IEF, 11.03.2020 – Ein Dokumentarfilm zeigt, mit welchen Herausforderungen ungewollt Schwangere kämpfen müssen und wie wenig Schwangerschaftsabbruch als Lösung taugt.

In dem schweizer Dokumentarfilm werden Schicksale von sechs Frauen aus der Schweiz, Ruanda, Brasilien, Russland, China und Israel gezeigt. Gemeinsam ist allen, dass sie irgendwann ungewollt schwanger wurden. Die Geschichte einer jeden dieser Frauen ist ein Spiegel dafür, wie mit dem Thema „ungewollte Schwangerschaft“ in den jeweiligen Ländern umgegangen wird. Die Filmproduzenten zeigen dabei, wie Angehörige, Freunde und Experten auf eine ungewollte Schwangerschaft reagieren. Sie wollen wissen, ob Druck auf die betroffenen Frauen ausgeübt wird und ob es Tabus und Klischees rund um das Thema gibt. Letztendlich fragen sie auch, ob es eine echte Wahlfreiheit für Frauen in solchen Situationen gibt.

Ungewollte Schwangerschaft als Schande

Am Beispiel einer Frau aus Brasilien wird in dem Film gezeigt, wie weit das Leben als alleinerziehende Mutter in dem Land noch immer als gesellschaftliches Tabu gilt. Ein noch drastischeres Bild zeichnet die Geschichte einer jungen Frau aus Ruanda. Hier wird nämlich deutlich, dass die Schwangerschaft einer unverheirateten Frau in dem Land noch immer als Schande für die ganze Familie gilt. Die Männer würden sich in den meisten Fällen aus dem Staub machen und die ganze Verantwortung bliebe an der Frau hängen, die meist nicht mal von ihrer Familie eine Unterstützung bekäme.

Die Rolle der Männer

Der Bericht über eine Frau aus Russland geht vor allem auf den Umgang der Männer mit einer ungewollten Schwangerschaft ein. Die meisten von ihnen würden sich eine möglichst schnelle Lösung wünschen, wenn sie von der Schwangerschaft erfahren und dies heiße in den meisten Fällen „Abtreibung“. Der Dokumentarfilm lässt in dem Zusammenhang auch eine russische Sozialarbeiterin zu Wort kommen, die darauf hinweist, dass in unserer Gesellschaft oft nichts über die Rolle der Männer gesagt würde – beispielsweise wie wichtig ihr Beitrag für die Familienplanung sei und dass die Frauen beschützt werden müssten.

Abtreibung als Methode der Familienplanung

In China gehen die Filmproduzenten den Folgen der Ein-Kind-Politik auf den Grund. Sehr viele Frauen hätten in dem Land eine Abtreibung hinter sich. Ein Schwangerschaftsabbruch gelte hier als eine anerkannte Methode der Familienplanung. Vielen Frauen würde nahegelegt werden zu Beginn einer Beziehung auf keinen Fall schwanger zu werden. Etwas später dann sollten sie um jeden Preis ein Kind bekommen, um der Familie Nachwuchs zu verschaffen. Eine Krankenschwester erzählt in dem Film von vielen Frauen, die nach einer Abtreibung Schwierigkeiten hätten, schwanger zu werden. Viele Beziehung würden daran auch scheitern.

Eine Entscheidung gegen die Abtreibung als Heldentat

Auch die Geschichte eines Paares aus der Schweiz zeigt, dass sogar in unserer westlichen Gesellschaft das Annehmen eines ungeplanten Kindes mit großen Schwierigkeiten verbunden sein kann. Ein Sozialarbeiter spricht davon, wie oft gerade jungen Frauen eine Abtreibung von ihrem Umfeld nahegelegt wird und wie selten Alternativen aufgezeigt werden. „Junge Leute, die heute eine Schwangerschaft fortsetzen wollen, müssen sich dafür rechtfertigen“, meint der Sozialarbeiter weiter. „Die Jungen müssen beweisen, dass sie fähig sind, ein Baby zu haben. Diejenigen, die Ärzte, Sozialdienste und ihren Freundeskreis damit konfrontieren, sind für mich echte Helden“.

Druck abzutreiben

Avishag, eine junge Frau aus Israel, erzählt in dem Film, wie man ihr gesagt hätte, sie sei viel zu jung um eine Kind zu bekommen, als sie mit 17 Jahren schwanger wurde. Der Druck der Gesellschaft sei in ihrem Fall immens gewesen. „Wenn du das Kind in deinem Bauch wirklich liebst, dann treibst du es ab oder gibst es zur Adoption frei. Du könntest ihm keine Wärme und Liebe geben. Du hast kein Geld. Möchtest du, dass es in Armut und im Dreck aufwächst?“, soll ihr eine Sozialarbeiterin gesagt haben.  Anfangs hätte sie auch große Angst gehabt und dachte, durch die Schwangerschaft würden sich „all ihre Träume in nichts auflösen“, schließlich entschied sie sich aber, das Kind zu bekommen – eine Entscheidung, die sie nicht bereuen würde.

Abtreibung verfestigt gesellschaftliche Tabus

Der Film möchte die gesellschaftlichen Tabus, die es noch immer rund um ungewollte Schwangerschaften gibt, zur Sprache bringen und sie in den öffentlichen Diskurs einbeziehen. Er zeigt auf, welcher Druck auf Frauen, die ungeplant schwanger werden, weiterhin ausgeübt wird und wie oft ihnen eine Abtreibung als Lösung des Problems nahegelegt wird. Und das obwohl diese „Lösung“ die gesellschaftlichen Tabus und Missstände eigentlich nur verfestigt. Die junge Israeli sagt in dem Film, dass 90 Prozent der Frauen die abtreiben, es wegen des gesellschaftlichen Drucks tun würden. Frauen bräuchten aber vielmehr die Gewissheit, dass jemand zu ihnen steht. Jemand, der ihnen neue Hoffnung gibt. (AH)

Eine 40-minütige Version des Kinofilms gibt es hier zu sehen. Zum Trailer gelangen Sie hier.

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