IEF, 14.3.2018 – Im Rahmen einer parlamentarischen Enquete befasste sich der Bundesrat mit dem Thema der Armut in Kindheit und Alter. Volksanwalt Günter Kräuter präsentierte kurz zuvor eine Studie zum gleichen Thema und die „Diakonie Österreich“ macht auf mangelnde Unterstützung von Kindern, die ihre Eltern pflegten, aufmerksam.

Anlässlich der Präsentation einer Studie zur Armut in der Kindheit in Salzburg am 7.3. forderte Volksanwalt Günter Kräuter das Parlament auf, sich intensiver mit Kinderarmut auseinanderzusetzen. „Die Volksanwaltschaft hat diesem wichtigen Thema einen Sonderbericht gewidmet, der dem Nationalrat, dem Bundesrat und den Landtagen vorgelegt wurde“, so Kräuter. 289.000 Kinder lebten demnach in Haushalten unter der Einkommensarmutsgrenze und seien damit von Armut betroffen, so die Studie. Teilweise lebten die Kinder unter schwierigsten Umständen, in ungeheizten Wohnungen oder in Zimmern mit feuchte oder schimmligen Wänden. Die Armut habe Einfluss  auf alle Lebensbereiche der Kinder, wie etwa Freizeitaktivitäten, Freundschaften, das Teilnehmen an kostenpflichtigen Schulveranstaltungen und Ähnlichem mehr. Eine Enquete sei für den Volksanwalt ein angemessener Rahmen, um sich mit diesen Problematik auseinanderzusetzen und Lösungen zu erarbeiten.

Der Bundesrat schätzte die Situation offensichtlich ähnlich ein und veranstaltete nur wenige Tage danach eine Enquete unter dem Titel: „Älter, Jünger, Ärmer? Zukunftsstrategien gegen Armut in Kindheit und Alter“ . Die Veranstaltung wurde am 14.3.2018 unter der Teilnahme zahlreicher Abgeordneter und Experten abgehalten. Teil des Programmes waren Informationen zu politischen Strategien zum Umgang mit Armut in Kindheit und Alter. Zu Wort kamen unter anderem die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Ingrid Korosec, oder Mag. Ercan Nik Nafs von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien. Bundesratspräsident Reinhard Todt betonte, es sei Aufgabe der Politik, sich besonders „um diejenigen in unserer Gesellschaft [zu] kümmern, die schutzbedürftig sind“. Frauen- und Familienministerin Juliane Bogner-Strauß sah die Hauptursache von Kinderarmut im geringen Einkommen der Eltern, was insbesondere bei Alleinerziehenden verstärkt schlagend werde. Hier wären Geld- und Sachleistungen sinnvolle Unterstützung, die etwa auch bei Sonderausgaben wie Schulfahrten entlasten würden. „Kinder sollen keine von Armut vorgezeichnete Zukunft haben“, forderte die Politikerin. Eine erste Maßnahme in diese Richtung sei der Familienbonus, der ab 1.1.2019 eingeführt werde.

Die „Diakonie Österreich“ machte zeitgleich auf eine weitere Thematik aufmerksam, die oft mit Kinderarmut zusammenhänge. So forderte die „Diakonie Österreich“ in einer Pressemitteilung vom 2.3.2018 mehr Unterstützung für Kinder, die ihre Eltern pflegten. Laut Martin Schenk, Sozialexperte der „Diakonie Österreich“, erledigten in Österreich etwa 43.000 Kinder pflegerische Arbeiten. Davon seien 70 % Mädchen, das Durchschnittsalter liege bei 12 Jahren. Die Kinder würden im Haushalt helfen, Kochen, Einkaufen gehen oder auch bei der Körperpflege und der Einnahme von Medikamenten unterstützen. Dabei komme es oft zu Situationen, die für Kinder sehr belastend oder auch überfordernd wären. Besonders psychische Belastungen könnten Kinder, wenn auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich, vor große Herausforderungen stellen und steigerten zudem das Risiko, später selbst zu erkranken. Mit einem Patenprojekt möchte die Diakonie nun helfen, Kindern einen Raum zu schaffen, in dem sie über ihre Erlebnisse reden können und in einem unbelasteten stabilen Kontext die Erfahrung von Schutz und Sicherheit machen können. Das Pilotprojekt „Miteinander leben“ in der Steiermark richtet sich vor allem an Kindern, deren Eltern zeitweise stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

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