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DE / Pro-Life: Angemessener Umgang mit „überzähligen Embryonen“ gefordert

IEF, 13.6.17- Die stellvertretene Vorsitzende des deutschen Ethikrates Claudia Wiesemann hat im Gespräch mit katholisch.de Anfang Juni einen angemesseneren Umgang mit überzähligen Embryonen gefordert. Auch ein Embryo sei für die meisten Paare „etwas Bedeutungsvolles“.

Sie spricht sich dafür aus Rituale zu finden, durch die Paare Abschied nehmen können. Für viele von ihnen sei es nicht gleichgültig, was mit den überzähligen Embryonen geschieht. Bislang gebe es in Deutschland lediglich eine Bestattungspflicht für Fehlgeborene ab 500 Gramm Körpergewicht. Wiesemann hinterfragt jedoch, ob es angemessen sei „überzählige Embryonen (…) einfach (…) in den Ausguss zu schütten.“

Zum Schutz des Embryos äußerte sie sich geteilt. Einerseits verdiene dieser einen angemessenen Umgang, einen Schutz des Lebens „um jeden Preis“ sieht sie jedoch kritisch, denn dies hätte ihrer Meinung nach zur Konsequenz, dass jede befruchtete Eizelle ausgetragen werden müsse, auch gegen den Willen der Mutter. Der Deutsche Ethikrat habe sich angesichts dieses Dilemmas vergangenen Jahres daher in einer Stellungnahme auch explizit für die Möglichkeit der Freigabe zur Adoption von Embryonen ausgesprochen.

Dr. Stephanie Merckens vom Institut für Ehe und Familie (IEF) und bis zuletzt auch Mitglied der Bioethikkommission des Bundeskanzlers (also dem österreichischen Pendant zum Deutschen Ethikrat) kann das Unbehagen Wiesemanns bezüglich überzähliger Embryonen durchaus nachvollziehen. Einer der ethischen Hauptkritikpunkte an der derzeitigen Durchführung reproduktionsmedizinischer Maßnahmen sei ja gerade die intentionale Überproduktion von Embryonen durch Befruchten von weitaus mehr Eizellen als transferiert werden sollen. Statt aber bei Abschiedsritualen anzusetzen, möchte die Biopolitikerin das vorprogrammierte Dilemma lieber von vornherein vermeiden.

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