IEF, 14.12.2018 – Ein aktueller Bericht der Tageszeitung „Der Standard“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen der „Pille“ auf die Persönlichkeit – und erläutert, wie wenig dieses Gebiet erforscht ist. Dabei, so Sina Hochleutner von der Plattform „Generation Pille“, beeinflusse das Verhütungsmittel die Persönlichkeit, vor allem wenn es in der Pubertät genommen wird.

Die Plattform „Generation Pille“ ist ein on-line Blog, der sich mit Frauengesundheit und der Zeit nach dem Absetzen der Pille beschäftigt. Sie kritisiert, dass bei der Verschreibung der Pille kaum auf die Nebenwirkungen geachtet geschweige denn darüber informiert werde. Dass könne insbesondere daran liegen, dass es zu den möglichen Auswirkungen auf Persönlichkeit und Stimmung keine eindeutige Studienlage gebe, so der Standard. In Schweden hätte aber eine Studie, die bei 340 Frauen durchgeführt worden sei, ergeben, dass sich nach drei Monaten bei jenen Frauen, die die Pille bekamen, die Lebensqualität verschlechtert hätte. Sie hätten nach eigenen Angaben weniger Selbstbeherrschung und Energie gehabt. Langfristige Ergebnisse fehlten aber. Die Salzburger Biologin Belinda Pletzer ergänzt in dem Artikel, dass die Pille die Größe jener Gehirnregionen verändere, die dafür zuständig sind, Emotionen und Gesichter zu erkennen oder flüssig zu sprechen. Wie sich das auf das Verhalten auswirkt, sei bisher aber nicht klar.

Gerade bei jungen Mädchen, so der Bericht, würde rasch zur „Pille“ gegriffen werden – und das durchaus mit Wohlwollen der Eltern. „Die Pille nimmt den Eltern die Sorgen ab“, so Hochleutner, und löse mit einem Mal nicht nur das Thema der Verhütung, sondern auch Hautprobleme wie Akne oder starke Regelschmerzen. Das bestätigt auch der Gynäkologe Andreas Nather: „Beim ersten Frauenarztbesuch ist das Thema meist komplettes Neuland, die Nachfrage nach der Pille ist aber hoch.“ Und die Zahlen des österreichischen Verhütungsreports belegen: Bei Frauen unter 30 ist die „Pille“ mit 53 Prozent die beliebteste Verhütungsmethode.

Erst später, beim Absetzen der „Pille“, würden viele die Veränderungen bemerken – und sich mit ihrem Körper dann nicht auskennen, so Hochleutner. Denn solange die Pille im Körper wirkt, unterdrückt sie den natürlichen Zyklus und hält das Testosteron im Körper niedrig. Das wirke sich auf die Libido aus, meint auch Frauenarzt Nather: „Man hat den jungen Frauen mit der Pille eine gewisse Reifung genommen.“ Denn während der natürliche Zyklus aus Hormonschwankungen besteht, der sich auch in den Emotionen widerspiegelt, glättet die Pille diese Empfindungen. Durch die Einnahme wird zu jeder Zeit eine konstant gleiche Menge an Hormonen ausgeschüttet. Und statt der vielfältigen Wirkung natürlicher Hormone auf die Stimmung, die etwa auch mutig machten, Selbstvertrauen gäben oder Fröhlichkeit hervorriefen, komme es bei der Einnahme der Pille zu einer Art „Nebelschicht“, so Nather.

Wichtig wäre daher eine bessere Aufklärung für junge Mädchen, bei der sie über alle möglichen Nebenwirkungen informiert würden, fordert Hochleutner. Wenn die Pille für eine Frau keinen erkennbaren Zusatznutzen hat, also nur zur Verhütung eingesetzt wird, rät Nather davon ab. „Warum sollte man eine Frau nicht empfinden lassen, wie sie natürlich empfinden würde?” Und auch Nather stellt klar: Ganz man selbst zu bleiben sei auf jeden Fall die erstrebenswerteste Option.

Die Tageszeitung „Der Standard“ ergänzt mit diesem Bericht einen neuen interessanten Schwerpunkt: Ab sofort wird in der Online-Serie „STANDARD-Zyklus“ alle 14 Tage über die „gesellschaftlichen, medizinischen, ökologischen und ökonomischen Aspekte der Menstruation“ berichtet bzw. diskutiert. (ER)

print