INT_AT / Reproduktionsmedizin: Was sich derzeit weltweit gegen Leihmutterschaft tut

IEF, 25.5.2018 – In Washington verlangen drei US-Leihmütter vom Höchstgericht der Vereinigten Staaten, die Rechte von Leihmüttern und Kindern klarer zu regeln.  In England kaufte sich ein Rentnerehepaar mittels Leihmutterschaft ein Kind, das ihnen aber nach einem Jahr von den Behörden weggenommen wurde und nun in einer Pflegefamilie lebt. Die Rentner kämpfen gerichtlich für das Sorgerecht. Währenddessen schlossen sich in Frankreich Frauenorganisationen zusammen, um in einem offenen Brief Leihmutterschaft zu kritisieren.

US-Leihmütter verlangen von Höchstgericht Klärung in Fragen der Leihmutterschaft

Wie die Washington Post berichtet, wollen die US-Leihmütter Melissa Cook, Gail Robinson und Toni Bare vor dem Höchstgericht klarere Regelungen im Bereich der Leihmutterschaft erreichen. Laut den drei Frauen beute Leihmutterschaft die Leihmütter aus, kreiere eine Klasse von Frauen als Brutkästen und kommerzialisiere Kinder. Die drei Frauen aus unterschiedlichen US-Bundesstaaten hatten durch Leihmutterschaft Kinder geboren. Während der Schwangerschaften kamen ihnen Zweifel daran, dass das Aufwachsen bei den Bestellpersonen das Beste für die Kinder sei. Sie kämpften seither um das Sorgerecht für die Kinder und bezeichnen sie als „ihre Kinder“. In allen drei Fällen sind bereits Gerichtsverfahren in den jeweiligen Bundesstaaten im Laufen. Bei Melissa Cook ist das Verfahren sogar schon beim Supreme Court gelandet. Der Antrag von Melissa Cook an das Höchstgericht wurde bereits eingereicht.

Britische Rentner kämpfen für Sorgerecht um Kind aus Leihmutterschaft

Wie Die Welt berichtet, kaufte sich ein Rentnerehepaar – er 65 Jahre als, sie 63 Jahre alt – für tausende Pfund ein Kind, das eine Leihmutter mit britischer Staatsbürgerschaft für sie austrug. Da kommerzielle Leihmutterschaft in Großbritannien verboten ist und das Paar die erlaubte Altersgrenze überschritt, wickelte eine ausländische Vermittlungsagentur den Auftrag ab. Das Baby sei aus einer Spendereizelle und den Samenzellen des 65-jährigen entstanden. Die Leihmutter wurde nach der Geburt auf der Geburtskunde als Mutter geführt, ihr Ehemann als Vater. Die Frau habe dann, wie zuvor offenbar vereinbart, einer Adoption zugestimmt. Das britische Jugendamt habe dieses Arrangement zunächst toleriert und der Adoption zugestimmt. Das Paar sei aber fortan engmaschig von den Behörden betreut worden. Bereits nach einem Jahr wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen, da offenbar die Betreuung und Sicherheit des Kindes nicht optimal gewährleistet worden sei. Das Rentnerehepaar kämpft nun dafür, das Sorgerecht zurückzuerhalten.

Französische Intellektuelle positionieren sich in offenem Brief gegen Leihmutterschaft

Während in Frankreich über die geplante Bioethikreform debattiert wird, veröffentlichten Frauen einen offenen Brief gegen die ausbeuterische Praxis von Leihmutterschaft. Laut Deutschem Ärzteblatt fordern die Unterzeichnerinnen des Briefes Premierminister Edouard Philippe auf, Frauen und Kinder vor einer „Vermarktung der Menschen“ zu schützen. Die Absender des Schreibens, rund 20 französische Frauenorganisationen, kritisierten die in mehreren Städten stattgefundenen Vorträge über Leihmutterschaft einer US-amerikanischen Vermittlungsagentur. Durch die Informationsveranstaltungen werde Leihmutterschaft „trivialisiert“, es zeige allerdings auch den kommerziellen Aspekt auf. „Es ist Gewalt gegen die Frauen, die als Leihmütter missbraucht werden“, so die Frauen. Zudem handle es sich auch um Gewalt gegen das ungeborene Kind, da das Kind Objekt eines vor der Leihmutterschaft geschlossenen Vertrages werde. Die Frauen kritisierten außerdem die „eugenische“ Dimension von Leihmutterschaft. So könnten Auftraggebereltern unter anderem das Geschlecht des Kindes wählen.

Österreichische Medien über Leihmutterschaft

Die Journalistin Eva Maria Bachinger, die durch ihr Buch „Kind auf Bestellung“ und die Initiative „Stoppt Leihmutterschaft“ bekannt wurde, veröffentlichte kürzlich einen Artikel im Standard, um deutlich zu machen, warum Leihmutterschaft Kinderhandel sei.

Ein weiterer Artikel im Standard anlässlich des Muttertags beschäftigt sich ebenso mit dem Thema Leihmutterschaft und zeigt auf, dass diese Praxis trotz Verbotes in Österreich Realität ist.

Die aktuelle Reportage „Im Kontext: Baby um jeden Preis – Albtraum Kinderlosigkeit“ des neuen online Informationskanals Addendum zeigt, wie Paare „ihren Kinderwunsch dank junger Frauen im Ausland erfüllen“. Viele Fragen wie etwa „Ist all das, was medizinisch möglich ist auch moralisch richtig? Ist es vertretbar, für die Erfüllung des Kinderwunsches Frauen aus ärmeren Ländern zu bezahlen? Und ist es vertretbar, Eltern aus moralischen Bedenken, den Kinderwunsch zu verwehren?“ werden von Experten – unter anderem Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF) – und Betroffenen unterschiedlich beantwortet.

Gelangen Sie >> hier zur Leserabstimmung: Soll Leihmutterschaft in Österreich erlaubt werden?

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