IEF, 12.11.2019In welchem Zusammenhang steht die derzeit weltweit polarisierende Klimadebatte zur Kirche und ihren Anliegen? Kürzlich sprach die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg in ihrer emotionalen Rede zum Auftakt des UN-Klimagipfels davon, dass die Welt zukünftige Generationen „im Stich“ lasse – „wir werden euch das nie verzeihen“.

Mit 27. Oktober endete die von Papst Franziskus einberufene Amazonassynode zum Thema „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ – eine Sonderversammlung von Bischöfen, Kardinälen und Ordensvertretern aus Ländern der Amazonasregion. Es wurde über seelsorgliche Fragen in der Region des Amazonasgebietes beraten. Rodungen und Umweltverschmutzung im Amazonasbecken könnten sich womöglich spürbar auf das Gesamtklima niederschlagen. Andererseits galt bei dieser Zusammenkunft ein besonderes Augenmerk der Priesterweihe verheirateter Männer. Ob es Bestrebungen geben könnte, aus der Synode heraus entstehende, neue Wege in der Seelsorge für das Amazonasgebiet, auf die Kirche insgesamt, und somit auch auf Europa, auszuweiten, bleibt abzuwarten.

Wichtig scheint, dass die Bestrebungen für das Klima nicht gegen das Engagement für pastorale Anliegen und den Lebensschutz ausgespielt werden dürfen. Ganz im Gegenteil – Schöpfungsverantwortung müsse beides umfassen.

In diesem Zusammenhang bemerkenswert, sei die während des Wahlkampfs zur Nationalratswahl getätigte Aussage des bekennend „ungläubigen“ Grünen-Chefs Werner Kogler, seiner Partei würde es um die „Wahrung der Schöpfung“ gehen. Der ÖVP empfehle er „die Lektüre der Bibel“ sollte sie mit den Grünen eine Koalition anstreben wollen. Insgesamt sei in diesem eben vergangenen Wahlkampf ungewohnt häufig immer wieder zur Besinnung auf die christlich-sozialen Wurzeln aufgerufen worden, so Gudula Walterskirchen in einem kürzlich erschienenen Artikel.

Aufhorchen lässt unter dem Blickwinkel der Gesamtheit der Schöpfungsverantwortung auch die von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea in Erfurt veröffentlichte Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere zum Thema „Schöpfung bewahren“. Vier von zehn Befragten in Deutschland (39 Prozent) seien der Meinung, dass zur „Bewahrung der Schöpfung“ auch der Schutz des Lebens ungeborener Kinder gehöre.

Je älter die Befragten sind, desto häufiger würden sie unter der Bewahrung der Schöpfung auch den Lebensschutz ungeborener Kinder verstehen. Der Anteil steige von 28 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen auf bis zu 48 Prozent bei den ab 60-Jährigen. Vor allem die freikirchlichen Befragten seien der Meinung, dass „Schöpfung bewahren“ auch einschließe, das Leben ungeborener Kinder zu schützen (59 Prozent). Gut die Hälfte der römisch-katholischen Befragten (52 Prozent) würden dies ebenso sehen.

Bereits in der 2015 veröffentlichten Öko-Enzyklika “Laudato si” machte Papst Franziskus deutlich, dass von einer einzigen, umfassenden sozio-ökologischen Krise zu sprechen sei: „Umweltschutz, Armutsbekämpfung und der Einsatz für Menschenwürde gehören untrennbar zusammen.“ Ein wirklich ökologischer Lösungsansatz sei deshalb immer auch ein sozialer Ansatz, “der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde”. Der Heilige Vater fordert hier –  damals wie heute – ein umfassendes Umdenken. (AMK)

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