IEF, 19.11.2019 – Aus Anlass des Tages der Kinderrechte am 20.11.2019 haben zahlreiche Organisationen ihre Forderungen an die künftige österreichische Bundesregierung vorgestellt.

Katholischer Familienverband warnt vor reinen Lippenbekenntnissen

Der Katholische Familienverband Österreichs fordert in seiner Aussendung die stärkere Berücksichtigung des Kindeswohls ganz konkret durch eine jährliche Anhebung der Familienbeihilfe, aber auch durch die längst fällige Einführung eines zentralen Spendenregisters für Keimzellen in der Reproduktionsmedizin. Außerdem kritisiert Alfred Trendl, Präsident des KFÖ, den Fokus der Politik auf den Ausbau der frühkindlichen Fremdbetreuung. Wie wenig es dabei um das Kindeswohl gehe, zeigte da etwa die Debatte um die Umsetzung der Barcelona-Ziele. Diese werde nahezu ausschließlich aus der Sicht der Eltern und dem Blickwinkel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dominiert und nicht aus Sicht des Wohls der betroffenen Kinder. Die UN-Kinderrechtskonvention sei zwar eine großartige Sache, man müsse aber Acht geben, dass sie nicht zu einem Lippenbekenntnis verkomme.

Aktion Leben: Kinderrechte müssen Rechte Ungeborener einschließen

Die Aktion Leben fordert zum Welttag der Kinderrechte eine Erweiterung der Kinderrechte auf die Zeit vor der Geburt. „Vorgeburtliche Einflüsse wirken sich gravierend auf jeden Menschen aus“, betont die Generalsekretärin des überkonfessionellen Vereins, Martina Kronthaler, in einer Aussendung. Es bedürfe einer „stärkeren Achtsamkeit gegenüber dem Lebensanfang“, die Erweiterung der Kinderrechte auf die Zeit vor der Geburt sei „sach- und zeitgemäß“. „Vorgeburtliche Einflüsse wirken sich gravierend auf jeden Menschen aus. Ob Alkohol in der Schwangerschaft, traumatische Erlebnisse, übermäßiger Stress, existentielle Probleme, Ernährung der werdenden Mutter oder spezifische Arten der Entstehung durch Maßnahmen der Reproduktionsmedizin: All das geht nicht spurlos an Kindern vorüber, prägt und bestimmt künftige seelische und körperliche Gesundheit mit. Kinder vor der Geburt und ihre Mütter unter besonderen Schutz zu stellen, ist wirksamste Gesundheitsförderung“, so Kronthaler.

SOS-Kinderdorf kritisiert sexuelle Gewalt im Internet und fordert Kinder-Check von Gesetzesvorhaben

Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf, zeigt sich in seiner Aussendung alarmiert über die wachsende sexuelle Gewalt, mit der Kinder durch das Internet konfrontiert werden. Hier bräuchte es eine stärkere strafrechtliche Verfolgung der Täter und eine bessere Prävention bei den Kindern. Außerdem liege die psychsoziale Betreuungssituation von Kindern im Argen. „Therapieplätze sind rar – insbesondere auf Krankenschein. Ein flächendeckender Ausbau therapeutischer Angebote ist dringend notwendig!“, so Moser. Grundsätzlich fordert SOS-Kinderdorf ein Jugend-Check NEU für alles Gesetzesvorhaben, damit die Interessen der Kinder von vornherein besser berücksichtigt werden.

Diakonie setzt Schwerpunkt auf Rechte behinderter Kinder

Im Rahmen ihrer Adventkampagne schlägt die Diakonie vier Maßnahmen für die Rechte von Kindern mit Behinderungen vor. So sollte es aus Sicht der Diakonie auch für behinderte Kinder ein verpflichtendes Kindergartenjahr geben, ein Rechtsanspruch auf Assistenz für Kinder mit Behinderungen in der Schule sowie eine inklusive Nachmittagsbetreuung eingeführt werden. Außerdem sollte die schulische Ausbildung auch nach der 9. Schulstufe weitergeführt werden können.

Caritas: Kinderrechtskonvention umsetzen

Die Caritas Österreich appelliert in ihrer Aussendung an die künftige Bundesregierung, sich in Österreich und weltweit für die Umsetzung der am 20.11.1989 und somit vor genau 30 Jahren verabschiedeten UNO-Kinderrechtskonvention einzusetzen. Österreich war der Konvention, die wesentliche Standards zum Schutz der Kinder weltweit festlegt, 1990 als einer der ersten Staaten beigetreten. Die vier elementaren Grundsätze, auf denen die Konvention beruht, beinhalten das Überleben und die Entwicklung, die Nichtdiskriminierung und die Wahrung der Interessen der Kinder.

St. Nikolausstiftung fordert Chancengleichheit durch faire und entwicklungsfördernde Bedingungen

Auch die St. Nikolausstiftung als Trägerorganisation von rund 90 Kindergärten und Horten der Erzdiözese Wien, fordert die künftige Bundesregierung in ihrer Presseaussendung auf, den Fokus auf das Kindeswohl zu legen. „Im Rahmen des Jubiläums ist es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass es in Österreich gerade im Bereich der Bildung große Unterschiede gibt. Von einer fairen Bildungslaufbahn – darunter verstehen wir, dass jedes Kind individuell nach seinen Bedürfnissen begleitet und unterstützt wird – sind wir weit entfernt”, verweist Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, auf gravierende Defizite in der frühkindlichen, institutionellen Bildung.

Auch in Deutschland läuft wie berichtet eine Diskussion um Kinderrechte. Der von der CDU vorgestellte Entwurf zur verfassungsrechtlichen Absicherung stößt aber mittlerweile auch innerparteilich auf Kritik. Lesen Sie dazu weiter hier: “Bundesarbeitskreis Christlich Demokratischer Juristen kritisiert Regierungspläne”.

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