IEF, 10.10.2017 –  Laut Medienberichten stimmte das US-amerikanische Repräsentantenhaus für ein Abtreibungsverbot nach der 20. Schwangerschaftswoche. So historisch dieses Ergebnis anmutet, bleibt der Vorstoß doch bloß symbolisch.

273 Abgeordnete sprachen sich für eine neue Gesetzgebung aus, die zukünftig eine Abtreibung nach der 20.Schwangerschaftswoche verbieten soll, abgesehen von Ausnahmen im Falle von Vergewaltigungen, Inzest oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr steht. Ist keiner dieser Ausnahmetatbestände gegeben, so sieht das Gesetz vor, eine Abtreibung nach der 20. Woche mit einer Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder beidem zu bestrafen. 189 Abgeordnete stimmten dagegen.

Dennoch wird dieser Vorstoß ein symbolischer bleiben. Denn im amerikanischen System muss erst der Senat zustimmen, damit das Rechtsvorhaben rechtskräftig wird und da fehlen den Republikanern rund um Trump 8 Stimmen für die Mehrheit.

Ausschlaggebendes politisches Argument für die Beschränkung auf die 20. Schwangerschaftswoche im Repräsentantenhaus ist die Annahme, dass der Fötus erst ab dieser Zeit ein Schmerzempfinden entwickelt hätte. Die Frage nach dem Schmerzempfinden des Fötus ist in der US-amerikanischen Diskussion rund um die Abtreibung eine sehr wesentliche. Abtreibungsbefürworter argumentieren gerne mit dem fehlenden Schmerzempfinden. So auch der US-amerikanische Verband der Frauenärzte oder Planned Parenthood, jene Organisation, die zahlreiche Abtreibungskliniken betreibt.

Unabhängig davon, dass das Argument der Schmerzempfindlichkeit des Embryos weder rechtlich noch moralisch tauglich sei, um eine Abtreibung zu beurteilen, geht Aktion Leben von einer viel früheren Schmerzempfindlichkeit aus. Helene Göschka, Pressesprecherin der etablierten Lebensschutzbewegung, erklärt auf Nachfragen des IEF, dass bereits ab der 8. Woche der embryonalen Entwicklung der Tastsinn des Embryos ausgeprägt sei und sich schon ab der 4. Wochen die ersten neuronalen Verbindungen zu entwickeln beginnen. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf Ludwig Janus, Heidelberger Psychotherapeut und Präsident der Internationalen Studiengemeinschaft für pränatale und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM), der betont dass das Kind im Mutterleib ein durchaus erlebendes sei und es Wahrnehmungen schon sehr frühe gebe. Daher würde die medizinische Forschung den Zeitpunkt, ab dem so etwas wie ein Schmerzempfinden einsetzt, immer weiter nach vorne datieren, so Göschka mit Bezug auf Janus.

Die Erfahrung, dass Föten schon lang vor der 20. Schwangerschaftswoche versuchen, sich gegen eine Abtreibung zu wehren, hat die ehemalige Leiterin einer Planned Parenthood Abtreibungsklinik, Abby Johnson, dazu bewogen, von einem Tag auf den anderen ihren Job zu quittieren. Ihre Geschichte hat sie in dem Buch „Lebenslinie – Warum ich keine Abtreibungsklinik mehr leite“ veröffentlicht.

 

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