IEF, 18.9.2019 – Auch in Deutschland bleibt das Thema Sterbehilfe aktuell. Noch in diesem Jahr könnte das Verbot der „geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe aufgehoben werden. Wie das IEF berichtete, reichten Personen, Vereine und Ärzte insgesamt sechs Verfassungsbeschwerden ein. Doch es gibt auch Stimmen gegen Sterbehilfe.

Palliativmedizin: Zu wenig Wissen in der Bevölkerung

In einem aktuellen Interview im Online-Magazin Pro Christliches Medienmagazin warnt der Palliativmediziner Thomas Sitte vor einer Liberalisierung. Als Palliativexperte gehe er davon aus, dass „so gut wie jedes Leid“ gelindert werden könne. Leider aber wisse die Bevölkerung dies noch nicht ausreichend. Hier sehe er vor allem die Gruppen in der Verantwortung aufzuklären, die „ein ethisches Interesse daran haben, dass das Thema bekannter wird“. „Die Kirchen zum Beispiel. Stellen Sie sich vor, in allen Kirchgemeinden lägen Informationen zur Palliativmedizin aus. Da könnte doch eine ziemlich große Anzahl von Menschen erreicht werden.“, so Sitte. Der Sterbehilfelobby werfe er vor, mit der Angst der Menschen zu spielen. Zur „Sterbehilfe“ Demenzkranker findet Sitte ebenfalls klare Worte: „Helfen wir einem solchen (Anm. d. R. demenzkranken) Patienten aber beim Sterben, dann ist das keine Beihilfe mehr, sondern eine Tötung ohne Verlangen. Denn jemand, der schwer dement ist, fragt nicht nach Suizidbeihilfe.“

„Nicht beim, sondern im Sterben helfen“

Ebenso gegen eine Liberalisierung von Suizidbeihilfe sprach sich der ehemalige deutsche Spitzenpolitiker und jetzige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) Franz Müntefering kürzlich bei einem Vortrag aus. Medienberichten zufolge sagte Müntefering, bereits zweimal in seinem Leben „Sterbehilfe“ geleistet zu haben. Allerdings nicht in der Form, wie das Wort „Sterbehilfe“ in der heutigen Gesellschaft verstanden werde, denn die lehne er ab. Er habe ihnen „nicht beim Sterben, sondern im Sterben geholfen“. (TSG)

 

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