IEF, 18.7.2018 – Der 1. Gender-Gesundheitsbericht wurde anlässlich des ersten Vernetzungstreffens zur Männergesundheit am 19.6.2018 in Wien präsentiert und zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf spezifische Krankheiten auf.

Ein besonderer Schwerpunkt wurde in  der Untersuchung auf psychische Gesundheit, Depression und Suizid gelegt. Die Ergebnisse zeigen, dass besonders in diesen beiden Fällen signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen nachzuweisen sind. Ähnliches konnte auch bei andere Krankheiten oder gesundheitliche Risiken festgestellt werden.

Unterschiede bei Erkrankungen und gesundheitsgefährdendem Verhalten

Die Untersuchungen zeigen: Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens deutlich häufiger an Depressionen (7,5%) als Männer (3,9%). Dafür weisen Männer eine deutlich höhere Suizidrate auf (M: 25,5 bzw. F: 7,1 pro 100.000 EW). Männer erleiden deutlich häufiger einen Herzinfarkt (M: 336, F: 148 pro 100.000 EW) und sind deutlich häufiger übergewichtig (M:55%, F:39%). Deutlich mehr Männer als Frauen trinken täglich Alkohol, bewegen sich dafür aber in ihrem Alltag mehr als Frauen. Dafür ernähren sich Frauen im Durchschnitt wiederum gesünder als Männer.

Männer gehen deutlich weniger zum Arzt als Frauen, wenn sie erkrankt sind oder Hilfe brauchen. Sie konsultieren weniger häufig als Frauen ihren Hausarzt oder andere niedergelassene Ärzte.

Einflussfaktoren auf psychische Gesundheit bei Männern und Frauen

Der Bericht geht zudem detailliert auf die allgemeinen und geschlechtsspezifischen Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit von Männern und Frauen ein. Dabei konzentriert man sich auf Depressionen und Suizid. Ein Blick auf den Einfluss der sozioökonomischen Bedingungen zeigt, dass Armut oder geringes Einkommen allgemein das Risiko für Depressionen und Suizid steigert. Schon aufgrund ihrer statistisch größeren Armutsgefährdung sind Frauen hier einem besonders großen Risiko ausgesetzt. Arbeit und Beschäftigung bzw. damit zusammenhängende Stress- und Risikofaktoren wirken sich unterschiedlich auf die Geschlechter aus. Während Männer häufiger oft auf Grund von Arbeitslosigkeit, drohender Arbeitslosigkeit oder arbeitsbezogenem Stress einem erhöhten Depressions- und Suizidrisiko ausgesetzt sind, belastet Frauen vor allem der Stress durch Mehrfachbelastung aufgrund von Beruf und Familie oder durch atypische und prekäre Beschäftigungen. Auch Trennungen, Gewalterfahrungen oder auch geringe soziale Unterstützung führen zu erhöhtem gesundheitlichem Risiko.

Männer tendieren in all dem wie oben bereits angedeutet deutlicher häufiger als Frauen dazu, sich in Problemfällen keine Hilfe zu holen und neigen deutlich häufiger zu Sucht- und Risikoverhalten. Frauen hingegen reagieren im Vergleich zu Männern häufiger mit selbstwertmindernden Strategien, geben sich also häufiger für Misslungenes selbst die Schuld und schieben Erfolge auf äußere Umstände oder Glück.

Mit diesem Gesundheitsbericht soll eine Reihe geschlechtsspezifischer Untersuchungen angeregt werden, um besser auf die Bedürfnisse und Erkrankungen der Bevölkerung eingehen zu können, heißt es im Bericht. Man erhofft sich dadurch, in Zukunft gendersensible Präventions- und Versorgungsmaßnahmen für die österreichische Bevölkerung durch einen vorherigen umfassenden Überblick über Einflussfaktoren zielgenauer planen zu können.

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