Sterbehilfe zum Welttag der Suizidprävention
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AT / Lebensende: Stimmen zum Welttag der Suizidprävention rufen zur Wachsamkeit

IEF, 11.09.2020 – Am 10. September wird traditionell der Verstobenen durch Suizid gedacht und auf die Anliegen der Suizidprävention aufmerksam gemacht.

Im Jahr 2003 riefen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die International Association for Suicide Prevention (IASP) den Welttag der Suizidprävention ins Leben. Seitdem wird er jedes Jahr begangen, um auf die Problematik der Suizidalität hinzuweisen und der Verstorbenen zu gedenken.

Sinkende Zahlen, aber trotzdem Gründe zur Sorge

Rund eine Million Suizide werden jedes Jahr weltweit verübt und laut Schätzungen kommen auf jeden begangenen Suizid noch 20 Suizidversuche. Mit einer zwar seit Jahren sinkenden Suizidrate von 14,4 Personen liegt Österreich laut Salzburger Nachrichten jedoch in Europa noch immer über dem Durchschnitt, schließlich sterben hierzulande noch immer dreimal so viele Personen durch Suizid als im Straßenverkehr.

Peter Stippl, der Präsident des Österreichischen Berufsverbands für Psychotherapie sieht ein „Gefühl der Angst“ als häufigen Grund. Er fordert, dass jeder Mensch mit Suizidgedanken jemanden brauche, der ihm lebensbejahende Auswege aufzeige, statt sich „mit seinen Selbsttötungsgedanken zu solidarisieren“. Besondere Sorge bereitet ihm die „Sterbehilfe“-Debatte, „in der Suizid als selbstbestimmte Entscheidung am Lebensende heroisiert wird“.

Für Kardinal Schönborn ist Österreich „vorbildlich“

In seiner wöchentlichen Kolumne „Antworten“ für die Zeitung „heute“ denkt der Kardinal in die gleiche Richtung und stellt die Frage, ob man bei einem Menschen, für den Leiden das Leben zur Qual gemacht hat und der Tod eine Befreiung ist, „die Befreiung beschleunigen darf“. Er verweist dabei auf die anstehende Verhandlung zu den Themen „Assistierter Suizid“ und „Tötung auf Verlangen“ vor dem Verfassungsgerichtshof. „Begleiten Ja, Töten Nein“ lautet seine klare Antwort. Dies bezeichnet er als „Weg Österreichs“, der sich bewährt habe. Er stellt fest, dass ihm die Entwicklungen in Ländern, die Sterbehilfe erlaubt haben, Sorgen bereiten, aber Österreich in dieser Hinsicht „vorbildlich“ sei.

Kummer in Wiener Zeitung für „Brücke der Solidarität“

Mit dem gleichen Thema setzt sich in der Wiener Zeitung die Bioethikerin Susanne Kummer auseinander, die deutlich macht, dass eine Einführung von Suizidbeihilfe plötzlich gesetzlich zwischen abzuwendenden und vermeintlich „guten“ Suiziden unterscheide. Eine solche Bewertung könne aber nicht überzeugen, sondern führe vielmehr dazu, dass jegliche Art der Suizidprävention schwierig würde, so Kummer.

Weiters verweist sie darauf, dass die Anzahl der Suizide in den Ländern, die „Sterbehilfe“ erlaubt haben, steige: „Das Angebot steigert die Nachfrage“. Man müsse Menschen, die suizidgefährdet sind, zeigen, „dass sie einen wichtigen Platz im Leben haben“.

Viele Hilfsangebote für Betroffene

Wie wichtig diese Hilfe gerade in der aktuellen Coronakrise ist, zeigen die jüngsten Meldungen großer Hilfsorganisationen. So berichtet der ORF, dass die Telefonseelsorge ihr Angebot in der vergangenen Zeit um das drei- bis vierfache aufgestockt habe und auch „Rat auf Draht“ berichtet in einer Aussendung von einer Verschärfung der Situation.

Was alles an Hilfe möglich ist, zeigt auch der Kurznachrichtendienst Twitter in der Schweiz, wo eine „Search Prompt“-Funktion eingeführt wurde. Wie berichtet wird, erscheint nun bei der Eingabe bestimmter Begriffe, die im Zusammenhang mit Suiziden stehen, sofort ein Hinweis mit Hilfsangeboten.

(MM)

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