IEF, 31.10.2017 – Mit dem Thema Familienfrieden und Regeln für die Mediennutzung beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe des Familienmagazins der Süddeutschen Zeitung. So praktisch die Smartphone-Funktionen auch seien, Regeln bräuchte es im Familienalltag allemal.

Das Institut für Ehe und Familie (IEF) hat einige der besten SZ-Tipps und Überlegungen für Sie herausgeholt:

  1. Klare Regeln aufstellen. Kinder können Medienkonsum nicht alleine steuern. Das ist Elternjob.
  2. Welche Regeln für Ihre Familie funktionieren, müssen Sie gemeinsam herausfinden. Ob es fixe Regeln sind wie zum Beispiel wöchentliche Zeitkontingente, die Sie in “10 Minuten Screentime”­-Marken austeilen und den Kindern zur freien Verfügung überlassen, oder inhalt­liche Regeln.
  3. Versuchen Sie, das eigene Handy fürs Kind so lange wie möglich hinauszuzögern.
  4. „Alle haben eins“ ist kein gutes Argument. Nur faule Eltern lassen sich davon überzeugen. Seien Sie nicht faul. Erklären Sie, schauen Sie mit, beobachten Sie das Kind.
  5. „Ich brauche Whatsapp! Sonst krieg ich nix mit!“ gilt auch nicht. Installieren Sie einen festen Familienrechner im Wohnzimmer, der Whatsapp kann. Mit einem Auge kriegen Sie dann auch mit, was gerade auf Youtube läuft.
  6. Auch kein Argument: Sicherheit. Bitte kurz vorstellen: Ein Achtjähriger, der sich aufs Handy gestern „Minion Rush“ heruntergeladen hat, überquert eine Straße.
  7. Vorbild sein. Beim Essen, vor dem Schlafen und wenn man arbeitet/Haus­aufgaben macht, gehört das Handy weggelegt, von allen.
  8. Achten Sie die Privatsphäre Ihres Kindes. Falls Sie glauben, Whatsapp­-Chats noch kontrollieren zu müs­sen, ist das ein recht sicheres Zeichen dafür, dass es für ein eigenes Handy noch zu früh ist.

Auch die verschiedensten „Smartphone-Experten“ kommen in der Süddeutschen Zeitung zu Wort, wenn es um die Rettung des digitalen Familienfriedens geht. Während der 14-jährige Semin Muminovic beim Smartphone am meisten schätzt, dass er immer eine Beschäftigung habe, appelliert Kristin Heitmann, 46, Lehrerin und Mutter von vier Kindern an die Schulen, die Smartphones der Kinder für Recherche, zum Vergleichen von Quellen oder zum Anschauen von wissenschaftlichen Filmen in den Unterricht einzubinden.

Marlene Mortler, 62, Politikerin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung schätzt die vielfältigen Fähigkeiten eines Smartphones sehr, ist aber davon überzeugt, dass es aufgrund des hohen Suchtpotentials disziplinierten Umgang damit brauche. Der Medienpädagoge Gregory Grund, 36, empfiehlt Eltern einen Mediennutzungsvertrag mit den Kindern und spricht sich für handyfreie Schlafzimmer aus.

Für Susanne Mierau, 37, Bloggerin und Mutter dreier Kinder ist das gefährlichste am Handy, die Verlockung, es zum Abschalten zu nutzen und dann doch nicht abschalten zu können. Zu Hause gelte für sie die Regel: Handy weg, wenn das Miteinander im Vordergrund steht, beispielsweise beim Bringen und Abholen in Schule/Kita, beim gemeinsamen Essen, beim Vorlesen.

Christian Montag, 40, Molekularpsychologe, der den Einfluss von Smartphones auf die Gesellschaft erforscht, ist der Meinung, dass Handys im Unterricht absolut nichts verloren hätten. Das schlechteste am Handy sind seiner Meinung nach die vielen Unterbrechungen durch Kurznachrichten.

Arne Ulbricht, 45, ist Lehrer, Vater von zwei Kindern und Eigentümer eines uralten Nokia-Tastenhandys ohne Internet. Er hat wenig Verständnis für Handystreit in der Familie: „Allein das Wort ‚Handystreit‘ zeigt das ganze Elend. Wenn Eltern vorleben, dass man nichts verpasst, wenn man sieben Stunden nicht über ein Display wischt, und dass man auch nicht jedes Zootier fotografieren und anschließend posten muss, gibt es keinen Streit. Denn dann ist es den Kindern auch nicht so wichtig.“

Lässt sich bei den vielen verschiedenen Ansätzen ein roter Faden erkennen? Tatsächlich: wie in allen anderen Lebensbereichen auch, die meisten der Interviewten halten das Vorbild der Erwachsenen für notwendig, um Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone/den digitalen Medien nahezubringen.

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