IEF, 19.3.2018 – Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift Imago Hominis 1/2018 des Wiener Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) widmet sich dem Themenkomplex der Rolle des Gewissens in der Medizin.

Das existentielle Bedürfnis der Ärzte und Pflegenden, dem Gewissen gemäß zu handeln, sei mit immer größeren Herausforderungen verbunden, da ethische Fragestellungen in der medizinischen Forschung, aber auch in Prozessen der Diagnostik und der Therapie zunehmend komplexer und komplizierter werden würden, so Enrique H. Prat, Generalsekretär von IMABE, im Leitartikel. Verändert habe sich auch die Arzt-Patient-Beziehung durch Ökonomie, Anspruchsdenken oder unterschiedliche kulturelle Voraussetzungen, was eine stärkere ethische Kompetenz der Akteure im Gesundheitswesen fordere. Die Gewissensfreiheit als anerkanntes Menschenrecht werde zunehmend gefährdet. Einerseits, da der persönliche Gewissensvorbehalt immer mehr in Frage gestellt werde, andererseits, weil der Unterschied zwischen Gewissensurteil und praktischem Wahlurteil zunehmend übersehen werde. Die postmoderne Gleichsetzung von Gewissens- und Wahlurteil stelle damit de facto eine Auflösung des Gewissens als innere Richterinstanz dar. Hier zeige sich eine Art moralischer Relativismus, der alles als gleich gültig bewerte, wodurch aber auch alles gleichgültig werde.

In der aktuellen Ausgabe von Imago Hominis legt der Theologe William Hoye (Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik, Universität Münster) dar, warum dem Gewissen sowohl die Wahrheitsfähigkeit als auch die Irrtumsfähigkeit eigen ist.

Die Juristin Maria Schörghuber (Wien) zeigt, dass die Gewissensfreiheit in Österreich eine feste, verfassungsrechtliche Grundlage hat und teilweise auch durch Gewissensklauseln geschützt ist. Im Konflikt mit anderen Rechtsgütern müsse man sich insbesondere der Frage stellen, wie hoch die Gewissensfreiheit in Relation zu diesen Rechtsgütern einzuschätzen ist, und wo ihre Grenzen sind.

Der Moraltheologe Josef Spindelböck (Theologische Hochschule der Diözese St. Pölten) beleuchtet systemische und legistische Vorgaben, die den nötigen Freiheitsraum für das Handeln gemäß dem Gewissen sowie für einen Einspruch aus Gewissengründen bereitstellen sollen.

Der Moraltheologe, Jurist und Mediziner Kosmas Lars Thielmann (Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz) erläutert das Verhältnis zwischen Ethikkommissionen und Gewissen.

Die Bioethikerin und Pharmazeutin Margit Spatzenegger (Wien) geht dem Verhältnis von Norm und Eigenverantwortung anhand der Überlegungen von Martin Heidegger, Romano Guardini und Dietrich Bonhoeffer nach.

Zu Imago Hominis

Imago Hominis ist eine ethisch-medizinische, wissenschaftliche Zeitschrift, in der aktuelle ethisch relevante Themen der medizinischen Forschung und Praxis behandelt werden. Die aktuelle Ausgabe 1/2018 widmet sich dem Thema Gewissen in der Medizin.

Hier können Sie Imago Hominis abonnieren.

Drucken