BE / Lebensende: Neurologe verlässt Kontrollkommission für aktive Sterbehilfe

IEF, 12.3.2018 – Der Neurologe Ludo Vanopdenbosch ist aus der Kontrollkommission für aktive Sterbehilfe (FCEE) ausgetreten. Erst im Jänner hatte eine niederländische Medizinethikerin eine niederländische Sterbehilfe-Kommission verlassen, da sie die Sterbehilfepraxis bei Demenzpatienten nicht mehr verantworten könne. Auch bei Vanopdenbosch sei der Auslöser ein Demenzpatient gewesen, der aktive Sterbehilfe erhielt.

Wie kathpress berichtet, hatte der Neurologe in einem Brief an das Parlament seinen Austritt begründet. Er warf der Kontrollkommission darin vor, weder „unabhängig“ noch „objektiv“ zu sein. Bei dem Anlassfall im September 2017 war ein Demenzpatient durch eine erhöhte Dosis Schmerzmittel getötet worden, ohne dass die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt worden wären, kritisierte der Neurologe. Es hätte keine Patientenverfügung oder andere Aufzeichnungen gegeben, die belegten, dass der Patient Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollte. Vanopdenbosch zufolge sei der Patient auf Wunsch der Familie getötet worden. In Belgien ist aktive Sterbehilfe erlaubt, wenn der Patient unheilbar krank ist, unerträglich leidet und sterben will.

Der Neurologe berichtet weiter, dass eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der Kontrollkommission für einen Beschluss, den Bericht an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, nur knapp verfehlt worden sei. Beweggründe „fundamentaler politischer Art“ seien hierfür verantwortlich, meint Vanopdenbosch. Es stehe die Sorge im Raum, dass insbesondere Sterbehilfe bei Demenzpatienten durch solche Fälle zurückgehen könne. Mit dieser Entscheidung habe sich die Kontrollkommission FCEE allerdings als „obsolet“ erwiesen, schlussfolgerte der Neurologe.

Vanopdenbosch kritisiert zudem, dass ein Vorsitzender der Kontrollkommission, Wim Distelmans, selbst aktive Sterbehilfe ausführe. Diestelmans und der andere Vorsitzende Gilles Genicot argumentieren indessen aus einer anderen Richtung. Der Arzt hätte den Prozess „irrtümlicherweise“ als aktive Sterbehilfe beschrieben. Ihnen zufolge hätte es sich um „Palliative Sedierung“ gehandelt.

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