Was macht Sex in der Schule?

Die Tagespost, 28.11.2018 – Die Homo-Lobby marschiert gegen den Verein „Teenstar“ – Österreichs Bildungsministerium will alle sexualpädagogischen Angebote an Schulen prüfen. Von Stephan Baier

Ein Tabu wurde gebrochen. Also ließen die Hüter der politisch korrekten Dogmen keinen Zweifel daran aufkommen, dass Sanktionen zu erfolgen hätten: In der Vorwoche enthüllte der öffentlich-rechtliche ORF in einer seiner Hauptnachrichtensendungen, der „christliche Verein Teenstar“ erkläre seit zehn Jahren in Kursen für Lehrer und Jugendliche, Homosexualität sei eine Verirrung, die man heilen könne, Selbstbefriedigung sei schlecht fürs Selbstwertgefühl und „Sex – ja nicht vor der Ehe“.

Eine anonyme Belastungszeugin, deren Gesicht – wohl aus Angst um ihre Sicherheit – unkenntlich gemacht wurde, hatte sich als Sexualpädagogin zusätzlich bei Teenstar ausbilden lassen, um anschließend der „Homosexuellen-Initiative“ (HOSI) in Salzburg Schulungsunterlagen als brisantes Beweismaterial zu übergeben. Der ORF überließ es denn auch dem HOSI-Geschäftsführer Paul Haller, das Urteil zu fällen: „Es ist ein christlich-fundamentalistisches Weltbild, das von einigen wenigen, ganz fundamentalistischen Strömungen in Österreich vertreten wird. Da geht es darum, dass Homosexualität eine Identitätsstörung ist; Jugendliche sollen über die Natürliche Familienplanung verhüten, das funktioniert nicht, das wissen wir.“

Der ORF erschreckt mit Falschmeldungen

Das österreichische Bildungsministerium habe Teenstar überprüfen lassen, ließ der ORF wissen: Noch im November werde es eine Anweisung an alle Landesschulräte geben, nicht mehr mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Teenstar lehre bedenkliche Inhalte, die nicht mit dem Lehrplan in Einklang zu bringen seien. Eine Falschmeldung, wie sich rasch zeigte. Am Folgetag musste der ORF zurückrudern: „Heute stellt sich heraus, das Ministerium kann das gar nicht so einfach abstellen.“ Der Generalsekretär des Ministeriums, Martin Netzer, sagte im ORF-Interview, man werde „Teenstar überprüfen, wir schauen uns die Unterlagen sehr genau an“.

Allerdings heißt es in einer Aussendung des Ministeriums, man werde „flächendeckend erheben, an welchen Standorten sexualpädagogische Workshops durch externe Anbieter geplant sind“. Es geht also nicht allein um Teenstar. Das Bildungsministerium will, dass sämtliche Anbieter von sexualpädagogischen Programmen gemeldet werden müssen, weil man sich alle ansehen will. Und da gäbe es wohl einiges zu tun, denn nicht christliche oder wertgebundene Inhalte dominieren den Sexualkundeunterricht in Österreich, sondern die sogenannte „Sexualpädagogik der Vielfalt“, der Experten eine Frühsexualisierung der Kinder und sexualisierende Methoden vorwerfen.

Vorangegangen war der medialen Kampagne gegen Teenstar eine parlamentarische Anfrage der Opposition vom 11. Juli. Der SPÖ-Parlamentarier Mario Lindner, zugleich Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Sozialdemokratie & Homosexualität“ (SoHo), wollte vom Bildungsminister alles über die Aktivitäten von Teen- star an Schulen wissen. Interessant ist an der schriftlichen Antwort des Ministers vom 11. September nicht nur die Klarstellung, dass die Entscheidung über Kooperationen mit außerschulischen Einrichtungen bei den Schulen selbst liegt, sondern auch, dass „eine österreichweite Meldepflicht der Schulen über die (beabsichtigte) Durchführung von sexualpädagogischen Workshops durch externe Anbieter“ eingeführt wird. Finanziell gefördert wurden bisher durch das Bildungsministerium zwar nicht Teen- star, aber zehn andere namentlich genannte Anbieter. Im Vorjahr mit 48 280 Euro.

