KH / Reproduktionsmedizin: Kambodscha verbietet kommerzielle Variante

Das Geschäft mit der Leihmutterschaft in Kambodscha

IEF, 04.11.2016 – Mit Kambodscha versucht nun ein weiteres Land, dem Geschäft mit der Leihmutterschaft einen Riegel vorzuschieben. Wie „Zeit online“ berichtet ist der Reproduktionstourismus in Kambodscha stark angestiegen, nachdem in der Vergangenheit Länder wie Thailand, Indien oder Nepal die kommerzielle Leihmutterschaft gänzlich verboten oder gesetzlich eingeschränkt haben. „Es verwundert nicht, dass mit Kambodscha ein weiteres Schwellen- bzw Entwicklungsland die kommerzielle Leihmutterschaft verbietet“, meint Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF). Vielmehr bestätige dieser wichtige Schritt, dass es sich bei Leihmutterschaft schon längst um einen Milliardenmarkt handle, mit dem ein neues System der Ausbeutung von Frauen und Kindern aufgezogen worden sei, so Merckens.

Die Juristin betont aber, dass mit dem Verbot der kommerziellen Leihmutterschaft allein noch nicht allzu viel erreicht sei, wie Berichte von der Umgehung derartiger Auflagen belegen. „Die Idee der rein altruistischen, freiwilligen Leihmutterschaft ist eine romantische Illusion“, ist Merckens überzeugt. Und eine gefährliche dazu. Gerade aus Solidarität gegenüber Frauen und Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern brauche es ein internationales Verbot jeglicher Leihmutterschaft, wie es bereits das Europäische Parlament in seiner Entschließung vom 15.12.2015 zum Jahresbericht über die Menschenrechte (Pkt.115) gefordert habe. In diesem Sinne sei auch die erfolgreiche Ablehnung des de Sutter-Berichts im Europarat richtig und wichtig gewesen, so Merckens.

Alarmierend seien hingegen die Bemühungen der WHO, den Begriff der Unfruchtbarkeit umzudefinieren (etwa Telegraph vom 20.10.2016). Demnach sollen auch alleinstehende Personen als unfruchtbar gelten, wenn sie sich ein Kind wünschen, aber eben allein keines zeugen können. Hintergrund sei die Vorbereitung eines Zugangs zur Reproduktionsmedizin für alle, zeigt sich Merckens besorgt. Denn die Kehrseite dieser Entwicklung ist die Etablierung eines Anspruchs auf ein Kind und damit das grundsätzliche Gegenteil jeglicher Kinderrechte.

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