, im sozialen oder beruflichen Umfeld so groß werden, dass Sie alleine nicht damit zurechtkommen, bieten wir im Institut für Ehe und Familie (IEF) gerne Hilfe. Manchmal stecken hinter Problemen alte Denkmuster, die vor allem auch in Beziehungen wieder aktiv werden können. Unsere Berater helfen in solchen Situationen umsichtig und kompetent. Wir freuen uns auf Sie!

Autor: Mag. Johannes Wunsch, 2019

[1] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1469029210000750?via%3Dihub

Drucken