IEF, 18.09.2019 – Kleine kontemplative Ordensgemeinschaft im Herzen Frankreichs ermöglicht Frauen mit Down-Syndrom eine religiöse Berufung zu leben.

„Ich muss ihr helfen, ihre Berufung zu leben“

Die Kleinen Schwestern Jüngerinnen des Lammes verdanken ihr Entstehen der Begegnung zweier Frauen, Line und Veronique. Line war auf spiritueller Suche, besuchte verschiedene geistliche Gemeinschaften und wollte mit Kindern arbeiten. Veronique, eine junge Frau mit Down Syndrom, fühlte sich zum gottgeweihten Leben berufen, wurde aber – da weder im Kirchenrecht noch in monastischen Regeln eine Zulassung von Menschen mit geistiger Behinderung vorgesehen ist – abgelehnt. Die entstehende Freundschaft inspirierte die beiden zur Idee einer Neugründung. Line sagte sich selbst: „Ich muss ihr helfen, ihre Berufung zu leben.“ So wurde 1985 die Gemeinschaft in Buxueil gegründet. Nach der kanonischen Errichtung 1990 übersiedelten die Schwestern 1995 nach Le Blanc und wurde schließlich 1999 durch den Erzbischof von Bourges als Orden des kontemplativen Lebens anerkannt.

Leben im Kloster

Laut Statuten bilden Schwestern mit Down Syndrom die Mehrheit der Gemeinschaft, werden aber von Mitschwestern ohne Trisomie 21 unterstützt. Derzeit leben 10 Kleine Schwestern in der Gemeinschaft, acht davon mit Down Syndrom. Diese Schwestern sind größtenteils selbständig, benötigen aber auch Hilfe und Unterstützung. Das kontemplative Leben ermögliche ihnen nach ihrem eigenen Rhythmus zu leben, so die Oberin Mutter Line. Zusätzlich zum geistlichen Leben arbeiten die Schwestern in einer eigenen Weberei, stellen Keramik her und pflegen ihren Garten.

Spiritualität

Nahe der altrituellen Abtei Fontgombault angesiedelt, übernehmen deren Abt und Mönche die geistliche Betreuung der Schwestern. Neben dem Hl. Benedikt, dessen Gleichgewicht von ora et labora besonders den Bedürfnissen der Gemeinschaft entspricht, prägte besonders Therese von Lisieux´s Kleiner Weg das Charisma der Kleinen Schwestern Jüngerinnen des Lammes.

In einem Beitrag von Vatican News wird Sr. Veronique zitiert, die von ihrer Berufung berichtet: „34 Jahre sind vergangen, seit ich den Ruf Jesu gehört habe. Ich habe versucht Jesus kennenzulernen durch das Lesen der Bibel, besonders der Evangelien. Ich wurde mit einer Behinderung namens Down Syndrom geboren. Ich bin glücklich. Ich liebe das Leben. Ich bete, aber ich bin traurig wegen der Kinder mit Down Syndrom, die nie diese gleiche Freude des Lebens fühlen werden. Für jene, die sich berufen fühlen, wie die heilige Therese die Berufung zur Liebe zu leben. Die Reise war lang, hat aber durch Geduld und Glaube Frucht gebracht. Jesus ließ mich in seiner Liebe wachsen.“ Der Tag ihrer ewigen Gelübde wurde für Veronique zur größten Freude: Nun war sie eine Braut Jesu!

Verbindung zu Jérôme Lejeune

Seit den Anfängen der Gemeinschaft bestand ein guter Kontakt zum Entdecker des Down Syndroms, dem französischen Genetiker Jérôme Lejeune (1926-1994), für den ein Seligsprechungsverfahren läuft. Mutter Line erzählt in einem Interview: „Professor Lejeune sagte, dass Menschen mit Down Syndrom bei begrenzter Intelligenz ihre Konzepte vom Herzen her entwickeln und nicht behindert sind. Daher hielt er ein adaptiertes Ordensleben für möglich.“ (LL)

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