US / Sexualerziehung: Teenager wünschen sich mehr Unterstützung darin, mit dem Sex zu warten

IEF, 25.7.2017 – Mit der Schlagzeile „Teens are still having sex, most use contraception“ wollte CNN kürzlich auf neue Zahlen des „National Health Statistics Report“ hinweisen. Diese zeigen jedoch eigentlich, dass immer mehr Jugendliche noch gar keinen Sex haben. Eine aktuelle Harvard- Studie verweist auf den zunehmenden Druck der auf Jugendliche ausgeübt wird, was ihr Sexualverhalten angeht. Die Zahlen zeigen: Eltern können hier helfen und spielen eine große Rolle in den Wünschen der Jugendlichen.

CNN nennt die Zahlen des neuen „National Health Statistic Report“ nur ganz zu Beginn ihres Artikels und geht dann gleich weiter zum Thema Verhütung. Die Zahlen, die sie jedoch präsentieren, lassen aufhorchen. 42 % der weiblichen Teenager und 44% der männlichen Teenager hatten, betrachtet man den Zeitraum von 2011- 2015, mindestens einmal Geschlechtsverkehr. Das bedeutet im Umkehrschluss: Nicht einmal die Hälfte der Jugendlichen der Stichprobe von 4.134 Teilnehmern in den Teenagerjahren hatte überhaupt Sex. Statistisch relevant und interessant war zudem die Entwicklung der letzten Jahrzehnte: Immer mehr Jugendliche scheinen mit dem Sex zu warten – hier ist ein signifikanter Aufwärtstrend zu beobachten.

Das veröffentlichtd Bild des Teenagers sieht jedoch anders aus. Die veröffentlichte Meinung scheint davon auszugehen, dass Teenager regelmäßig auch mit flüchtigen Bekanntschaften ins Bett steigen. Wie der Studienbericht „The Talk“  von einem Projektteam der Harvard Universität jedoch berichtet, fühlen sich Jugendliche von dieser „Hook-Up Culture“ zunehmend unter Druck gesetzt, dieser allgemeinen Erwartung entsprechen zu müssen, ständig Leute kennen zu lernen und mit ihnen zu schlafen. Die Studie aus dem Jahr 2017 zeigt, dass diese unausgesprochenen Erwartungen auch dazu führen können, dass „Teenager und junge Erwachsene sich dazu gedrängt fühlen, jemanden abzuschleppen, obwohl sie sich dafür weder interessieren noch bereit fühlen“, lediglich um der gesellschaftlich transportierten Norm zu entsprechen.

Dabei zeigen jedoch die Daten des zu Anfang erwähnten „National Health Statistic Reports“ 2017, dass dieser Druck mehr auf gesellschaftlichen Annahmen als auf realen Zahlen fußt. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hat noch keine Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr. Die Gründe, die Jugendliche dafür anführen, zeigen, dass hier durchaus bewusste Entscheidungen im Hintergrund stehen. Der meist genannte Grund ist, dass dies nicht ihren „religiösen oder moralischen“ Einstellungen entsprechen würde. Als zweitmeist genannter Grund wird angeführt, dass „bislang noch nicht die richtige Person gefunden wurde“.

Laut der Studie des Harvard-Teams unter der Führung von Dr. Richard Weissbourd, Faculty Director des „Making Caring Common“ Projects der Universität Harvard, wünschen sich Jugendliche jedoch vor allem eins: Mehr Anleitung, Führung und Unterstützung durch Eltern und Schule in Sachen Liebe und Beziehung. Über 70 % der befragten Jugendlichen wünschen sich mehr Gespräche mit ihren Eltern über die emotionalen Aspekte einer Beziehung. Dabei geht es den Teenagern nicht nur um die klassischen Aufklärungsgespräche, sondern sie wünschen sich Unterstützung und Anleitung dabei, wie man gesunde romantische Beziehungen führt. Die Untersuchung zeigt, dass Eltern für Teenager nach wie vor großen Einfluss darauf haben, wie Jugendliche im Bereich von romantischer Beziehung und Sexualität leben und gleichzeitig Verunsicherung darüber vorhanden ist, wie heute noch der Wunsch nach gesunder und heiler Beziehung gelebt werden kann. Denn die Zahlen legen offen: Die allerwenigsten Teenager sprechen mit ihnen vertrauten Erwachsenen über diese Themen.

Bei aller Verunsicherung durch gesellschaftlichen Druck oder auch andere Einflüsse wie etwa dem weit verbreiteten Pornografiekonsum, auf den die Harvard-Studie später noch eingeht, bleibt einerseits der Wunsch nach vertrauter intimer Beziehung, in der dann Sexualität gelebt werden möchte. Andererseits muss der Aufruf an Eltern und Pädagogen wahrgenommen werden. Es hilft den Jugendlichen offensichtlich nicht, Gespräche über Sexualität auf die klassischen Aufklärungsthemen zu beschränken. „Wir haben riesige Institutionen, um unsere Jugendlichen auf ihre spätere Arbeit vorzubereiten, aber nichts, um sie auf die Liebe vorzubereiten“, kritisiert Dr. Weissbourd auf der Homepage des Projektes und fordert, dass Erwachsene und Kindern wieder mehr Möglichkeiten und Gelegenheiten haben sollten, über Liebe und Beziehung zu sprechen.

Eltern und Pädagogen dürfen sich trauen, jenen Raum zu nutzen, den Teenager ihnen durch ihr Fragen und Suchen öffnen und ihnen damit helfen mehr und mehr fähig zu werden, gesunde und reife romantische Beziehungen zu führen.

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