IEF, 04.11.2019 – Ein entsprechender Antrag der SPD soll auf ihrem Landesparteitag beschlossen worden sein.  Vorstandsvorsitzender von Pro Femina, Kristijan Aufiero, kontert und ortet „ideologische Verblendung an Stelle von gesundem Menschenverstand“.

SPD-Antrag: Pro Choice statt Pro Femina

Neben der Kreisdelegiertenversammlung der SPD Steglitz-Zehlendorf soll auch die Landesdelegiertenversammlung der Jusos Berlin einen gleichlautenden Antrag eingebracht haben. Darin heißt es, dass die Beratungsstelle des Vereins „Pro Femina“ Schwangere bewusst täuschen, keine Beratungsscheine ausstellen und nicht ergebnisoffen und seriös beraten würde. Das „potentielle neue Leben“ würde bei Pro Femina auf Kosten der Schwangeren in den Vordergrund gerückt werden, wobei eine Abtreibung nicht als legitime Entscheidung dargestellt werde. Laut einigen Erlebnisberichten sollen Frauen nach der Beratung außerdem unter Druck gesetzt und „u.a. mit Anrufen regelrecht terrorisiert“ worden sein. Schließlich würde Pro-Femina die Beratung immer wieder bis über die ersten 12 Schwangerschaftswochen hinauszögern, nach denen eine legale Abtreibung nicht mehr möglich sei.

Zwangsberatung für Schwangere abschaffen

Die Kreisdelegiertenversammlung erinnert in dem Antrag auch an die Forderung, die Zwangsberatung für Schwangere, die eine Abtreibung durchführen lassen möchten, abzuschaffen.

Der Antrag soll laut der Evangelischen Nachrichtenagentur idea einstimmig und ohne vorherige Aussprache beschlossen worden sein. Seine Umsetzung werde nun von der Berliner „Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung“ geprüft.

„Eine Willkür, die sprachlos macht“

Für den Vorstandsvorsitzenden von Pro Femina, Kristijan Aufiero, wurde die Forderung nach der Schließung der Beratungsstelle „ohne Reflexion erhoben“. „Das ist eine Willkür, die uns sprachlos macht“, so Aufiero. Aber eine juristische Auseinandersetzung würde der Verein nicht fürchten. Laut übereinstimmenden Rückmeldungen verschiedener Experten in Fragen des Verwaltungsrechts sei eine Schließung des Beratungszentrums „juristisch unhaltbar“. Der Vorstandsvorsitzende blickt auch hoffnungsvoll in die Zukunft: „Wenn Gott dies will, wenn unsere Unterstützer an unserer Seite bleiben und wir uns als 1000plus treu bleiben und weiterhin konsequent die Frauen in den Mittelpunkt all unseres Tuns stellen, wird nichts und niemand diese kraftvolle Erneuerung der Kultur des Lebens aufhalten können.“ Man arbeite unermüdlich daran um noch mehr Schwangeren in Not beste Informationen, exzellente Beratung und ganz konkrete Hilfe bieten zu können.

Bereits im Vorfeld des Parteitages hatte Aufiero in einem Online-Artikel zu den im SPD-Antrag erhobenen Anschuldigungen Stellung bezogen. Die Vorwürfe der Manipulation würden sich auf die Aussage einer Undercover-Reporterin von BuzzFeed News beziehen, die sich als Schwangere in Not bei Pro Femina ausgegeben hatte. Ihren Angaben zu Folge sollen die Beraterinnen „einfühlsam, verständnisvoll, und bemüht“ gewesen sein und ihr immer wieder Angebote gemacht haben, „um ein Leben mit Kind zu erleichtern…“. Wie diese Aussage als Vorwurf verstanden werden könne, ist dem Vorstandsvorsitzenden schleierhaft. Im Sinne der Transparenz und um allen die Möglichkeit zu bieten selbst zu entscheiden, ob die Beratung manipulativ oder „ganz das Gegenteil“ war, hat Pro Femina den gesamten Verlauf des Fake-Beratungsfalls in einem Dokument zusammengefasst und veröffentlicht.

Der Anschuldigung Pro Femina würde häufig nachfragen, wie es den beratenen Frauen gehe, hielt Aufiero die Tatsache entgegen, dass 99% der Rückmeldung auf die Nachfragen positiv wären. Zur Untermauerung veröffentlichte Pro Femina auch in dem Fall ein Dokument mit 67 Original-Beispielen von E-Mails, in denen sich Frauen für eine Nachfrage bedanken.

Wie Pro Femina als ein vor allem internetbasiertes Beratungsangebot, Frauen durch irgendwelche Verzögerungstaktiken dazu bringen soll, die 12. Wochenfrist verstreichen zu lassen, nach der keine Abtreibung mehr möglich ist, sei für Aufiero ebenfalls rätselhaft. Lediglich 0,4 Prozent der von Pro Femina beratenen Frauen würden eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen. Außerdem seien sehr viele Frauen, die sich an Pro Femina wenden, bereits von einer staatlichen Beratungsstelle beraten worden und hätten schon einen Beratungsschein. Um dies zu dokumentieren hat Pro Femina eine Auswahl von 45 originalen Erfahrungsberichten von betroffenen Frauen zum Thema „staatliche Beratungsstellen“ veröffentlicht.

Pro Femina hatte zudem eine Online-Petition gestartet, in der die Delegierten zur Ablehnung der Anträge aufgerufen werden. Bis jetzt haben fast 18.000 Menschen (Stand 04.11.2019) die Petition unterschrieben.

Einige Wochen zuvor wurde das Beratungszentrum der Schwangerenberatung von Pro Femina „1000plus“ in Berlin von unbekannten Tätern verwüstet. Unter anderem wurden Fenster eingeschlagen sowie Wände, Türen und Teppiche beschmiert. Im „Bekennerschreiben“ war die Rede vom Kampf für den Feminismus. Das IEF hat berichtet. (AH)

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