IEF, 9.9.2019 – Forscher fanden heraus, dass das letzte Schwangerschaftsdrittel für die Sprachentwicklung essentiell sei und reifgeborene Babys bereits am Tag ihrer Geburt in der Lage seien, Sprachlaute von Nichtsprachlauten zu unterscheiden.

Letztes Schwangerschaftsdrittel essentiell für Sprachentwicklung

Eine Arbeitsgruppe um die Neurolinguistin Lisa Bartha-Doering der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Med-Uni Wien im Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) konnte anhand ihrer Untersuchungen zeigen, dass die Spezialisierung von bestimmten Bereichen des Stirn- und des Schläfenlappens der linken Hirnhälfte für die Sprachverarbeitung schon ab der Geburt nachweisbar sei. Kinder sprechen in der Regel zwischen 12 und 18 Monaten erste Worte, sehr viel früher beginne jedoch die Spezialisierung jener Regionen im Gehirn, die sprachliche Laute erkennen und verarbeiten.

Da das Hörorgan von ungeborenen Babys im letzten Drittel der Schwangerschaft bereits funktionsfähig ist, würden die Föten schon im Mutterleib lernen, verschiedene Sprachlaute zu unterscheiden. Durch den Körper der Mutter gelangen die Geräusche in gedämpfter Form zu den Ungeborenen. Diese gefilterte Geräuschkulisse in den letzten Wochen der Schwangerschaft scheinen von großer Bedeutung für die Sprachentwicklung der Kinder zu sein, so die Ergebnisse der Studie.

Frühchen reagieren nicht auf Sprachreiz

Die Forscher untersuchten für ihre Studie 15 neugeborene und 15 frühgeborene Babys. Um die frühe Hirnaktivität der Kinder zu messen, wurde die Methode der funktionellen Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS) angewendet. So konnten die Forscher erheben, ob sich die Sauerstoffanreicherung in der Hirnrinde der Babys während der Wahrnehmung von Sprache verändert. Dadurch sollte herausgefunden werden, ob gewisse Laute von den Neugeborenen als Sprache erkannt werden oder nicht. So zeigte sich, dass – im Gegensatz zu reifgeborenen Babys – die frühgeborenen Babys nicht in der Lage waren sprachliche von nichtsprachlichen Lauten zu unterscheiden.

Wichtige Erkenntnisse für Pflege von Frühchen

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für den Umgang mit Frühgeborenen, denn Sprachdefizite gehörten mitunter zu den häufigsten Problemen, mit denen Frühgeborene zu kämpfen hätten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass den frühgeborenen Säuglingen die wichtigen letzten Wochen im Bauch der Mutter fehlten, in denen sie die Geräusche und Sprachlaute noch gefiltert wahrgenommen hätten. Die akustische Umgebung auf Frühchenstationen sollte also mehr Beachtung finden, um die Sprachentwicklung der Babys zu fördern, so das Resümee der Wissenschaftler. „Eine Lautumgebung ähnlich der Situation im Mutterleib inklusive elterlicher Stimmen und Reduktion der Umweltgeräusche kann die Entwicklung der Sprachareale im Gehirn von frühgeborenen Kindern unterstützen und somit die weitere Sprachentwicklung erleichtern“, erklärt die Studienleiterin Bartha-Doering. (TSG)

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