Ehe
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US / Ehe: Der Glaube an die Ehe nimmt ab

IEF, 18.12.2023 – Die Ergebnisse der American Family Survey 2023 zeigen, dass die Ehe in den USA an Popularität verliert.

Zum neunten Mal in Folge wurde kürzlich die American Family Survey, die sich mit den Ansichten und Einstellungen der erwachsenen US-Amerikaner zu Themen rund um Ehe und Familie beschäftigt, am American Enterprise Institute in Washington veröffentlicht. Dabei fiel insbesondere auf, dass das Institut der Ehe anhaltend an Bedeutung verliert. „Unsere Daten zeigen, dass die Heiratsrate im Land rückläufig ist, während die Elternschaft relativ konstant bleibt“, so die Studienautoren Christopher Karpowitz und Jeremy Pope. Stattdessen würden immer mehr junge Menschen eine außereheliche Familie gründen und gänzlich vom Institut der Ehe fliehen, so Jennifer Randles, Autorin und Dekanin des College of Social Sciences an der California State University, über die Studienergebnisse. Viele Leute würden schlicht keine wirtschaftliche Notwendigkeit mehr sehen, zu heiraten.

Kinder brauchen Stabilität

Da Eheleute normalerweise eine stabilere Einheit als unverheiratete Partner oder alleinstehende Personen mit wechselnden Partnern darstellten, hätte die Ehe auch insbesondere für Kinder einen großen Vorteil. Denn Kinder bräuchten für ein gutes, gesundes Aufwachsen und ein später erfolgreiches Leben vor allem Stabilität in ihren jungen Jahren, so Cynthia Osborne, Professorin für frühkindliche Bildung und Politik an der Vanderbilt University, die sich jahrelang mit den Bedürfnissen der Jüngsten der Gesellschaft beschäftigte. Das erste, was die Stabilität von Kindern stärke, sei die Familienstruktur. „Wir wissen, dass eine stabile Familienstruktur bei Kindern in vielerlei Hinsicht einen großen Unterschied in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden macht“, so Osborne. Auch die Autorin und Wirtschaftswissenschaftlerin Isabel Sawhill unterstreicht den Wert der Ehe für Kinder. „Zwei Eltern haben mehr Geld, Zeit und emotionale Energie für die Kindererziehung.“ Das solle aber jedenfalls keine Geringschätzung der Arbeit, die viele Alleinerziehende leisten würden, bedeuten, so Sawhill. Für das Ergebnis der Umfrage macht Sawhill das derzeitige tendenziell eher negative Bild der Ehe verantwortlich. Wenn man in einer Welt aufwachse, in der die Normativität der Ehe geschwächt sei oder in Zweifel gezogen würde, hätte das schlicht Auswirkungen auf Menschen aller Bildungsschichten.

Situation in Österreich

Obwohl im Jahr 2022 wieder mehr Ehen in Österreich geschlossen wurden(plus 15,5 Prozent) als noch im Vorjahr (das hat vor allem mit der Coronapandemie zu tun), ist auch in Österreich tendenziell ein Rückgang der Ehen (siehe ÖIF Familien in Zahlen 2022 Seite 31 ff) zu vermerken und etwa 40 Prozent der Kinder kommen in nicht verheirateten Beziehungen zur Welt. Die Ehe hat in Österreich eine starke Absicherungsfunktion. „Viele denken, sie brauchen die Ehe nicht. Sie wollen möglichst frei und ungebunden leben und sehen gar nicht, dass es auch ein Absicherungskonzept für schlechte Tage ist“, so die Familienanwältin Carmen Thornton. Im Todesfall bestehe bei einer Ehe ein gesetzliches Erbrecht und als hinterbliebener Partner hätte man Anspruch auf Witwer- oder Witwenpension. Außerdem bestehe nach dem Tod des Partners ein Eintrittsrecht in den Mietvertrag und bei einer Eigentumswohnung sogar ein lebenslanges Wohnrecht, zählt Thornton die Rechte auf, die lediglich Eheleuten, aber nicht Hinterbliebenen einer Lebensgemeinschaft zustünden.

Ehe macht gesund und glücklich

Neben der Absicherungsfunktion sind es vor allem aber auch die psychischen Auswirkungen auf Menschen, die für eine Ehe sprechen. So zeigen Studienergebnisse, dass Eheleute glücklicher und gesünder als Unverheiratete sind. Auch die Persönlichkeit von verheirateten Menschen verändere sich laut einer Studie der University of Georgia zum Besseren. So würden Eheleute gewissenhafter und empathischer sowie stressresistenter werden und mit unerwarteten oder beängstigenden Situationen besser umgehen können. (TS)

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