AG / Abtreibung: Wenn eine Bastion fällt

IEF, 14.01.2021 – Im Heimatland von Papst Franziskus sind Abtreibungen künftig zulässig.

Unter dem Slogan „kein weiterer Tod wegen einer heimlichen Abtreibung“, hatten die, zumeist weiblichen, Demonstranten auf den Straßen von Buenos Aires seit Wochen eine Gesetzänderung gefordert. Ihr Ziel ist erreicht: die Tötung von Föten ist künftig bis zur 14. Schwangerschaftswoche straffrei. Eine entsprechende Novelle wurde vom argentinischen Kongress mit 38 Ja- gegen 29 Nein-Stimmen am 30. Dezember verabschiedet. Bisher waren Abtreibungen nur in Fällen von Vergewaltigung erlaubt, oder wenn die Gesundheit der Mutter gefährdet war.

Erst der Anfang?

Die Gesetzesänderung sei, wie die BBC berichtet, ein „bahnbrechender Schritt für eine Region, die einige der restriktivsten Abtreibungsgesetze der Welt hat“. Abtreibungsbefürworter hoffen, dass die Verabschiedung des Gesetzes in Argentinien – einem der größten und einflussreichsten Länder der Region – andere Länder dazu inspirieren wird, diesem Beispiel zu folgen. Argentinien ist das erste große Land im katholisch geprägten Süden Amerikas, das die Abtreibung legalisiert. Bisher seien solche Eingriffe in der Region nur in Kuba, Uruguay und Guyana erlaubt gewesen, berichtet die Presse online. Präsident Alberto Fernández, der mit der Gesetzesinitiative ein Wahlversprechen umsetzte, schrieb auf Twitter: “Heute sind wir eine bessere Gesellschaft, die die Rechte der Frauen erweitert und die öffentliche Gesundheit garantiert.”

Drahtzieher enthüllt

Nur wenige Stunden nach der Abstimmung veröffentlichte einer der internationalen Zweige von Planned Parenthood, die International Planned Parenthood Federation/Western Hemisphere Region (IPPFWHR) in einer Stellungnahme, in dem südamerikanischen Land schon lange Lobbyinitiativen finanziert zu haben, um die Legalisierung der Abtreibung voranzutreiben. Seit mehr als 15 Jahren habe IPPFWHR ein „Öko-System“ von „feministischen Organisationen und Aktivisten genährt“, das dazu beigetragen habe, das neue Gesetz zu ermöglichen. Wie etwa die Catholic News Agency schreibt, widerspricht dies diametral den Beteuerungen des argentinischen Präsidenten und Mitte/Links-Politikers (Frente de Todos) Fernández, der derartige Aktivitäten von internationalen Organisationen wie Planned Parenthood und der Ford Foundation dementierte und betonte, das Gesetz würde ausschließlich dem Willen des argentinischen Volkes entsprechen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Giacobbe & Asociados aus November 2020, wonach 60% der Argentinier gegen das Gesetz und nur 26 % dafür gewesen seien, ist diese Behauptung mehr als fraglich.

Katholische Kirche weiter zurückgedrängt

Vertreter der in Südamerika vermeintlich einflussreichen katholischen Kirche zeigten sich von der Novelle zutiefst betroffen. „Das ist ein Gesetz, das gegen die Verfassung verstößt“, heißt es in einer Stellungnahme des dritten Ordens des hl. Franz von Assisi, den „säkulären Franziskanern“: „Wir fühlen uns verletzt und verraten: Einmal mehr werden damit Frauen und Kinder, also die verletzlichsten Menschen, misshandelt oder sogar getötet.“ Auch die Abgeordneten des Kongresses in Paraguay zeigten sich über Argentiniens Schulterschluss mit Abreibungsbefürwortern entsetzt. In einer Schweigeminute auf Initiative des Kongressabgeordneten Raúl Latorre (ANR) gedachten sie der „tausenden von Leben argentinischer Brüder und Schwestern, die aufgrund der jüngsten Entscheidung des Senats des Nachbarlandes verloren gehen werden, noch bevor sie geboren sind“. (KL)

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