IEF, 17.07.2019 – Die Entscheidung darüber, ob bei Mehrlingsschwangerschaften ein oder mehrere ungeborene Kinder abgetrieben werden dürfen, obliegt künftig einem Gremium. Darauf einigte sich vor kurzem das norwegische Parlament.

Wie der Spiegel berichtet, stimmte das norwegische Parlament Mitte Juni mit einer Mehrheit von 105 gegen 64 Stimmen für eine Verschärfung der Abtreibungsregelung. Damit wird zum ersten Mal seit 40 Jahren das 1976 in Kraft getretene Abtreibungsgesetz eingeschränkt.

Die Einschränkung betrifft lediglich Frauen, die Mehrlinge erwarten. Bis jetzt durften in solchen Fällen eines oder auch mehrere der Kinder auf Wunsch der Mutter grundlos abgetrieben werden. Künftig entscheidet ein Ausschuss über eine mögliche Reduktion.

Der Gesetzesvorschlag sei von der Christlichen Volkspartei, dem neuen Koalitionspartner der liberal-konservativen Regierungsparteien, eingebracht worden. Eine weitere Initiative der Volkspartei, die auf die Verhinderung von Abtreibungen schwerkranker Föten abzielte, fand hingegen keine Zustimmung im Parlament.

Kritik an der Gesetzesänderung kam vor allem aus den Reihen der Arbeiterpartei und den Feministinnen, die vor dem Parlament gegen das Gesetz protestierten. Jonas Gahr Støre, Parteichef der Arbeiterpartei, bezeichnete die Gesetzesverschärfung als Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau und zog Vergleiche zu den jüngst erfolgten Abtreibungsrestriktionen in einigen US-Bundesstaaten, darunter vor allem Alabama.

Laut der Neuen Züricher Zeitung müsse das Gesetz noch in einer zweiten Lesung bestätigt werden.

Künstliche Befruchtung und Mehrlingsschwangerschaften

Hochgradige Mehrlingsschwangerschaften, also Schwangerschaften mit mehr als zwei Föten, kommen gehäuft im Zusammenhang mit hormonellen Fruchtbarkeitsbehandlungen oder IVF-unterstützter Befruchtung vor, erläutert Dr. Stephanie Merckens, Biopolitikerin am Institut für Ehe und Familie (IEF). Bei einem IVF-Verfahren werden Frauen meist mehrere Embryonen eingesetzt um die Erfolgschancen der Behandlung zu erhöhen. Entwickeln sich in der Folge alle eingesetzten Embryonen weiter, kommt es zu einer hochgradigen Mehrlingsschwangerschaft, die wiederum als medizinisches Risiko eingestuft wird. Die Ärzte empfehlen den Frauen in solchen Fällen daher eine Reduktion der Kinder durch Fetozid. Dabei werden die ungeborenen Kinder durch einen Herzstich mittels einer Kalium-Chlorid-Spritze getötet und verbleiben bis zur Geburt im Mutterleib. (AH)

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