IEF, 25.4.2018 – Der Verein „Rat auf Draht“ gab zusammen mit dem SOS Kinderdorf eine Studie in Auftrag, die  erforschen sollte, wie viele Kinder und Jugendliche von sexueller Belästigung im Internet betroffen sind. Nun wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Die Studie umfasste 400 Teilnehmer zwischen 11 und 18 Jahren, die per Fragebogen zu ihren Erfahrungen bezüglich sexueller Belästigung im Internet und Cyber-Grooming befragt wurden. Zudem wurde mit 6 Teilnehmern ein vertieftes Interview geführt. Die Studie zeigt, dass 27% der Befragten bereits online Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht haben. Mädchen waren deutlich häufiger betroffen als Buben. Dabei wurde unterschieden zwischen der Erfahrung, nach unangenehmen oder intimen Aufnahmen gefragt zu werden, ungewollt Nacktfotos gesendet zu bekommen, online bedroht oder erpresst zu werden oder aber dass ungefragt eigene intime Aufnahmen weiterversendet wurden. Auch das Thema Cyber-Grooming, also die verbotene Anbahnung von Sexualkontakten mit Kindern und Jugendlichen mittels digitaler Medien, sei für viele Kinder und Jugendliche nichts Unbekanntes. Ca. 13% hätten laut Befragung schon solche Erfahrungen gemacht.

An wen wenden sich Betroffene

Erschreckend für die Auftraggeber der Studie war vor allem, dass viele Jugendliche nicht über die Rechtslage in Österreich aufgeklärt seien und deshalb ein Einschalten der Polizei nicht in Erwägung ziehen würden. Nur ca. 40% gaben an zu wissen, dass Cyber-Grooming bei unter 14-Jährigen strafbar ist. Nur ca. 8% hielten die Polizei für den richtigen Ansprechpartner. Schüler wünschten sich laut der Studie deutlich mehr Information zu den Themen sexueller Missbrauch im Internet und Cyber-Grooming. Als optimalen Zeitpunkt dafür empfänden sie schon das Ende der Volksschule.

Was müssen Kinder können?

Für die Initiatoren der Studie sind die wichtigsten Schutzkompetenzen für Kinder, Fake-Profile in sozialen Netzwerken erkennen zu können sowie vorsichtig zu werden bei verdächtigen Anfragen oder Aufforderungen. Auch Treffen im realen Leben mit Internetbekanntschaften sollten immer an öffentlichen Orten stattfinden. Eltern wird geraten nicht zu sehr auf Filterprogramme und Verbote zu setzen. Onlinebekanntschaften entstünden in sozialen Netzwerken und ließen sich nicht durch Filter verhindern. Treffen mit Internetbekanntschaften sollten prinzipiell erlaubt werden, aber wichtig sei es, mit den Kindern darüber zu sprechen und sie über Gefahren aufzuklären. Bei solchen Treffen sollte zudem immer eine zweite – möglichst älterer – Vertrauensperson dabei sein, ergänzt Mag. Johannes Reinprecht, Direktor des Institut für Ehe und Familie (IEF).

Starke Eltern – starke Kinder

Für Reinprecht tut eine Sensibilisierung für sexuellen Missbrauch im Netz not. „Kinder brauchen Anleitung darin, wann ihre Grenzen überschritten sind“, so Reinprecht. Erster Ansprechpartner seien hier vor allem die Eltern, die das Kind darin begleiten können, wie Kontakte auch online sicher geführt werden können. Auch Sexting sei in diesem Zusammenhang ein relevantes Thema. Bei Anfragen nach erotischen Aufnahmen, ob von Bekannten oder Unbekannten, sollte prinzipiell Vorsicht walten, denn immer wieder machten Jugendliche die Erfahrung, dass diese Bilder im Nachhinein in Umlauf geraten.  Am sichersten sei es, solche Aufnahmen einfach zu vermeiden. Davon abgesehen sei es für Eltern wichtig in kontinuierlichen Austausch mit ihren Kindern zu sein, auch damit die Kinder im Zweifelsfall an ihre Eltern wenden können, wenn sie online überfordert sind, motiviert Reinprecht Eltern, ihre Sorgfaltspflichten auszüben.

Weitere Tipps wie sich vor allem Mädchen sicher im Internet verhalten können, finden sie hier.

Haben sie Fragen zu Filtern u.a. auch um ihr Kind vor pornografischen oder anderen überfordernden Bildern zu schützen, finden sie hier weitere Informationen.

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