IEF, 03.02.2017 – Unter dem Titel „Kärnten sucht dringend Samenspender” rief der ORF Kärnten in einer Sendung am 30.01.2017 zur Samen- und Eizellspende auf. Der Artikel las sich wie die Werbung für eine Reproduktionsklinik. Immer mehr ungewollt kinderlose Paare würden den Weg einer künstlichen Befruchtung wählen, um zum eigenen Kind zu kommen. Nun werde der „Rohstoff” knapp, der derzeit laut Alexander Stadler, Eigentümer einer Kärntner Privatklinik, vorwiegend aus Dänemark stamme.

Gegen diese Ankündigung kam postwendend Kritik. Der ORF verstoße eindeutig gegen das umfassende Werbeverbot des österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetzes, so Dr. Stephanie Merckens, Juristin am Institut für Ehe und Familie (IEF).

Alfred Trendl, ORF-Publikumsrat und Präsident des Katholischen Familienverbands Österreich (KFÖ) sprach gegenüber kathpress von einem Mangel an journalistischer Sorgfaltspflicht, da der Artikel völlig unkritisch und unreflektiert den Aufruf eines Fertilitätszentrums übernommen habe. Abgesehen von dem Verstoß gegen das Werbeverbot, mache sich der ORF zu einem Werkzeug der Klinik. Dass eine Eizellenspende oft langwierig, mit Schmerzen verbunden und in Einzelfällen sogar zur Unfruchtbarkeit führen könne, werde in dem Artikel nicht erwähnt. Trendl forderte einen unverzüglichen Stopp der Werbung und einen umfassend recherchierten Beitrag, um die Ausgewogenheit in der Berichterstattung wiederherzustellen. (>>>LINK kathpress)

Auch Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich zeigt sich empört über den Aufruf des ORF: „Ein derart unreflektierter Aufruf zur Spende – ohne die erheblichen Folgen und Risiken für die Spenderinnen und Spender sowie die Kinder zu nennen – widerspricht dem journalistischen Sorgfaltsgebot”. Der Artikel appelliere an die Hilfsbereitschaft von Frauen und Männern, die als Eizellspenderin und Samenspender angesprochen würden, wobei ergänzende Informationen über die erheblichen Risiken des Verfahrens fehlten. Gerade der Schutz junger Frauen vor übereilter Spende sei aber einer der Beweggründe des Werbeverbots gewesen, so Kronthaler. Der Artikel zeige einmal mehr, dass im Bereich der Reproduktionsmedizin die Kommunikationsstrategie von Geschäftsinteressen beherrscht werde. Umso wichtiger sei es, die Qualitätskontrolle zu intensivieren und ein zentrales Eizell- und Samenspenderregister einzuführen, um zu kontrollieren, wie oft ein Spender gespendet hat. (>>>LINK aktion leben österreich)

Die Kritik hat zumindest teilweise gefruchtet. Der Artikel wurde mittlerweile leicht umgeschrieben. (>>>LINK ORF Kärnten)

(ief)

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