Obgleich er selbst die Kampagne gegen Teenstar durch seine parlamentarische Anfrage startete, zeigte sich Lindner in der Vorwoche „schockiert“ von den medialen Berichten über Teenstar. „Derart fragwürdige Workshops haben an den Schulen absolut keinen Platz. Die Politik muss rasch handeln, wenn im Aufklärungsunterricht beispielsweise von Homosexualität als Identitätsproblem gesprochen wird… Die Schule muss ein sicherer Ort sein!“

Ähnlich die seit der jüngsten Wahl nicht mehr dem Parlament angehörenden Grünen, die von Kanzler Kurz eine „klare Haltung gegen jede Form der Homo- und Transphobie“ einfordern. Es sei „unfassbar, dass an Österreichs Schulen reaktionäre Vereine tätig sein dürfen, die ganz offensichtlich zum Ziel haben, unsere modernen Werte gegen mittelalterliche Moralvorstellungen einzutauschen“, meinte etwa die grüne Europaabgeordnete Monika Vana.

Helga Sebernik von Teenstar hat nichts gegen eine grundsätzliche Debatte, aber „unter Einbeziehung der Eltern“, wie sie im Gespräch mit der „Tagespost“ sagt. Teen- star biete „ein ganzheitliches Programm, wo Jugendliche altersgemäß Informationen bekommen“. Man wolle keine Privilegien, aber Gleichberechtigung in der Bildungslandschaft. Mit Kindern ab 13 Jahren werde über Verhütung gesprochen, aber nicht nur technisch. „Die meisten Programme wollen bloß Teenager-Schwangerschaften verhindern und versuchen das mittels Verhütung. Nach dem Motto: Tu es, aber tu es mit Pille oder Kondom.“ Teenstar setze stattdessen auf Persönlichkeitsbildung: „Jugendliche sollen lernen, mit der positiven Kraft der Sexualität umzugehen und das Jugendalter als Zeit der Entfaltung zu entdecken.“ Die allgegenwärtige Frühsexualisierung hinterfrage man ganz bewusst.

Abtreibung werde nicht offensiv thematisiert, aber ja, „Kinder lernen bei uns den Wert des Lebens“. Beim Thema Homosexualität will Helga Sebernik den Jugendlichen den Druck nehmen, den ihnen der Mainstream mache: „Sie sollen sich nicht outen oder vorschnell festlegen müssen.“ Im sensiblen Lebensabschnitt der Jugend seien Gefühle mitunter in Entwicklung.

Kinder sollen nicht ideologisiert werden

Der Direktor des „Instituts für Ehe und Familie“ (IEF), Johannes Reinprecht, bestätigt im Gespräch mit dieser Zeitung, Teenstar leiste einen „wichtigen Beitrag für eine wertebasierte und entwicklungssensible Sexualpädagogik“. Das IEF könne dem Verein durchaus Unbedenklichkeit bescheinigen – „im Gegensatz zu anderen sexualpädagogischen Programmen“. Das IEF arbeite als Einrichtung der Bischofskonferenz mit Teenstar zusammen, weil es dessen werteorientierte Herangehensweise an die Fragen von Jugendlichen schätze. „Kinder dürfen in der Schule nicht ideologisiert oder indoktriniert werden“, so Reinprecht zur „Tagespost“. Es brauche eine einfühlsame Pädagogik, die auf die Entwicklung des Kindes bezogen bleibt.

Die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler meint zur Kampagne gegen Teenstar: „Es ist eine Schieflage, wenn sich Teenstar rechtfertigen muss, während andere Programme ungeprüft in Schulen wirken. Bis man weiß, welche Vereine welche Inhalte in Schulen verbreiten und sie im Blick auf die Qualitätskriterien des Ministeriums überprüft sind, sollte das Bildungsministerium gar keine externen Workshop-Anbieter zulassen.“

Der Artikel wurde dem IEF dankenswerterweise von der Tagespost bereitsgestellt.

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