AT / Familie: Millenials verzichten eher auf Familie, Freunde und Sex als aufs Handy

IEF, 21.9.2018 – Millenials nennt man die Generation jener, die heute zwischen 15 und 25 Jahren alt sind. Eine neue Studie fragt, was sie beschäftigt und was ihnen wichtig ist.

In einer Studie, durchgeführt von der Marktforschungsagentur Marketagent und der Kreativangentur Kobza and the hungry eyes, wurden 695 Jugendliche und junge Erwachsene nach ihren Vorlieben gefragt. Vergleichsgruppen waren 949 26-39-Jährige und 856 über 40-Jährige.

Millenials beschäftigen Krieg und Terror mehr als die Ü40-Generation

In vielen Punkten gleicht das Werteverständnis der Millenials dem der älteren Generationen. So glauben beispielsweise die Millenials mit 71% ähnlich oft an die große Liebe wie die Generationen über ihnen. Auch in der Frage, ob Frauen Kinder und Beruf vereinbaren können sollen, ist man sich einig oder darin, dass Männer und Frauen sich die Arbeit rund um Kinder und Haushalt aufteilen sollten.  45% sagen ähnlich zu den Vorgängergenerationen, dass sie der traditionellen Rollenverteilung nach wie vor etwas abgewinnen können. Worin sich die Generation zwischen 15 und 25 Jahren jedoch deutlich abhebt, ist ihre Position zur Zuwanderung. Während 46% der Generation Ü40 diese als eine der drei wichtigsten Probleme ansieht, stimmen dem mit 32% deutlich weniger Millenials zu. Entsprechend stimmen mit 57% auch über die Hälfte von ihnen der Aussage zu, dass man offener gegenüber Fremden und Zuwanderern sein solle. Dieser Position können sich nur 39% der Ü40-Jährigen anschließen. Was den Jugendlichen heute mehr Sorgen bereitet sind die instabile politische Lage (17%), zunehmender Rechtsextremismus (20%), Terroranschläge (39%) und Krieg (35%).

Millenials wollen Karriere machen – aber anders

Die Wünsche und Erwartungen, die Millenials heute an ihr Berufsleben stellen, lassen sich am ehesten mit dem Begriff „Nomad-Career“ beschreiben.  Sie wollen Kariere machen, aber anders. Deutlich mehr Jugendliche und junge Erwachsene stimmen  der Aussage zu, Kariere machen zu wollen. Dabei ist ihnen ein sicherer Arbeitsplatz nicht so wichtig, wie ein erfüllender Job, bei dem sie etwas bewegen können. Sie wünschen sich eine sinnstiftende Arbeit. Junge Erwachsene sind außerdem deutlich flexibler, wechseln häufiger den Job oder machen Projekte neben der Arbeit. Fast die Hälfte stimmt zu, dass man in den nächsten 1,5 Jahren evtl. den Job wechseln wolle. Auch Arbeit im Ausland oder Selbstständigkeit komme für viele in der jungen Generation in Frage, wenn es darum geht, die eigenen beruflichen Ziele zu verwirklichen.

Handy ist Überlebenswerkzeug- wichtiger als Familie, Freunde und Sex

Das Handy ist für die Generation zwischen 15 und 25 geradezu lebensnotwendig. Man könne eher eine Woche lang auf Freunde, Familie oder Sex verzichten, als auf das Handy, so die Studie. Allerdings zeigt der Handykonsum, dass sich die Kommunikation mit Freunden und  der Familie ebenfalls mehr und mehr auf das Handy verlagert, wie das IEF bereits in Bezug auf eine frühere Studie berichtet hat.

Das erste was Millenials morgens machen, ist das Handy zu checken. 71% nehmen das Handy auch mit auf die Toilette.  Dabei sind die meisten Jugendlichen mehrmals täglich auf Social-Media Plattformen unterwegs. Visual-Content basierte Netzwerke wie Snapchat, Instagram, Whatsapp aber auch Pinterest, Tumblr oder Musically haben hier Facebook bereits seit längerem als beliebtestes Netzwerk abgelöst. 45% sagen, sie könnten nur einen Tag oder weniger auf Social Media verzichten. 3% sogar nur weniger als eine Stunde. Die Gründe, die von den Millenials für ihre Begeisterung für Social Media angegeben werden: Man bekommt Aufmerksamkeit, die einem sonst fehlen würde (29%), man kann leichter auf andere zugehen (48%), man kann die eigene Persönlichkeit entfalten (41%). Die meistgenutzten Mediendienste sind Youtube, Netflix,  Amazon-Prime und Spotify. Viele investieren hier Geld für Premium- Abonnements.

Lifestyle und Zukunft – Millenials haben wieder Vorbilder

Obwohl die Millenials konsumkritischer sind als ihre Vorgängergenerationen, sind sie in der Praxis sehr viel konsumorientierter. Die Inhalte, die sie auf Social Media oder auch auf anderen Medienplattformen interessieren, drehen sich oft um Selbstdarstellung oder das Selbstbild einer Person. Entsprechend wichtig ist den Millenials das eigene Aussehen und die Selbstdarstellung. Dafür wird Geld und Zeit investiert. Was sie außerdem auszeichnet: Millenials haben wieder Vorbilder! Während 46% der Ü40 Generation angeben, keine Vorbilder zu haben, geben dies nur 19 Prozent der jungen Generation an. Sie orientieren sich an ihrer Familie (35%), Freunden (26%), Stars und Celebrities (18%), Sportlern (18%), Lehrern, Bekannten oder an sogenannten „Influencern“ aus den Medien. In ihren Lebensentscheidungen ist der Generation vor allem wichtig, sich alle Optionen offen zu halten (82%). Nicht selten werden Millenials deswegen auch die Generation „unentschieden“ genannt.

Was für Eltern wichtig ist: Bleibt dran!

Die Studie zeigt, wo und wie sehr sich die junge Generation in vielem vor allem von ihrer Eltern-Generation unterscheidet. „Das ist mehr als ein Generationswechsel. Das ist eine gesellschaftliche Revolution“, meint dazu Rudi Kobza, Leiter der Studie. Was die Jugendlichen tagtäglich beschäftigt und womit sie umgehen, unterscheidet sich grundlegend von dem, was ihre Eltern erlebt haben. „Die Digitalisierung bedeutet exponentielle Veränderung,“ so Kobza weiter.  Dass es angesichts dieser schnellen und massiven Veränderungen für Eltern nicht immer leicht ist Schritt zu halten, ist selbstverständlich, so Johannes Reinprecht, Direktor des Instituts für Ehe und Familie (IEF). Dennoch sei es wichtig, immer wieder nachzufragen, Anteil zu nehmen an dem, was die Kinder beschäftigt und was sie bewegt, um ihnen zu signalisieren, dass man als kompetenter Ansprechpartner nach wie vor für sie da sein möchte, auch wenn das heißt, dass man mal das Handy in die Hand nimmt und lernt, wie Snapchat funktioniert. Allerdings dürfe man auch nicht folgende Studienerkenntnisse übersehen: Eltern bleiben weiterhin DAS große Vorbild für ihre Kinder – und die Sehnsucht der Jugendlichen nach Familie ist ungebrochen groß, so Reinprecht.

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