IEF, 8.4.2019 – Zum 7. Mal fand von 28.-30.3.2019 der Österreichische Interprofessionelle Palliativkongress in Innsbruck statt. An der Veranstaltung unter dem Motto „Palliative Care – Wege in die Zukunft“ nahmen rund 1.300 Personen aus der interprofessionellen Palliativversorgung teil. Veranstalter war die Österreichische PalliativGesellschaft (OPG).

Kein Grund für Änderung der Gesetzeslage bei Sterbehilfe

Im Vorfeld der Veranstaltung gab die OPG, deren Gründung heuer 20 Jahre zurückliegt, eine Pressekonferenz. Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, Präsident der OPG und Leiter der Abteilungen für Anästhesie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt und am LKH Wolfsberg, sprach von den erreichten Erfolgen und den weiteren Zielen wie einer flächendeckenden Palliativversorgung mit gesicherter Finanzierung. Dass es bislang keinen ernsthaften Druck in Österreich nach Legalisierung von Sterbehilfe gegeben hätte, sei ein Verdienst der OPG, sagte Likar weiter. „Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten, die in einem palliativen Setting gut versorgt sind, fast nie den Wunsch nach Sterbehilfe äußern. Abgesehen davon verbessert eine gute Palliativversorgung ihre Lebensqualität massiv und wirkt in vielen Fällen sogar lebensverlängernd“, betont der Mediziner. Daher sei es wichtig, dass Palliative Care in Österreich für alle Menschen verfügbar sei. „Wir sollten ein ‚Advanced Care Planning‘ nach deutschem Modell etablieren, das heißt eine frühzeitige Klärung der Wünsche der Betroffenen an ihre palliative Betreuung“, forderte Likar. Außerdem betonte der Präsident der OPG das Bedürfnis von 90 Prozent der Palliativpatienten, ihren letzten Lebensabschnitt zu Hause verbringen zu dürfen. Seit der Abschaffung des Pflegeregresses gäbe es allerdings einen finanziellen Anreiz, pflegebedürftige Angehörige in einem Heim unterzubringen. Mit verstärkter Aufklärung soll in Zukunft besser vermieden werden, dass schwerkranke Palliativpatienten in ihrer allerletzten Lebensphase mit Notarzteinsatz ins Krankenhaus gebracht werden, um dort zu sterben. „Wir müssen auch den Angehörigen vermitteln, dass sie nichts falsch machen können. Wenn sie schwerkranke Patienten mit nach Hause nehmen, erfüllen sie deren letzten Wunsch“, so Likar.

Palliativmedizin in der ärztlichen Ausbildung deutlich aufgewertet
 
Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, 1. Vizepräsident der OPG und Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I und der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin, AKH/MedUni Wien, zeigte sich bei der Pressekonferenz erfreut über den neuen Stellenwert der Palliativmedizin. So sei Palliativmedizin durch die Arbeit des OPG in den Lehrplänen aller Medizinuniversitäten und Fakultäten verankert. „Die Ärzteausbildung wurde 2017 insgesamt neu aufgesetzt. Mit Unterstützung der Ärztekammer und des Gesundheitsministeriums konnten wir dabei erreichen, dass sich Palliativmedizin in allen fachärztlichen Ausbildungen findet“, so Prof. Watzke. Mit dieser Qualifikation könne in Zukunft dem Großteil der Palliativpatienten eine gute Grundversorgung ermöglicht werden, sei es im Spital, im Pflegeheim oder zu Hause. Ausbaubedarf gebe es aber nach wie vor bei der Anzahl der Hospize. Hier fehle es an Dynamik, kritisierte Watzke.

Kongress „Palliative Care – Wege in die Zukunft“: „Sorge“ im Mittelpunkt

Sorge werde im Sinne von „care“ verstanden, also dem aktiven Engagement für Menschen, die Unterstützung brauchen. „Vieles, was zur Sorge gehört, lässt sich nicht ausreichend betriebswirtschaftlich darstellen“, erklärte Dr. Elisabeth Medicus, Mitglied des Kongresspräsidiums und ärztliche Leiterin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, im Vorfeld. „Somit hat die Sorge Legitimationsprobleme angesichts von Sparzwängen, Rationalisierungstendenzen und Stellenplänen, die auf die Minute kalkuliert sind. Mit dem Kongress wollen wir in Erinnerung rufen, dass die wesentlichen Werte der Sorge zukunftweisend sind.“ Den Eröffnungsvortrag des Kongresses hielt Univ. Prof. Dr. Giovanni Maio aus Freiburg und plädierte „Für eine Ethik der Sorge“. Er mahnte, dass die Sorge und das Füreinander-Sorgen nicht von Institutionalisierung und Ökonomisierung geleitet werden solle, sondern vom einzelnen Menschen, der dem hilfsbedürftigen Menschen gegenüberstehe. Bereits am 27.3.2019 fanden Pre-Workshops zu Themen wie „Palliative Sedierungstherapie – Klinische und ethische Herausforderungen“; „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch für schwerkranke Menschen“; „Advance Care Planning – Der Vorsorgedialog als österreichischer Weg für Advance Care Planning“; „Lust bis zuletzt? Sexualität bei schwerer Krankheit“ und „Verlust und Abschied. Kinder als Angehörige begleiten“, statt.

Der Kongress widmete sich u.a. der sogenannten „S3-Richtlinie Palliativmedizin“. Diese Leitlinie wurde für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung als wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlung unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin entwickelt. Teil 1 wurde im Frühjahr 2015 veröffentlicht, Teil 2 wird in den kommenden Monaten fertig gestellt. Die S3-Leitlinie Palliativmedizin gibt wissenschaftsbasierte Empfehlungen zu Symptomen und Versorgungsfragen im Bereich Palliative Care und beschreibt die derzeit gegebene Evidenz. Weitere Themen waren Zukunftsfragen der Aus- und Weiterbildung in Palliative Care in Österreich, der Herausforderung von Palliative Care im Pflegeheim und Spiritual Care.

Während des Kongresses tagten die Arbeitsgruppen „Forschung in Palliative Care“, „Ethik in Palliative Care“, „Palliativpflege“, „Physiotherapie“, „Spiritualität“ sowie das DACH Internationale Kooperationstreffen. Weiters fand die Generalversammlung der Österreichischen Palliativgesellschaft statt. Die Nachlese des Kongresses von Ass. Prof. PD Dr. Eva Katharina Masel kann > hier abgerufen werden. Das Programm des Kongresses ist > hier nachzulesen. (TSG)

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