IEF, 19.06.2019 – Am Pfingstmontag veröffentlichte der Vatikan ein Papier der Kongregation für das katholische Bildungswesen, in dem sich diese kritisch zu bestimmten Formen der Genderforschung äußert.

Die Reaktionen auf das Papier „Als Mann und Frau schuf er sie“ fielen sehr unterschiedlich aus. Sie reichen von Kritik über Unverständnis bis hin zu Übereinstimmung und Lob. Grundsätzlich richtet sich das Dokument an Lehrer und in der Erziehung Tätige in katholischen Einrichtungen. Für diese ist die Bildungskongregation verantwortlich.

Printmedien äußern Unverständnis und Kritik, scheinen jedoch manche Passagen misszuverstehen

Große Printmedien wie Die Zeit, die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder auch die Süddeutsche Zeitung äußern sich vor allem kritisch gegenüber dem Versuch des Vatikan, in einen Dialog über das Thema Gender einzutreten. Der Vorwurf lautet, man beharre vor allem auf den eigenen Positionen und vertrete einen naturalistischen Geschlechterbegriff, der Geschlechtlichkeit auf die biologischen Merkmale reduziere. Außerdem wird kritisiert, dass man sich nur auf Ansprachen und Texte der jetzigen und vorangegangenen Päpste beziehe, anstatt auch den gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskurs aufzugreifen. Es werde zwar auf wissenschaftliche Erkenntnisse verwiesen, Quellen würden jedoch nirgendwo angeführt. Auch werde, so die Süddeutsche Zeitung, nur vom Gender-Begriff in seiner radikalsten Form ausgegangen und zugleich Betroffene wie etwa Inter- und Transsexuelle und deren Situation gar nicht in den Blick genommen. Ob dieses Papier tatsächlich zu einem Dialog führe, wird besonders aus dieser Richtung stark angezweifelt.

Stellungnahme des Verantwortlichen Kardinals Guiseppe Versaldi

Der zuständige Kardinal für die Kongregation für das katholische Bildungswesen stellte sich der Kritik und erläuterte gegenüber Vatican News, man habe mit diesem Schreiben vor allem auf die vielen Anfragen reagieren wollen, die von den verschiedenen Bischofskonferenzen und einzelnen katholischen Bildungsinstitutionen an den Vatikan gerichtet worden seien. Ziel sei es gewesen, einen Dialog einzugehen, in dem man die eigene Position deutlich macht und damit ein Gespräch eröffnet. Bezüglich des Vorwurfes, Geschlecht nur auf die Natur zu reduzieren, antwortet der Kardinal: „Auch wir als Kirche müssen diese Beziehung immer wieder aus Neue vertiefen und dabei vielleicht einige allzu festgefahrene Positionen im Blick auf die Natur korrigieren, die die kulturellen Aspekte völlig außer Acht lassen. Das heißt, wir sind gerne bereit, in diese Auseinandersetzung einzutreten, aber natürlich unter Beibehaltung der Vision der christlichen Anthropologie, die allerdings nicht durch Glaubenssätze, sondern durch rationale Argumente begründet wird.“

Positive Rückmeldungen von einzelnen Theologen und Bischöfen

Unter Theologen ist das neue Papier des Vatikan umstritten. Während die einen kritisieren, dass man sich in den Ausführungen nicht auf dem aktuellen Stand theologischer Forschung bewege, wie es beispielsweise die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckhold tut, loben andere die Haltung und die Grundrichtung des Dokuments. Für den Paderborner Moraltheologen Peter Schallenberg spreche aus dem Schreiben vor allem die Sorge, dass Eltern von der Schule bevormundet werden würden. „Der Vatikan will darauf aufmerksam machen, dass das biologische Geschlecht, das uns vorgegeben ist, die Grundlage unserer Persönlichkeit bildet. Und wir sind in unserer Persönlichkeitsentwicklung an diese biologische Geschlechtlichkeit gebunden“, so Schallenberg. Man möchte vor allem darauf aufmerksam machen, dass katholische Schulen das Recht darauf haben, sich bestimmten radikalen Strömungen, was das Gedankengut über die Geschlechtlichkeit angehe, zu entziehen. Es gehe also vor allem um die Abwehr eines ideellen Totalitarismus und um die Betonung des Rechts der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder. Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer äußerte sich laut kathpress positiv zum Schreiben der Bildungskongregation. Die kritisierte „Gender-Ideologie“ untergrabe die Schöpfungswirklichkeit, so der Bischof auf einer Tagung. (LG)

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