IEF, 05.11.2019 – Verkauf menschlicher Eizellen, Vermittlung von Leihmüttern, illegale Adoption sowie Geldwäsche: diese Verbrechen werden einem seit 2016 aktiven griechischen Kriminellen-Netzwerk angelastet.

Wie unter anderem der Spiegel berichtet, gelang es Ermittlern im September im Rahmen einer Kooperation zwischen der griechischen Polizei und Europol eine der größte europäischen Banden auszuheben, die regelrecht als „Geburtsindustrie“ fungiert haben soll.

Die kriminelle Organisation soll junge schutzbedürftige schwangere Frauen aus Bulgarien rekrutiert und nach Thessaloniki gebracht haben. Nach medizinischer Überwachung der Schwangerschaft und Geburt in griechischen Privatspitälern wurden die Neugeborenen im Anschluss um rund € 25.000 an Paare „verkauft“, die diese adoptierten. Einige der jungen bulgarischen Frauen dürften auch als Leihmütter eingesetzt worden sein.

Nach Informationen des Online-Magazins BioEdge wurden junge Frauen, hauptsächlich aus Bulgarien, Georgien und Russland als Eizellen-Spenderinnen angeworben. In Griechenland mussten sie sich Fruchtbarkeits-Behandlungen unterziehen um die Anzahl der Eizellen zu erhöhen und so den Profit zu maximieren.

Im Rahmen der polizeilichen Aktion soll es zu 12 Festnahmen gekommen sein, Ermittlungen gegen 66 Personen wurden laut Berichten eingeleitet. An den Verbrechen beteiligt waren demnach unter anderem ein Anwalt, ein Arzt und mehrere Angestellte von Privatkliniken. Der durch die illegalen Machenschaften erbeutete Gewinn dürfte mindestens € 500.000 betragen. Er wurde durch diverse Finanzinstitute, Luxusgüter und Immobilien reingewaschen.

Nach Meinung der Juristin Katia Neofytou, die sich im Rahmen ihres PhD-Studiums an der Universität von Kent mit rechtlichen Fragen rund um die Leihmutterschaft speziell in ihrem Heimatland Griechenland auseinandergesetzt hat, liegt die Ursache dafür, dass eine solche kriminelle Bande in Griechenland aktiv sein konnte, an der mangelnden Überwachung und Regulierung: „(Anm.: Nicht kommerzielle) Leihmutterschaft ist in Griechenland seit 2002 legal und es ist eines der wenigen Länder weltweit und das einzige in der EU, in dem Leihmutterschaftsvereinbarungen – unter strengen Bedingungen – in Bezug auf die gesetzliche Elternschaft durchsetzbar sind.“

Wie eine Reportage der ZeitOnline veranschaulicht, öffnen die gesetzlichen Rahmenbedingungen Griechenlands zur Leihmutterschaft auch die Türen für illegale Machenschaften und Missbrauch. In Griechenland hat sich in den letzten Jahren eine „Industrie“ rund um die Erfüllung eines Kinderwunsches durch Leihmutterschaft entwickelt. Das IEF hat etwa über die Pressemitteilung einer griechischen Reproduktionsklinik, die vor den „Kinderwunsch-Tagen“ in Deutschland Anfang des Jahres verbreitet wurde, berichtet. Eine Überwachung jener Kliniken die künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft anbieten fehlt oftmals: „Unsere Behörde hat große Probleme damit, ihre Aufgaben zu erfüllen”, so Katerina Fountedaki, Juristin, Universitätsprofessorin und Vizepräsidentin von Griechenlands Nationaler Aufsicht für Reproduktionsmedizin im Gespräch mit der Zeit. Es fehle das Personal, um die Kliniken enger zu kontrollieren. (KL)

Drucken