Haustüren zu – Herzenstüren auf –  Veränderung beflügelt (Ehe)Paare

Podcast von DSA Petra Ganneshofer

Aktuell müssen die Türen vielerorts leider geschlossen bleiben. Doch niemand wird Sie daran hindern, Ihre Herzenstüren füreinander als (Ehe)Paar und Familie offen zu halten. In der Themenreihe Haustüren zu – Herzenstüren auf geht es in drei Schritten der Veränderung darum, Sie als (Ehe)Paar zu stärken und neu füreinander zu öffnen. Durch kleine Grundschritte der Veränderung, die Sie als Paar gemeinsam setzen können, können Sie neue Tanzschritte für Ihren „Paartanz“ einüben und Heilung als Paar erfahren. So können Sie Ihr persönliches Veränderungspotential entfalten und neue Verbundenheit erleben.

Hier der dritte Podcast aus der Themenreihe:

Haustüre zu, Herzenstüre auf –  Heilung für Ihre (Paar)Beziehung

Über der täglichen Nachrichtenflut, Homeoffice und wachsenden Quarantänevorschriften beginnt sich in Coronawoche drei langsam dicke Luft in Ihrer Paarbeziehung auszubreiten. „Nie nimmst du dir Zeit für mich! Die Kinder, der Haushalt, die Schule, alles was da abgeht, haben jedenfalls nichts mit dir zu tun! Ich weiß schon, auf das lächerliche Virus pfeifst du, ausbaden muss es wieder einmal ich! Warum rede ich überhaupt noch mit dir, ich war dir doch schon immer egal!“

Wortlos dämmert Ihnen nach dem Wortschall an Vorwürfen, dass in Ihrer Beziehung irgendetwas schieflaufen könnte. Nur was? Wie kann unter den jetzigen Dauerbelastungen im Job, mit Schulkindern und Haushalt,neue Verbundenheit überhaupt möglich werden? Vielen Paaren wird gerade in der jetzigen Lage bewusst, wie wichtig es für Sie ist, einen gemeinsamen Heilungsweg als Paar zu finden. Denn in der räumlichen Enge und einem gewissen Ausgeliefert-Sein aneinander, kommen alte Wunden hoch und wollen endlich wahrgenommen werden – nämlich vom anderen.

Aktives Hinhören z.B. in wertschätzenden Paardialogen, Offenheit und ein mutiger Blick auf das, was Sie verletzt hat, helfen Ihnen unbewältigtes Gepäck aus der Vergangenheit aufzuarbeiten und alte Verletzungen auszuheilen. Denn Ihre Konflikte als Paar wurzeln oftmals in Ihrer Biografie und können Ihre Paarbeziehung erheblich belasten. Um Ihren gemeinsamen Heilungsweg zu aktivieren, möchte ich Ihnen einen letzten Leitsatz der Veränderung mitgeben:

Du bist das Mittel meiner Veränderung! Denn, was mich so aufregt an dir, hat immer etwas mit mir zu tun.

