AT / Lebensanfang: Mangel an Hebammen auf Kasse in Wien

IEF, 10.7.2017 – In der letzten Sitzung vor der Sommerpause wurde im Wiener Landtag das von der VP-Gemeinderätin Gudrun Kugler beantragte Maßnahmenpaket für Hebammen einstimmig angenommen. Hintergrund des Antrags ist die steigende Geburtenzahl in Wien bei gleichzeitiger Mangelversorgung durch Kassen-Hebammen.

2016 wurden in Wien 20.804 Geburten verzeichnet, wobei es lediglich 18 Kassen-Hebammen und neun (öffentliche) Geburtsstationen gab. Im Vergleich dazu gab es in Tirol im vergangenen Jahr 42 Kassen-Hebammen, auf die sich 7.609 Geburten verteilten, wie Der Standard berichtet. Nach der Geburt seien die Familien dann mit der schwierigen Suche nach einem Kinderarzt konfrontiert, da es auch hier zu wenige Kassenvertragsärzte in Wien gäbe. In Folge der mangelnden Kassenangebote griffen viele Familien auf Wahlärzte und Wahlhebammen zurück, und damit “sind wir eindeutig bei der Zwei-Klassen-Medizin”, wird Reinhold Kerbl, Leiter der Kinderabteilung im LKH Leoben und Vizeobmann der Plattform Politische Kindermedizin, in der Tageszeitung zitiert.

Marianne Mayer, Leiterin des Österreichischen Hebammengremiums, bestätigte die aktuelle Situation in Wien auf Nachfrage des Instituts für Ehe und Familie (IEF). Das Hebammengremium forderte bereits im Herbst 2016 bei der Wiener Gebietskrankenkasse die Aufstockung der Kassen-Hebammen von 18 auf 62, um damit den österreichweiten Schnitt auch in Wien zu realisieren. Ein „wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung“ wurde getan: seit 1.7.2017 gibt es in Wien fünf neue Kassenvertragsstellen für Hebammen in Wien. Da die Gespräche laut Mayer mit der Wiener Gebietskrankenkasse „sehr kooperativ“ waren, sei man „überzeugt, dass weitere Schritte folgen werden“, um die Betreuungssituation der Frauen und der Neugeborenen im Wochenbett zu verbessern. Was die Bettenanzahl auf den geburtshilflichen Stationen betrifft, so werde sich die Situation ohne strukturelle Änderungen allerdings nicht bessern – auch nicht durch die 2018 in Wien geplante zentrale Geburtsanmeldung, so die Leiterin des Hebammengremiums Wien. Das im Wiener Gemeinderat beschlossene umfassende Maßnahmenpaket für Hebammen begrüßt Mayer sehr. „Wenn sich die Stadt Wien und der Bund mit den geforderten Themen beschäftigen und diese dann auch umgesetzt werden, werden die Frauen mit Sicherheit davon profitieren“, ist sich Mayer sicher.

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