VA_AT / Lebensende: Palliative Care Kongress im Vatikan fordert ganzheitliche Pflege des Menschen

IEF, 21.3.2018 – Auf Einladung der Päpstlichen Akademie für das Leben fand Ende Februar im Vatikan ein Palliative Care Kongress statt. Susanne Kummer, Geschäftsführerin des Wiener Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), nahm als Gesandte der Österreichischen Bischofskonferenz an der Tagung teil.

Palliative Care muss Querschnittsmaterie bilden

Wie IMABE berichtet, nahmen an der Tagung Experten aus den Disziplinen Medizin, Pflege, Ethik und Theologie aus 38 Ländern teil. Die Forderung, die sich wie ein roter Faden durch den Kongress zog, lautete: Palliative Care müsse zur Querschnittsmaterie in der gesamten Medizin und Pflege werden. Um zu einer weltweiten Verbesserung der Palliative Care-Versorgung beizutragen, arbeite die PAL-Life-Gruppe der Päpstlichen Akademie für das Leben, bestehend aus 13 Palliative Care-Experten aus fünf Kontinenten, an einem Weißbuch mit dem Titel „Global Palliative Care Advocacy“.

Spirituelle Begleitung als Teil personenzentrierter Medizin

Die Gesundheitswissenschaftlerin Christina Puchalski, Direktorin des George Washington Instituts für Spiritualität und Gesundheit, forderte, dass die die spirituelle Begleitung von Patienten ein wesentlicher Teil einer personenzentrierten Medizin sein müsse. Die spirituelle Betreuung sei notwendig, da schwerkranke Menschen oder Menschen am Lebensende nicht nur physisch litten, sondern mit existentiellen Nöten und Sinnkrisen konfrontiert seien. Studien belegten, dass Themen wie Hoffnung, Sinn des Lebens, Versöhnung oder der Friede mit Gott oftmals zentrale Fragen seien, für die es im Bereich von Krankenhäusern und Pflegeheimen Ansprechpartner brauche. Daher benötige es laut Puchalski intensivere Schulung von Ärzten und Pflegenden, um spirituelle Nöte zu erkennen und zu lindern. Außerdem plädiere sie für eine stärkere Einbindung von Seelsorgern und Geistlichen in die palliativen Betreuerteams. „Die spirituelle Begleitung schafft hier Räume, in denen Patienten nach und nach Worte finden für ihre Ängste und Nöte – und wo es auch Heilung gibt“, so Puchalski.

„Seelsorge ist wie Hefe“

Weitere Untersuchungen zeigten, dass „Spiritual Care“ auch das physische Wohlbefinden verbesserten. Die Belgierin Anna F. Vandenhoeck, Koordinatorin des European Network for HealthCare Chaplains (ENHCC), verbildlichte die Rolle der Seelsorge im Bereich der Palliative Care folgendermaßen: „Seelsorge ist nicht wie eine Zierkirsche auf der Torte, sondern wie die Hefe, die ein unsichtbarer, aber wesentlicher Bestandteil für das Gelingen des Ganzen ist“.

„Palliative Care humanisiert Medizin“

Für die Bioethikerin Susanne Kummer sei Palliative Care eine Möglichkeit in „einer hoch technisierten Medizin, die mehr auf die Krankheit als auf den Kranken fixiert ist,[…] den  Patienten in seiner Ganzheit“ in den Mittelpunkt zu stellen. Obgleich Schmerztherapie notwendig sei, könnten „existentielle Fragen […] nicht mit einer Dosis Morphin behandelt werden“. Durch die ganzheitliche Wahrnehmung und Beachtung des Menschen trage Palliative Care insofern auch zu einer „Humanisierung der Medizin bei“, so Kummer.

Engagement für Palliativ-Medizin, Nein zu Euthanasie

Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, betonte bei der Eröffnung des Kongresses den Unterschied zwischen Palliativ-Medizin und Sterbehilfe: „Palliativ-Medizin begleitet, Euthanasie unterbricht.“ Laut VaticanNews sei das erklärte Ziel Paglias, „auf internationaler Ebene – wenn möglich, weltweit – das Wissen um die Palliativ-Medizin zu verbreiten, damit die Medizin auch in diesem Bereich weitere Fortschritte macht“. Denn, „unsere heutige Welt braucht dringender denn je eine Kultur der Begleitung in diesen letzten Momenten“, so der Erzbischof.  Weiter führte Paglia aus, dass Patienten zwar „unheilbar krank“ sein könnten, „unbehandelbar“ sei jedoch niemand. Hier könne die Medizin geradezu „ihre humanistische“, also auf die ganzheitliche Pflege des Menschen ausgerichtete, „Berufung“ wiederentdecken. Jede Menschenwürde gelte es zu schützen, egal wie krank jemand sei, stellte Erzbischof Paglia klar.

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