IEF, 24.9.2019 – 17% der Frauen, die sich zuvor erfolglos In-Vitro-Fertilisations-Behandlungen unterzogen haben, werden innerhalb von fünf Jahren auf natürlichem Weg Mutter. Zu diesem Ergebnis gelangt eine neue Studie, die im August auf Human Production veröffentlicht wurde.

„Ein IVF-Verfahren ist nichts, was Paaren leichtfällt, es kann ein physisch und emotional anstrengender Prozess sein, selbst wenn die Behandlung erfolgreich ist. Ist sie nicht erfolgreich, sind Paare verständlicherweise oft verzweifelt“, so Studienleiter David McLernon von der Universität Aberdeen (UK) gegenüber der BBC.

Bisher habe es eine Reihe begrenzter Studien gegeben, die sich mit diesem Bereich befasst hätten. Die meisten dieser Studien hätten jedoch auf Umfragen mit schlechten Rücklaufquoten und einer kleinen Stichprobengröße basiert. „In dieser Studie wurden Daten von mehr als 2.000 Frauen untersucht, was sie unserer Meinung nach zu einer der solidesten Studien ihrer Art macht“, so McLernon.

17% der 1.073 Frauen, die sich erfolglos einer IVF unterzogen, also entweder nicht schwanger wurden, oder das Kind verloren, wurden binnen fünf Jahren ohne weitere medizinische Behandlung auf natürlichem Weg schwanger. 1.060 der Befragten wiederum hatten in Folge einer IVF eine Lebendgeburt. Auch von ihnen wurden 15% binnen fünf Jahren erneut und ohne medizinische Unterstützung Mutter.

Wie das Wiener Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in seinem Newsletter vom August 2019 betont, müsse angesichts der erhöhten Gesundheitsrisiken, denen sowohl Frau als auch Kind durch ein IVF-Verfahren ausgesetzt sind, und der erheblichen finanziellen Kosten einer IVF, zu häufige und zu frühe Interventionen im Bereich der Reproduktionsmedizin kritisch hinterfragt werden. Schon seit längerem würden Reproduktionsmediziner mahnen, dass die Methode der künstlichen Befruchtung offenbar zu leichtfertig angewendet werde, nämlich auch dann, wenn offenbar keine Unfruchtbarkeit vorliegt. Laut Informationen der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) seien allein in Europa im Jahr 2016 800.000 IVF-Zyklen durchgeführt worden, die zu nur 169.000 Lebendgeburten geführt hätten.

Die neue Studie gebe Paaren eine klarere Vorstellung „von ihren Chancen auf eine natürliche Empfängnis, auch wenn die IVF erfolglos geblieben ist“, so Studienleiter McLernon. (KL)

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