IEF, 5.11.2019 – Zwischen der Lebenserwartung eines Menschen und der Anzahl seiner Kinder scheint es einen Zusammenhang zu geben. Wer ein oder zwei Kinder hat, lebt in der Regel länger als Kinderlose.

Dieses Wissen ist nicht neu – vor einiger Zeit hat das IEF über eine diesbezügliche Studie berichtet – allerdings sind die Gründe dafür noch zum Teil unklar. Eine aktuelle Studie bringt nun neue Erkenntnisse.

Biologische und Adoptiveltern haben höhere Lebenserwartung

Die Studie, die von Kieron Barclay vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock und Martin Kolk von der Universität Stockholm im European Journal of Population veröffentlicht wurde und über die in der Publikation Demografische Forschung berichtet wurde, greift auf die Daten von über vier Millionen schwedischen Frauen und Männern zurück, die zwischen 1915 und 1960 geboren wurden. Dabei werden erstmals auch die Daten von Adoptiveltern untersucht, wodurch körperliche (im Sinne von Schwangerschaft und Geburt) und soziale Aspekte der Elternschaft besser voneinander unterschieden werden können. Aus den Zahlen geht eindeutig hervor, dass sowohl biologische als auch Adoptiveltern im Vergleich zu Kinderlosen eine höhere Lebenserwartung haben. Biologische Ursachen, die allein auf Mütter und die körperlichen Folgen einer Schwangerschaft und Geburt abzielen und dadurch zu einer besseren Lebenserwartung führen – wie etwa das verminderte Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wenn die Mutter gestillt hat – scheinen laut den Studienautoren  höchstens ein sehr kleiner Puzzleteil der Erklärung zu sein, warum Kinder zu einer höheren Lebenserwartung führen.

These: Eltern stehen von vornherein besser da

Barclay und Kolk vermuten, dass es nicht die Geburten oder die Kinder sind, die den Eltern eine längere Lebenserwartung bescheren, sondern dass eher diejenigen, die später Kinder bekommen, von vornherein besser dastanden. Wer über Bildung, Geld und Gesundheit verfügt, hat größere Ressourcen, eine Familie zu gründen. Der „Sterblichkeits-Vorteil“ ist also bei diesen Personen von vornherein gegeben und entsteht nicht erst durch die Tatsache, dass sie Kinder bekommen. Gleicht man nämlich die Unterschiede aus, die aus verschiedenen Bildungsniveaus resultieren, ist der Vorteil biologischer Eltern gegenüber Kinderlosen deutlich geringer. Bei Adoptiveltern hingegen bleibt die höhere Lebenserwartung größtenteils bestehen, was sich laut Barclay und Folk dadurch erklären lässt, dass sie bereits hinsichtlich Gesundheit, Finanzsituation und Lebensumstände durch das Adoptionsverfahren „positiv“ selektiert sind.

Kinder haben positiven Einfluss auf die Gesundheit der Eltern

Doch ganz allein durch diesen „Qualitätsfilter“ lassen sich die Unterschiede zwischen Eltern und Kinderlosen nicht erklären. Es scheint sich also die Tatsache, Kinder zu haben – unabhängig von Bildung, sozialem Status und Finanzsituation – tatsächlich auf die Lebenserwartung positiv auszuwirken. Als Grund vermuten die Studienautoren, dass Kinder einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Eltern haben. Dazu gibt es zwei verschiedene Theorien: Einerseits könnte es sein, dass Eltern im Alter besser unterstützt werden als Kinderlose – Studien haben etwa gezeigt, dass ein hohes Einkommen der Kinder mit einer größeren Lebenserwartung der Eltern einhergeht. Eine andere Erklärung wäre, dass Kinder den „Lebensstil“ der Eltern verändern, sodass sich Mütter und Väter gesünder verhalten – sie verunglücken seltener als Kinderlose und auch Kreislauferkrankungen treten bei ihnen nicht so häufig auf. (ER)

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