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VA / Lebensende: Radio Vatikan stellt ablehnende Haltung zu Sterbehilfe klar

IEF, 26.1.2018 – Im Dezember 2017 billigte das italienische Parlament ein Gesetz für Patientenverfügungen.  Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, könnten Personen nun für Ärzte und Krankenhäuser bindend festlegen, wie sie in schweren Krankheitsfällen behandelt werden wollten. Dies schließe auch die Ablehnung einzelner Therapiemaßnahmen sowie künstlicher Ernährung ein. Im Rahmen einer Konferenz zu Fragen am Lebensende im November 2017 erwähnte Papst Franziskus, dass es Situationen geben könne, in denen es moralisch gerechtfertigt sei, auf eine weitere Behandlung zu verzichten. Immer wieder wird dem Papst seither fälschlicherweise unterstellt, Sterbehilfe zu begünstigen.

Katholische Kirche: Künstliche Ernährung ist keine Therapie

Kardinal Gualtiero Bassetti, Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz, hatte im Vorfeld dafür plädiert, katholischen Ärzten und Krankenhäusern zu ermöglichen, die Patientenverfügung aus Gewissensgründen abzulehnen. Insbesondere umstritten sei der Punkt, künstliche Ernährung als Therapie zu deklarieren. Obgleich die Katholische Kirche sich gegen eine „Therapie um jeden Preis“ ausspreche, zähle künstliche Ernährung nicht dazu.

Papst verurteilt Sterbehilfe

Im November 2017  tagte der Weltärztebund (WMA) auf Einladung der Päpstlichen Akademie für das Leben im Vatikan zu Fragen am Lebensende. Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) berichtete, sandte Papst Franziskus eine Grußbotschaft an die Teilnehmer der Konferenz. Franziskus betonte, dass es angesichts der enormen medizinisch-technischen Entwicklungen Situationen geben könne, in denen eine Behandlung des todkranken Menschen in keinem Verhältnis zum erhofften Ergebnis der Heilung oder Schmerzlinderung stünden. In einer solchen Situation könne es moralisch gerechtfertigt sein, auf eine weitere Behandlung zu verzichten. Es gehe in solchen Fällen nicht darum, den Tod herbeizuführen, sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verhindern könne. Dies sei etwas völlig anderes als Euthanasie, welche immer falsch sei, da es dabei um die Absicht gehe, Leben zu beenden und den Tod herbeizuführen.

Radio Vatikan dementiert Missverständnisse über kirchliche Haltung zu Sterbehilfe

Medien hatten daraufhin berichtet, der Papst habe in Bezug auf die kirchliche Haltung zum Umgang mit sterbenden Menschen „eine Kehrtwende“ eingeläutet und stünde sogar für Suizidbeihilfe ein. Kardinal Basetti dementierte dieses Missverständnis über Radio Vatikan entschieden. „Was der Papst der Akademie für das Leben sagte, fügt sich in das ein, was die Kirche für die Menschen wünscht und zwar, dass die Bedingungen für Sterbende so menschlich wie möglich sind. Es ist aber nicht immer leicht, von vornherein die klare Grenze zwischen übertriebenen lebensverlängernde Therapien und Euthanasie zu unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, dass jene, die zu einem bestimmten Zeitpunkt entscheiden müssen, wie sie medizinisch handeln sollen, sowohl den Willen des Patienten als auch die Kompetenzen des Arztes in Betracht ziehen. Diese Unterscheidungskraft muss also den richtigen Ausgleich zwischen der Pflege und dem Patientenwillen beachten. Das darf aber niemals zu einer ,Wegwerfkultur´ verkommen, wie Papst Franziskus es mehrmals angeprangert hat.“ Zu „verzichtbaren Therapien“ gehöre außerdem nicht die Ernährung oder hygienische Pflege, stellte Basetti klar.

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