IEF, 20.11.2019 – Die neuseeländischen Parlamentarier stimmten am 13.11.2019 in dritter Lesung mit 69 zu 51 Stimmen für die umstrittene „End of Life Choice Bill“. Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, braucht es im Rahmen einer Volksabstimmung die Zustimmung der Bevölkerung. Diese wird 2020 stattfinden, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) berichtete, sieht der Entwurf die Legalisierung von assistiertem Suizid für Personen über 18 Jahren vor, die an einer „unheilbaren Krankheit, die voraussichtlich innerhalb der nächsten sechs Monate zum Tod führen wird“, oder einer sonstigen „schweren und unheilbaren Krankheit“ leiden, deren „Leistungsvermögen sich in einem fortgeschrittenen Stadium des irreversiblen Abbaus“ befindet und deren „unerträgliches Leiden auf keine für sie tolerierbare Art gelindert“ werden kann.

„Doctors say no“

Während Ministerpräsidentin Jacinda Ardern Medienberichten zufolge das Gesetz unterstützt, gibt es seitens der Gesellschaft massiven Widerstand gegen die geplante Legalisierung von assistiertem Suizid.  Mittlerweile unterzeichneten mehr als 1500 Ärzte einen offenen Brief, indem sie sich der Meinung der World Medical Association (WMA) und der New Zealand Medical Association anschließen, die assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen als „unethisch“ verurteilen. Erst vor kurzem bekräftigte die WMA ihre ablehnende Position. Ärztliche Pflicht sei es, Patienten, die unter ihrer Krankheit litten, zu unterstützen, nicht aber an deren Suizid mitzuwirken. „Lasst Ärzte weiterhin den Fokus auf das Retten von Leben und die wirkliche Pflege von sterbenden Menschen legen“, lautet der Appell der unterzeichnenden Ärzte.

Anwälte und Juristen: „Aufstehen für vulnerable Neuseeländer gegen die End of Life Choice Bill“

Wie bereits berichtet, formierte sich auch unter Juristen und Rechtsanwälten eine Lobby, die sich in einem offenen Statement gegen die Legalisierung von assistiertem Suizid stellt. „Wir glauben, dass der Status unserer zivilisierten Gesellschaft daran gemessen wird, wie wir mit den schwächsten Gliedern umgehen und wie wir sie schützen“, so die „Lawyers for Vulnerable New Zealanders (LVNZ)“. „Wir befürchten, dass viele vulnerable Mitglieder unserer Gemeinschaft (ob unheilbar oder chronisch krank, behindert oder psychisch krank) einem größeren Risiko von verfrühtem Tod durch Totschlag oder Suizid ausgeliefert sein werden, als Ergebnis von Unterlassung, Zwang oder anderen Formen von Missbrauch, genauso wie Falschdiagnosen oder irrtümlichen Prognosen.“ Ihrer Einschätzung nach und mit den Erfahrungen anderer Länder, in denen assistierter Suizid legal sei, sei es kaum möglich, ein „sicheres Regelwerk“ zu assistiertem Suizid zu implementieren.

#DefendNZ: Vote No

Die Plattform #DefendNZ versuchte in den vergangenen Monaten, Abgeordnete zu einem „Nein“ in den Abstimmungen zu bewegen und wird ihr Engagement nun voraussichtlich auf die Bevölkerung konzentrieren. „Eine Legalisierung könnte vulnerable Personen dazu zwingen, den Tod zu verlangen, ausgelöst durch Gefühle von Depression, Angst, Einsamkeit oder die Sorge, eine Bürde zu sein“, argumentiert „DefendNZ“. Und weiter: „Die Sicherheit und das Wohlbefinden der verletzlichsten Bürger zu riskieren, entspricht nicht dem Wesen unseres Landes.“ (Auf der Website finden sich zahlreiche Videos von unheilbar kranken Menschen, die sich gegen assistierten Suizid aussprechen.) (TSG)

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