GB / Pro-Life: Teil der medikamentösen Abtreibung künftig zu Hause erlaubt

IEF, 10.9.2018 – In Großbritannien soll es Frauen künftig möglich sein, die zweite Phase der medikamentösen Abtreibung zu Hause vorzunehmen.

Was ist eine medikamentöse Abtreibung?

Bei der medikamentösen Abtreibung, die in Österreich bis zum Ablauf der 9. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden darf, muss die Frau im Abstand von ca. 48 Stunden zwei verschiedene Medikamente einnehmen. Das erste enthält den Wirkstoff Mifepriston, der den Schwangerschaftsgelbkörper zerstört, der das sogenannte Progesteron erzeugt, welches für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft notwendig ist. Durch den Hormonentzug kommt es zum Tod des Embryos. Damit dieser nicht in der Gebärmutter bleibt, ist nach zwei Tagen zusätzlich die Gabe eines Prostaglandins (Misoprostol) notwendig, welches die Gebärmutter zusammenzieht und dadurch zur Ausstoßung des Fruchtsackes mit dem Embryo führt. In Österreich muss die erste Medikamentengabe in einer Krankenanstalt erfolgen, die zweite Einnahme darf selbständig zu Hause erfolgen.

Änderung in Großbritannien

Wie das britische Gesundheitsministerium am 25.8.2018 in einer Pressemeldung bekannt gab, soll künftig die Einnahme der zweiten Medikamentengabe der medikamentösen Abtreibung zu Hause möglich sein. Bisher musste diese ebenfalls in einer Krankenanstalt erfolgen. Die Änderung soll Ende 2018 in Kraft treten. Der zweite Besuch in der Krankenanstalt sei für viele Frauen „traumatisch, schwer organisierbar oder unbequem“, zudem bestehe die Gefahr, dass die „Fehlgeburt“ auf dem Weg nach Hause einsetze, begründete das Ministerium die Änderung. Laut BBC hatte sich Claudia Craig, eine Frau, die 2017 eine medikamentöse Abtreibung vornehmen ließ und deren Blutung auf dem Weg vom Spital nach Hause einsetzte, für die Änderung der gesetzlichen Regelung eingesetzt.  Sie und Mitstreiterinnen sowie zahlreiche Ärzte sprechen von einem „Fortschritt“ für Frauen im Gesundheitssystem. Die Society for the Protection of Unborn Children hingegen kritisiert, dass die Einnahme des Abtreibungsmedikaments zu Hause Abtreibung trivialisiere.

4 von 5 Abteibungen in Großbritannien medikamentös

In Großbritannien werden laut Statistik 180.000 Kinder pro Jahr abgetrieben. Vier von fünf Abtreibungen fänden in Form einer medikamentösen Abtreibung vor Ablauf der 11. Schwangerschaftswoche statt.

In Deutschland steigt Einnahme der „Pille danach“

Von der medikamentösen Abtreibung zu unterscheiden ist die sogenannte „Pille danach“. Diese wird je nach Wirkstoff (Levonorgestrel oder Ulipristalacetat) entweder bis zu 72 Stunden oder bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Die Wirkung ist je nach Phase des Zyklus anders. Erfolgt die Einnahme einige Tage vor dem Eisprung, so verhindert die hormondosierte Pille den Eisprung. Steht der Eisprung hingegen unmittelbar bevor, kann dieser und eine nachfolgende Befruchtung nicht mehr beeinflusst werden. Die enthaltenen Hormone verhindern stattdessen die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter und der Embryo stirbt ab. Es kommt zu einer Frühabtreibung. Dies geschieht in etwa sieben Prozent der Anwendungsfälle. Die „Pille danach“ ist ein hochdosiertes Hormonpräparat. Verglichen mit den handelsüblichen Anti-Baby-Pillen enthalten die Präparate einiger Hersteller die Dosis einer Monatspackung.

Wie das Informationsportal Krankenkassen.de am 4.8.2018 berichtet, wurde die „Pille danach“ im vergangenen Jahr 808.000 Mal von den Apotheken abgegeben, was einem Plus von 6,7 Prozent gegenüber 2016 (757.000 Fälle) entspreche. Seit März 2015 können Frauen in Deutschland die „Pille danach“ rezeptfrei in Apotheken kaufen. Im Vergleich zu 2014, dem letzten Jahr vor der Abschaffung der Verschreibungspflicht hätten sich die Abgaben um 70,1 Prozent erhöht. Damals sei das Mittel 475.000 Mal von Ärzten verordnet worden. 2017 sei es nur in 76.000 Fällen von Ärzten verschrieben und ansonsten ohne Rezept verkauft worden. In Österreich kann die „Pille danach“ ebenfalls ohne Rezept erworben werden.

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