IEF, 11.4.2019 – Nachdem Bundesminister Faßmann vergangene Woche entgegen früherer Aussagen reichlich unvermittelt empfahl, nicht mehr mit dem sexualpädagogischen Verein TeenSTAR zusammenzuarbeiten, ging dieser medial in die Offensive.

Auf einer Pressekonferenz erklärt TeenSTAR, weshalb weiterhin an Schulen gearbeitet werden wird und begrüßt die erhöhte Aufmerksamkeit im Bereich Sexualpädagogik.

Überraschende Empfehlung des Bildungsministers

Die Empfehlung von Bundesminister Heinz Faßmann in einem Interview mit dem Falter, nicht mehr mit dem Verein TeenSTAR zusammenzuarbeiten, kam reichlich unvermittelt. Noch Wochen zuvor betonte Generalsekretär Martin Netzer, dass die medial kolportierten Vorwürfe gegen TeenSTAR nach Durchsicht der Unterlagen nicht bestätigt werden konnte. Zudem habe es nie ein Verbot von Seiten des Ministeriums gegeben, mit TeenSTAR zusammenzuarbeiten, wie auch aus den parlamentarischen Anfragebeantwortungen zu entnehmen ist. Das IEF hat berichtet.

TeenSTAR arbeitet weiter – Keine Beschwerde von Eltern

Auch jetzt gibt es weiterhin kein Verbot der Tätigkeit des Vereins TeenSTAR. Allerdings komme die Negativ-Empfehlung des Ministers einem solchen gleich, insbesondere an jenen Schulen, die TeenSTAR noch nicht kennen, meint die Vorsitzende des Vereins, Dipl.Päd. Helga Sebernik. In einem Interview mit der NÖN meint sie, dass jene, die uns nicht kennen, wohl einen Bogen um TeenSTAR machen werden. Es gebe aber auch positiven Zuspruch. „Wenn unsere Arbeit nicht so gut ankommen würde, hätte uns wohl keine Schule ein zweites Mal gebucht.“, zeigt sich Sebernik überzeugt. Eine Blitzumfrage an Schulen habe laut NÖN übrigens ergeben, dass dort keine Beschwerden von Eltern gemeldet worden waren.

Vorwürfe aus dem Zusammenhang gerissen

„Wir sind keine Missionare – wenn dann biologische“, gibt sich Sebernik kämpferisch. „Wir legen Wert darauf, dass Sexualpädagogik ein Teil der Persönlichkeitsbildung ist und dazu zählt für uns, dass Kinder und Jugendliche wissen, wie ihr Körper funktioniert.“ Auch den Vorwurf, homophobe Inhalte zu verbreiten, wehrt Sebernik ab. „Wir sagen den Kindern und Jugendlichen lediglich, dass sie sich mit der Definition ihrer sexuellen Orientierung Zeit lassen können.“ Dabei stütze sich der Verein auf die wissenschaftliche Datenlage, demnach erotische Gefühle im Jugendalter noch einer hohen Fluidität unterworfen sein können, homosexuelle darüber hinaus noch stärker als heterosexuelle. Dies bestätigte auch der Psychiater Dr. Christian Spaemann bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz vom 4.4.2019.

Mütter schlagen Alarm

Dass in Sachen Sexualpädagogik an den Schulen aber durchaus Kontroll- und Verbesserungsbedarf besteht, zeigten die Berichte zweier Mütter bei der von TeenSTAR einberufenen Pressekonferenz vom 4.4. Die eine musste berichten, dass ihr zehnjähriger Sohn, statt dem angekündigten Workshop zur Missbrauchsprävention, lernte ein Kondom überzuziehen und über die bevorzugten Befriedigungsstrategien zu sprechen. Die zweite berichtete von ihrer positiven Erfahrung mit TeenSTAR, kritisierte aber, dass in Schulbüchern vermittelt werde, Sex bloß auszuleben, ohne das Wesen der Liebe zu vermitteln. Ihrer Meinung nach werde Sexualität und Liebe extrem banalisiert. Den Kinder werde beigebracht, das Wichtigste sei, sich nicht anzustecken und nicht schwanger zu werden, dann würde das Leben schon gelingen. Die Originalstatements liegen dem IEF vor. Lesen Sie hier und hier.

Was ist Pädagogik, was Ideologie?

Wie sehr gerade im Bereich Sexualpädagogik die Grenze zwischen Wissenschaft und Ideologie verschwimmt, zeigte nicht zuletzt die Diskussion „Pro & Contra“ in Puls4 vom 3.4. Geleitet durch die sehr ausgewogene Moderation von Corinna Milborn diskutierten die Autorin Birgit Kelle, die TeenSTAR-Trainerin Ursula Waismayer, die Leiterin der Präsidialsektion für Gleichstellung des Bildungsministeriums Iris Rauskala, der Sexologe Wolfgang Köstenwein und die Grünen-Abgeordnete Ewa Dziedzic die Frage „Was sollen unsere Kinder über Sex lernen?“. Während Waismayer wiederholt klarstellte, dass TeenSTAR weder Homosexualität abwerte noch Selbstbefriedigung verteufle, meinte Köstenwein, Selbstbefriedigung sei eine Basiskompetenz, die notwendig sei, um auch in Beziehung treten zu können. Eine Aussage, die der wissenschaftlichen Diskussion so nicht standhält. Denn Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die Auswirkungen von Masturbation im Jugendalter angeht.

Klarstellung zur Finanzierung

Ewa Dziedzic zeigte sich nicht nur in der Pro & Contra Sendung als vehemente Kritikerin von TeenSTAR, sondern auch in einem Gastkommentar in der Tageszeitung Der Standard. Neben einiger vom IEF bereits aufgedeckter Fehlinformationen der Abgeordneten muss Mag. Johannes Reinprecht, Direktor des Instituts für Ehe und Familie (IEF) aber insbesondere die Aussagen über die Finanzierung des Vereins TeenSTAR klarstellen. Richtig ist, dass die Bischofskonferenz den Verein seit einigen Jahren mit EUR 25.000 unterstützt. Es handelt sich dabei um Mittel der Bischofskonferenz, nicht des IEF, so Reinprecht. Die TeenSTAR-Leiterin Helga Sebernik sagte klar bei der Pressekonferenz, dass es über die EUR 25.000 hinaus – entgegen der Aussagen Dziedzics – keine weiteren Zuwendungen von anderen christlichen Einrichtungen gebe.

Hoffnungsschimmer

So sehr die mediale Berichterstattung der letzten Monate und die Aussagen Faßmanns dem Verein TeenSTAR selbst geschadet haben, so sehr erkennt die Vorsitzende des Vereins aber einen Hoffnungsschimmer im Sinne der Sache selbst. „Das Ministerium ist endlich alarmiert und schaut genauer hin, was hier im Bereich der Sexualpädagogik unseren Kindern und Jugendlichen angeboten wird.“, zeigt sich Sebernik zuversichtlich und begrüßt das angekündigte Akkreditierungsverfahren. Natürlich werde sich auch TeenSTAR für eine Akkreditierung bewerben.  Zudem hoffe sie, dass die laufende Berichterstattung dazu geführt habe, dass Eltern jetzt in puncto Sexualaufklärung viel sensibler wären. Ihr Appell an die Eltern: „Schauen Sie genauer hin, womit Ihre Kinder konfrontiert werden!  – nehmen Sie die Informationsabende in Anspruch – reden Sie mit Ihren Kindern“.

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