Kritik an der Weltgesundheitsorganisation
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INT / Menschenrechte: WHO in der Kritik

IEF, 28.04.2020 – In letzter Zeit wird der WHO fehlerhafter Umgang mit der Corona-Pandemie vorgeworfen. Aber auch aus anderen Gründen steht die Organisation seit längerem in der Kritik.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine 1948 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen, deren Aufgabe die weltweite Bekämpfung von Krankheiten und Förderung der allgemeinen Gesundheit der Menschen ist. Seit 2017 wird die WHO von Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus geleitet.

Wegen der Förderung kontroverser Agenden wird die WHO bereits seit Jahren kritisiert. Family Watch International macht in einem aktuellen Artikel auf einige der Kritikpunkte aufmerksam.

Förderung der Abtreibung im Rahmen von “sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten” (SRHR)

Unter dem Deckmantel „sicherer Abtreibungen“ und “sexueller und reproduktiver Gesundheit” setzt sich die WHO für die Legalisierung und einen gesicherten Zugang zu Abtreibungen auf der ganzen Welt ein. In einem Informationsblatt aus dem Jahr 2018 plädiert die WHO für eine „umfassende Sexualerziehung“ und die Gewährleistung „sicherer“ und legaler Abtreibungen, um „unsichere“ Abbrüche – also solche, die nicht nach den Standards der WHO durchgeführt werden – zu verhindern. Die WHO listet dabei Hindernisse auf, die dem Zugang zu „sicheren“ Abtreibungen entgegenstehen würden und erwähnt darunter restriktive Abtreibungsgesetze, die Stigmatisierung von Abtreibungen, Gewissensvorbehalte beim medizinischen Personal und „unnötige Bedingungen“, wie beispielsweise Wartezeiten, Pflichtberatung oder die elterliche Zustimmung bei Minderjährigen.

Im Kontext der Corona-Pandemie hat die WHO in ihrem neuen COVID-19 Handbuch außerdem dazu aufgerufen, „die Entscheidung der Frauen und ihre Rechte auf sexuelle und reproduktive Gesundheitsleistungen, darunter den Zugang zu Verhütungsmitteln und sicheren Abtreibungen, in vollem gesetzlichen Umfang zu respektieren“. In einem Webinar zum Thema “COVID-19: Globale Implikationen für sexuelle und reproduktive Rechte“ soll eine für die WHO arbeitende Ärztin zudem für „sichere Selbstabtreibungen“ unter Anwendung von Abtreibungspillen bis zur 12. Schwangerschaftswoche geworben haben. Das IEF hat berichtet.

WHOs Einsatz für die Verbreitung der „umfassenden Sexualerziehung“

2018 gab die WHO zusammen mit anderen UN-Teilorganisationen und der International Planned Parenthood Federation (IPPF) Leitlinien für die Sexualerziehung heraus. Die „International Technical Guidance on Sexuality Education“ setzt weltweite Standards für die Sexualpädagogik, wobei sie unter Sexualität das Geschlecht, geschlechtliche Identitäten und Rollen, sexuelle Orientierung, Erotik, Lust, Intimität und Fortpflanzung versteht. Damit folgen die Leitlinien jener Definition von Sexualität, die auch auf der Website der WHO zu finden ist.

Ziel der in den Leitlinien vorgestellten Sexualerziehung ist es, 9-12-jährigen Kindern unter anderem “Respekt gegenüber diversen Sexualpraktiken” beizubringen. Sie sollen zudem wissen, dass Buben und Mädchen in der Pubertät oder auch schon früher mit dem Masturbieren beginnen, was – laut Leitlinien – keinerlei schädliche Auswirkungen auf Körper oder Emotionen habe. Als eine in den Leitlinien vorgeschlagene Übung sollen die Kinder schließlich weibliche und männliche Reaktionen auf eine sexuelle Stimulation beschreiben.

12-15-Jährige sollen entsprechend den Empfehlungen lernen, dass die Entscheidung, sexuell aktiv zu werden, eine persönliche ist, die sich mit der Zeit verändern könne und die allzeit zu respektieren sei. Die Jugendlichen (12-15) sollen ebenfalls erfahren, dass “nicht-penetrative sexuelle Praktiken” das Risiko für die Übertragung sexueller Krankheiten und für ungewollte Schwangerschaften reduzieren und trotzdem lustbringend sein können. Zu Übungszwecken werden die Kinder angehalten zu erklären, warum jemandes geschlechtliche Identität nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen müsse. Sie sollen außerdem analysieren, wie soziale Normen zu Homophobie oder Transphobie beitragen und lernen, soziale und kulturelle Normen, die das sexuelle Verhalten in der Gesellschaft beeinflussen, zu hinterfragen.

