Papst Franziskus
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VA_US/ Kirche: Papst an LGBTQ-Katholiken: Die Kirche ist eine Mutter und ruft alle ihre Kinder zusammen

IEF, 24.05.2022 – Papst Franziskus hat drei kurze Fragen der katholischen LGBTQ-Organisation „Outreach“ beantwortet.

Der Amerikanische Jesuit James Martin, der als Sonderredakteur für Outreach tätig ist, teilte auf der Homepage mit, dass er dem Papst drei Fragen als Mini-Interview geschickt habe. Diese Fragen bekomme der Jesuit, der viele LGBTQ-Personen seelsorglich betreut, häufig von ihnen und ihren Familien gestellt. Papst Franziskus schickte daraufhin einen handschriftlichen Brief mit kurzen Antworten retour.

„Gott ist ein Vater und verleugnet keines seiner Kinder“

Diese Antwort gab Papst Franziskus auf die Frage, was das Wichtigste sei, dass LGBT-Personen über Gott wissen sollten. Er fügte hinzu, dass der „Stil Gottes Nähe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit“ sei. Weiters empfahl der Pontifex die Apostelgeschichte zu lesen, um dort das „Bild der lebendigen Kirche“ zu finden.

„Die Kirche ist eine Mutter, die ihre Kinder zusammenruft“

In der dritten Frage wurde der Papst gefragt, was er jenen LGBT-Personen, die Zurückweisung von der Kirche erfahren hätten, sagen wolle. Franziskus betonte, dass die Zurückweisung nicht „durch die Kirche“ erfolgt sei, sondern durch „Personen in der Kirche“. Die Kirche sei eine Mutter, die ihre Kinder zusammenrufe, schrieb Franziskus und verwies weiter auf die Geschichte der Menschen, die zum Festmahl geladen wurden (Matthäus 22:1-15). Eine „selektive“ Kirche sei nicht die „heilige Mutter Kirche“, sondern eher eine Sekte.

Damit macht Papst Franziskus nochmals deutlich, dass die Kirche eine Kirche von sündigen Menschen auf dem Weg ist – offen für alle Menschen, „Gerechte, Sünder, Reiche und Arme“ (Matthäus 22:1-15; Lukas 14:15-24). Aus katholischer Sicht ist eine spezifische Identifikation als LGBTQ-Person nichts Verwerfliches. Verwerflich können nur bestimmte Handlungen sein, die nicht im „Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind“ (Schreiben der Glaubenskongregation), stehen und damit letztlich dem Menschen und der Gesellschaft als Ganzes zum Schaden gereichen können. Es geht also nie um die Zurückweisung eines Menschen, sondern immer nur um die Unterscheidung zwischen guten und unheilbringenden inneren Haltungen, die sich in gewissen Taten äußern können.

Antwort des Papstes als psychische Gewalt gegen LGBT-Katholiken?

Auf die Antwort des Papstes auf die letzte Frage regte sich umgehend Kritik. So sprach beispielsweise Felix Neumann, ein Redakteur von katholisch.de und Vorstandsmitglied der Gesellschaft katholischer Publizisten in einem Kommentar davon, dass der Papst hier „Gaslighting“ betreibe. „Gaslighting“ beschreibt den Versuch einen anderen Menschen gezielt zu verunsichern und dessen Meinung und Wahrnehmung in Frage zu stellen. Es ist eine Form der emotionalen Manipulation und der psychischen Gewalt.

Aussagen des Papstes müssen im Zusammenhang betrachtet werden

Neumann begründet seinen Vorwurf damit, dass durchaus die Kirche als Institution und nicht nur Menschen in der Kirche LGBT-Personen zurückweisen würden. Als Beispiel nennt er die negative Antwort der Glaubenskongregation auf die Frage nach der Segnung homosexueller Paare.

Die Glaubenskongregation hatte darin jedoch lediglich erklärt, warum die Kirche nicht die Vollmacht habe, eine eheanaloge Verbindung zwischen homosexuellen Menschen zu segnen und hatte darüber hinaus noch einmal die Lehre der Kirche erläutert. Außerdem bekräftigte sie wiederholt die Ablehnung der Kirche gegenüber jeder Form von Diskriminierung Homosexueller (das IEF hat berichtet). (MM)

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