IEF, 4.12.2019 – Die Bedeutung von frühkindlichen Erfahrungen ist bereits seit langem bekannt. Doch die Prägung eines Menschen scheint noch früher zu beginnen als bisher angenommen.

In seinem neuesten Buch „Die Anatomie des Schicksals“ beschreibt der bekannte Gynäkologe und Sachbuchautor Dr. Johannes Huber wie ungeborene Kinder „praktisch alles miterleben, was die Mutter in diesen neun Monaten erlebt“. In einem Interview mit dem Magazin News führt Huber aus, wie die Erfahrungen der Mutter epigenetisch auch beim ungeborenen Kind gespeichert werden und so dessen genetische Disposition verändern. „Die Mutter speichert ihre Erfahrungen im Kind. Und das ist auch gut so. Weil das Kind dadurch schon auf die Umgebung vorbereitet ist, in die es hineingeboren wird.“

Epigenetische Anpassung beginnt offenbar bereits im Mutterleib

Bei der Epigenetik geht es darum, dass sich das, was wir erleben und erfahren, in unseren Genen manifestiert und so für Veränderungen sorgt. Und sie beginnt schon im Mutterleib. So auch der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther in einem Interview mit dem deutschen Onlinemagazin Fokus: „Das ganze Leben ist eine Entdeckungsreise. Vieles spricht dafür, dass wir den spannendsten Teil schon hinter uns haben, wenn wir auf die Welt kommen.“

Kinder ahmen Stimme der Mutter nach

Für die Einflüsse im Mutterleib gibt es mittlerweile auch einen eigenen Begriff: Postconceptional education. Damit ist gemeint, wie Kinder bereits im Mutterleib beginnen zu „lernen“ und später auf Vertrautes reagieren. Ganz besonders ausgeprägt scheint das beim Hören zu sein, so ein aktueller Bericht im Fokus: So weiß man mittlerweile, dass ein Baby die Geräusche, die es im Mutterleib gehört hat, wiedererkennt – unter anderem auch die Stimme seiner Mutter. Wenn es später diese vertrauten Geräusche wahrnimmt – also etwa den gleichen Lärm in der Küche oder die Stimmen seiner Geschwister – ist es weniger gestresst. Dieses Phänomen wurde laut Fokus besonders gut im Zusammenhang mit Musik bewiesen. So ließ sich vielfach beobachten, dass sich Kinder im Mutterleib zu Musik bewegen und später die gehörte Musik auch wiedererkennen.

Praxis der Leihmutterschaft negiert Erkenntnisse

Umso bedenklicher ist die immer stärker um sich greifende Praxis von Leihmutterschaft, bei der von vornherein geplant ist, dass ein Kind nach der Geburt von seiner Mutter, im Fall der Leihmutterschaft von der das Kind austragenden Frau, getrennt wird.

Dr. Stephanie Merckens, Juristin am Institut für Ehe und Familie (IEF), zeigt die Problematik auf: „Immer mehr kommt zutage, wie stark die Schwangerschaft auf die physische und psychische Entwicklung eines Menschen Einfluss nimmt. Und dass Babies auf eine ihnen aus der Schwangerschaft bekannte Umgebung – mit ihren Geräuschen und Gerüchen – positiv reagieren. Während wir einerseits immer mehr über die Bindung und wechselseitige Prägung von Mutter und Kind während der Schwangerschaft wissen, wird diese Erkenntnis im Zusammenhang mit Leihmutterschaft völlig negiert.“

Lesen Sie dazu auch den IEF Artikel “Bezirksgericht widersetzt sich dem Verbot” (ER)

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