IEF, 9.10.2019 – Der Katholische Familienverband Kärnten kritisiert die diskriminierende, weil einseitige Subventionierung der Kleinkindbetreuung. Der propagierte Ausbau institutioneller Kinderbetreuungseinrichtungen benachteilige Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen oder dies bei finanzieller Gleichbehandlung gerne tun würden.

Konkret ging es im Zuge einer Wahlbefragung um die Frage, ob die Parteien die Betreuung von Kleinkindern innerhalb und außerhalb der Familie als zwei gleichwertige Modelle ansehen. Alle Fraktionen sprachen sich offiziell für „echte Wahlfreiheit“ aus. Während man die familieninterne Betreuung zwar wertschätze, solle der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen forciert werden. Die Kosten dafür würden sich auf rund EUR 1.000,- pro Kind/Monat belaufen und sollen aus öffentlicher Hand finanziert werden.

Die Positionen der Parteien

Um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie echte Wahlfreiheit zu gewährleisten, setzt die SPÖ auf den Ausbau wohnortnaher Kinderbetreuungsplätze ohne Schließtage und mit längeren Öffnungszeiten, die der heutigen Arbeitsrealität entsprechen. Um dies auch im ländlichen Raum zu gewährleisten, sollten Gemeinden finanziell unterstützt werden. Darüber hinaus brauche es für die Vereinbarkeit einen Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr und ein verpflichtendes zweites Gratis-Kindergartenjahr. Das Kind oder die Kinder ausschließlich zuhause zu betreuen, bedeute oft, vor allem für Frauen, nicht oder in Teilzeit zu arbeiten, was später zu geringen Pensionen und Altersarmut führe, so die SPÖ.

Auch die ÖVP begrüßt einen weiteren Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Elisabeth Köstinger (ÖVP) betont einmal mehr die Wichtigkeit, entsprechende Rahmenbedingungen für erwerbstätige Eltern zu schaffen, insbesondere für Alleinerziehende, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen müsse behoben werden, damit Eltern echte Wahlfreiheit haben und auch gewährleistet werde, dass diese rasch wieder in den Beruf einsteigen können, wenn sie das wünschen, so Markus Unterdorfer-Morgenstern (NEOS).

Für leistbare externe Kinderbetreuung sprechen sich auch die GRÜNEN aus. „Kleinkinder bräuchten den Kontakt zu Gleichaltrigen, deshalb müsse sichergestellt werden, dass für alle Kleinkinder diese Kontakte möglich und erschwinglich sind,“ meint Sabina Schautzer (GRÜNE).

Für die FPÖ stehe die finanzielle Entlastung von Familien und die damit verbundene Wahlmöglichkeit für familieninterne Kleinkindbetreuung bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes hingegen im Vordergrund. Vorbild dafür sei das „Berndorfer-Modell“, so Abgeordneter Maximilian Linder (FPÖ).

Und auch die Liste JETZT bekräftigt, dass „die ersten Lebensjahre des Kindes das Leben prägen”, deshalb soll es beiden Elternteilen möglich sein, diese Zeit als Familienzeit zu nutzen, bevor die Kinder von einem flächendeckenden, kostenlosen und qualitativ hochwertigen Betreuungsangebot profitieren können.

Kritik an der einseitigen Subventionierung kommt vom Katholischen Familienverband Kärnten

“Der Staat hat nicht die Aufgabe, die Eltern zu ersetzen oder ideologisch in die Erziehung einzugreifen. Erst recht nicht in der heikelsten Phase der ersten drei Jahre“, entgegnet Andreas Henckel von Donnersmarck. „Aufgabe des Staates ist es,  Rahmenbedingungen zu schaffen,  damit Eltern ihre Aufgaben wahrnehmen und frei entscheiden können. Der Primat der Erziehung liegt bei den Eltern“, so der Vorsitzende des Kärntner Familienverbandes.

Der Familienverband hatte im Vorjahr im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Kärntner Landesregierung ein Konzept für ein Pilotprojekt entwickelt. Nach diesem Kärntner Kinderbetreuungsmodell sollten Familien in einigen Kärntner Gemeinden echte Wahlfreiheit erhalten durch eine zusätzliche finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu EUR 400,- pro Kind/Monat, sofern sie ihre Kinder selbst zuhause betreuen. Das Projekt wurde jedoch kurz vor der Realisierung wieder abgesagt. (DP)

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