  • Die sogenannte 90:10 Regel besagt, dass alles, was Sie aufregt, zu 90% mit Ihnen selbst zu tun hat und wahrscheinlich nur zu 10% mit Ihrem Partner. Die Alarmglocken, die im Konflikt innerlich läuten, haben ganz oft mit früheren Erinnerungen zu tun, die weit in Ihre Kindheit hineinreichen. Die unliebsamen, lästigen Seiten des Partners werfen ihr Licht auf eigene verleugnete oder verdrängte Selbstanteile, die sich Gehör verschaffen und zwar meist lautstark – durch den Mund des Partners, der treffsicher Ihre wunden Punkte berührt.
  • Versuchen Sie gut auf Ihren Partner zu hören –  die Offenheit auf ein Du hin gelingt Ihnen leichter, wenn das Schmerzliche in Ihnen selbst endlich gehört und erlöst wird. Diese frühen Teile sind wie kleine Kinder. Sie beruhigen sich erst, wenn Sie genug Aufmerksamkeit bekommen, nämlich zuerst von Ihnen selbst. Auch wenn Sie gegenseitig treffsicher Ihre wunden Punkte berühren, können Sie füreinander zum Leitbild Ihrer Veränderung werden.
  • Üben Sie dafür aktives Zuhören. Das erhöht die Aufmerksamkeit füreinander und schenkt langfristig neue Verbundenheit. Verwenden Sie dafür ICH Botschaften und bleiben Sie bei sich. So können Sie Konflikte leicht selbst entschärfen. „Mir geht es so…“, „ich empfinde…“, „bei mir kommt da an…“. Das nimmt der Dynamik die Spitze und Sie nehmen sich selbst und Ihre Gefühle ernst. Denn Ihre Gefühle sind berechtigt. Lassen Sie sich selbst nicht allein!
  • Verbessern Sie laufend Ihre Wertschätzung: Prof. John Gottman hat basierend auf einer großen wissenschaftlichen Studie die 5:1 Regel entwickelt. Sie besagt: Um eine Kritik ihres Partners zu verkraften, brauchen Sie fünf mal Lob! Wertschätzungen anzunehmen kann sogar noch schwieriger sein. Daher möchte ich Sie zu einer kurzen Übung einladen:
  • Versuchen Sie bei sich zu Hause einen existenzanalytischen Wertschätzungsdialog:
  1. Suchen Sie dafür einen ruhigen Ort auf und setzen Sie sich mithilfe von zwei Stühlen mit offener Körperhaltung gegenüber. Laden Sie sich gegenseitig zu einer Reise in das Land des anderen ein. Diese Art von „Reisen“ sind im Moment sogar erlaubt. Kommen Sie vorweg bei sich selbst an. Lassen Sie den Tag mit allem Guten und Schwerem hinter sich. Sie können dafür die Augen schließen. Atmen Sie tief durch.
  2. Schauen Sie einander nun an, gehen Sie in den Blickkontakt und sagen Sie es mit Ihren Augen: „Ich bin jetzt für dich da. Ich will dir zuhören, ich bin ganz online!“ Nun sind die Segel für Ihre Wertschätzungsreise gehisst! Es kann losgehen. Bleiben Sie im Blickkontakt!
  3. Überfluten Sie einander im Dialog ausschließlich positiv.
  4. Bestimmen Sie nun einen Sender und einen Empfänger. Wechseln Sie diese Rollen anschließend ab.
  5. Der Sender beginnt nun mit einer Wertschätzung: „Mir hat in den letzten Tagen gut getan…“, „ich bin dir dankbar…“, „Es freut mich, wenn du…“, „ich schätze an dir…“ Wichtig ist es, negative Bewertungen seitlich neben Ihren Stühlen bildlich „einzuparken“.
  6. Der Empfänger nimmt das Gesagte auf und wiederholt was er gehört hat: „Ich höre, du sagst, dass du dankbar bist, wenn ich…habe ich dich gehört? Lassen Sie Ihre Gefühle zu.
  7. Der Empfänger kann beim Sender nun (wenn er will mehrmals) nachfragen: „Möchtest du mir noch etwas dazu sagen?“ So können Sie Ihre Liebestanks gemeinsam gut auffüllen.
  8. Legen sie als Sender ebenfalls ihre Gefühle in die Wertschätzung: „Wenn du mir freie Zeit gibst, dann fühle ich mich…“. Das verstärkt das gegenseitige Mitgefühl.
  9. Der Empfänger wiederholt jedes Mal das Gesagte und fragt nach: „Ich höre du sagst…habe ich Dich gehört?
  10. Der Sender kann auch eine vertiefte Wertschätzung geben und das Gesagte begründen: „Du hast schon viel gehört…und dass du mir freie Zeit gibst ist für mich so bedeutsam, weil…“
  11. Zum Schuss fasst jeder für sich (Sender und Empfänger) nochmals zusammen: „In diesem Dialog hat mir gut getan…“.
  12. Schließen Sie den Dialog mit einer Geste der Verbundenheit und Zuneigung ab.

Ich wünsche Ihnen eine wertschätzende Verbundenheit und viele heilsame Momente, Ihre Petra Ganneshofer

 

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