DE / Sexualerziehung: Neue Studie zu Gräueltaten des Helmut Kentler

IEF, 09.07.2020 – Eine neue Studie deckt das Pädophilen-Netzwerk rund um den 2008 verstorbenen Psychologen und Begründer der Schule der „neoemanzipatorischen Sexualpädagogik”, Helmut Kentler, auf.

Missbrauchte Pflegekinder

Der Professor für Sozialpädagogik an der ehemaligen Technischen Universität Hannover, Helmut Kentler, in den 60er- und 70er-Jahren als Wegbereiter einer revolutionären, emanzipatorischen Sexualpädagogik gefeiert, forderte in seinen Schriften Straffreiheit für Pädosexuelle und propagierte Sex mit Kindern als notwendigen Teil einer gesunden Sexualerziehung. Wie das IEF berichtete, hatte Kentler ab 1969 elternlose 13- bis 15-jährige Buben in einem Modellversuch bei vorbestraften Pädophilen untergebracht, die diese sexuell missbrauchten. Man habe so herausfinden wollen, wie sich die Jugendlichen unter einer „liebevollen Erziehung” entwickelten. So nahm einer der pädophilen Pflegeväter, Fritz H., von Anfang der 70er Jahre bis 2003 neun Pflegekinder bei sich auf. Er misshandelte und vergewaltigte mindestens zwei von ihnen. Trotz einer Vorstrafe wegen Kindesmissbrauchs wählten die Jugendämter Fritz H. immer wieder als Pflegevater aus. Und trotz teils extremer Warnzeichen ließen sie die Kinder über Jahre bei ihm, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Zwei der ehemaligen Pflegekinder von Fritz H. erhoben Klage gegen das Land Berlin und forderten Schmerzensgeld und Schadenersatz, vor allem aber die Bestätigung des Gerichts, dass es sich bei dem jahrzehntelangen Missbrauch um Missbrauch mit System handelte, der von Bildungsverwaltung und den Jugendämtern in den Bezirken toleriert und unterstützt wurde.

„Kindeswohlgefährdung in öffentlicher Verantwortung“

Ein neu veröffentlichtes 57-seitiges Gutachten zum Wirken Helmut Kentlers und zur Pflegestelle Fritz H. zeigt nun die Dimension des Netzwerks von Pädophilen auf, das aus Mitwissern und Akteuren in Jugendämtern, der öffentlichen Verwaltung, der freien Universität sowie dem Max-Planck-Institut bestand. Mehr als ein Jahr lang haben Experten der Universität  Hildesheim die Akten der Jugendämter Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg zur Pflegestelle Fritz H. untersucht und dabei „viele schwache und starke Signale“ gefunden, die zu einer Beendigung der Pflegestelle hätten führen müssen und auf „Verfehlungen gegen die Vorschriften zur Pflegekinderhilfe“ hinweisen. Mehr als 50 Fachkräfte seien an der Fallführung beteiligt gewesen, so die Berliner Zeitung. In seinem Gutachten kommt das Projektteam der Universität Hildesheim zu dem Schluss, dass es „ein Netzwerk quer durch die wissenschaftlichen pädagogischen Einrichtungen und die Senatsverwaltung bis hinein in einzelne Berliner Bezirksjugendämter“ gegeben habe, „in dem pädophile Positionen akzeptiert, gestützt und verteidigt wurden“.

Forderung nach umfassender Aufklärung

Sowohl Helmut Kentler als auch Fritz H. sind verstorben, ohne dass sie sich zu Lebzeiten gerichtlich verantworten mussten. Der Bericht der Universität Hildesheim lässt erahnen, wie groß und mächtig das Netzwerk der Pädophilen in Berlin war, wie es sich auf das ganze Bundesgebiet ausdehnte, vor allem aber auch wie wenig von all dem bis heute aufgeklärt ist. Diese Aufklärung der Geschehnisse fordern nun die beiden ehemaligen Pflegekinder in einer Anklage im Wege einer Pressemitteilung samt Forderungskatalog an den Stadtsenat. Zentrales Anliegen der Betroffenen sei die „ideelle Wiedergutmachung durch Benennung von Verantwortlichen“ und das „Eingeständnis der staatlichen Verantwortung durch den Senat“, denn – wie es am Ende der Pressemitteilung heißt: „Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter.“ Das IEF wird weiter berichten. (KL)

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