Kritische WHO-Standards für die Sexualaufklärung in Europa

Die WHO betreibt 6 Regionalbüros weltweit. Das europäische Regionalbüro hat eigene „Standards für die Sexualaufklärung in Europa“ herausgegeben, die zum Teil noch kontroversere Thesen aufstellen und beispielsweise von Masturbation bereits bei Kleinkindern sprechen. Das IEF hat bereits mehrmals auf die Problematik der Standards des Europabüros der WHO, auf die sich auch der österreichische Grundsatzerlass Sexualpädagogik aus dem Jahr 2018 stützt, hingewiesen.

Mehrere wissenschaftliche Studien kamen zum Ergebnis, dass Programme der „umfassenden Sexualerziehung“ keine nachweisbar positiven Effekte auf das Verhalten der unterrichteten Jugendlichen haben, sondern diese sogar negativ beeinflussen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zusammenarbeit mit Planned Parenthood und anderen radikalen Abtreibungsbefürwortern

In ihrem eigenen Programm zur Erforschung von sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (Human Reproduction Program, HRP) arbeitet die WHO neben einigen UN Sonderorganisationen wie UNFPA (Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen), UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) und der Weltbank mit einer einzigen NGO zusammen, nämlich der International Planned Parenthood Federation (IPPF), dem größten Abtreibungsanbieter weltweit. Es sei daher laut Family Watch International kein Wunder, dass HRP die Abtreibung, „umfassende Sexualerziehung“ und radikale sexuelle Rechte, wie Prostitution und Transgender-Rechte promotet.

In einer vom HRP herausgegebenen Publikation „Sexual health, human rights and the law“ heißt es beispielsweise, dass sexuelle Gesundheit als Teil der reproduktiven Gesundheit auch die Möglichkeit, die eigene Fruchtbarkeit durch den Zugang zu Verhütungsmitteln und der Abtreibung zu regulieren, beinhaltet. Für die sexuelle Gesundheit sei auch der staatlich gewährleistete Zugang zu Information und Bildung durch „umfassende Sexualerziehung“ unabdingbar. Die Sexualerziehungsprogramme dürften laut dem Positionspapier zudem nicht staatlich zensuriert werden oder unter strafrechtliche Tatbestände der Obszönität fallen.

Für Family Watch International ist ganz offensichtlich, dass viele Inhalte der WHO-Publikationen auf IPPF zurückzuführen seien. Dies berge jedoch einen schwerwiegenden Interessenskonflikt, zumal IPPF von Abtreibungen und anderen die “sexuelle Gesundheit” betreffenden Dienstleistungen finanziell profitiere.

Förderung von Transgender-Agenden

Zu Beginn der Amtszeit von Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die WHO das Phänomen der Geschlechtsdysphorie aus der von der WHO geführten internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) entfernt. In Zukunft wird daher die fehlende Übereinstimmung zwischen empfundenem und biologischem Geschlecht von der WHO nicht mehr als psychische Krankheit geführt werden. Um die gesundheitliche Versorgung von Transgender-Personen zu sichern, wurde „gender incongruence“ jedoch nicht vollkommen aus dem ICD entfernt, sondern unter das Kapitel „Sexual health“ verschoben. Einige Ärztevereinigungen warnen jedoch vor einer Normalisierung der Geschlechtsdysphorie, die ihrer Meinung nach unausweichlich dazu führen wird, dass noch mehr Kindern pubertätsblockende Hormone verschrieben und geschlechtsumwandelnde Operationen durchgeführt werden. (Das IEF hat berichtet). Warum die Behandlung von Transgender-Minderjährigen schädlich sein kann, lesen Sie zudem hier und hier. Der UN-Kinderrechtsausschuss fordert etwa in seinem österreichischen Prüfbericht sogar bei intersexuellen Kindern den Stopp von geschlechtsumwandelnden Operationen (das IEF hat berichtet).

Die WHO setzt sich auch für die rechtliche Anerkennung der empfundenen geschlechtlichen Identität ein, die dem Schutz der Würde und Gesundheit von Transgender-Personen dienen würde. Gesetzliche Regelungen, die die Behandlung von Transgender-Minderjährigen an die elterliche Zustimmung knüpft, seien laut der WHO hingegen abzuschaffen. (AH)

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