IEF, 05.03.2020 – Weil das Irene Thomas Hospiz weder Tötung auf Verlangen noch assistierten Suizid anbieten möchte, wird die staatliche Finanzierung eingestellt.

Gesundheitsminister beendet Finanzierung

Adrian Dix, Gesundheitsminister von British Columbia, Kanada, verkündete jüngst, dass die staatliche Mitfinanzierung des privaten Irene Thomas Hospiz in der Stadt Delta innerhalb eines Jahres auslaufen werde. Wie die Lokalzeitung Delta Optimist berichtet, begründete Dix den Finanzierungsstopp damit, dass das Hospiz entgegen der staatlichen Richtlinien, weder Tötung auf Verlangen noch assistierten Suizid anbieten wolle. Dix kündigte an, die Einrichtung entweder zu übernehmen oder die Bettenanzahl andernorts in der Region aufzustellen.

Gewissensklausel greift nicht

Sobald entsprechende Einrichtungen mehr als 50 Prozent ihrer Finanzierung mit Mitteln der Gesundheitsbehörde Fraser Health Authority bestreiten, muss ein Angebot an Tötung auf Verlagen und assistierten Suizid bereitgestellt werden. Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) bereits berichtete, könnten Kliniken und Einrichtungen in religiöser Trägerschaft das Angebot verweigern. Da die Delta Hospice Society, die das Irene Thomas Hospiz betreibt, allerdings kein religiöser Träger sei, greife die Gewissensklausel nicht. Tötung auf Verlangen und assistierter Suizid (MAiD – Medical Assistance in Dying) wurden in Kanada aufgrund eines Urteils  des Supreme Court (vgl. Verfassungsgerichtshof) legalisiert.

Gespräche wurden abgebrochen

Wie aus der Pressemitteilung der Delta Hospice Society hervorgeht, habe der Gesundheitsminister die Verhandlungsgespräche abgebrochen, ohne auf das Angebot der Gesellschaft einzugehen, die staatliche Finanzierung zu reduzieren. Dem Delta Optimist gegenüber sagte Dix, es sei nicht in der Kompetenz der Gesellschaft über die Höhe der Finanzierung zu entscheiden. Der Gesundheitsminister erklärte, „es ist alles unternommen worden, um die Leitung der Gesellschaft zur Compliance zu bringen“, da in staatlich mitfinanzierten Einrichtungen Menschen „voller Zugang zu deren medizinischen Rechten gewährleistet“ werden müsse.

Präsidentin von Delta Hospice Society: „MAiD und Palliative Care haben nichts miteinander zu tun“

Die Entscheidung der Regierung sei „verwirrend“, die Verantwortlichen des Trägers „geschockt und empört“, so die Präsidentin Angelina Ireland in der aktuellen Pressemitteilung. Ziel des Irene Thomas Hospizes sei es, seinen Patienten Symptombehandlung auf physischer, emotionaler und geistlicher Ebene anzubieten. Das Hospiz gewährleiste Sicherheit, Würde und Hoffnung bis zum natürlichen Tod des Patienten. „Die Palliativärzte und Pfleger glauben an die Grundsätze von Palliative Care, wie sie durch die World Health Organization (WHO) definiert sind“, so Ireland. Demnach beinhalte Palliative Care die Linderung von Schmerzen oder anderen beeinträchtigenden Symptomen, stärke das Leben und betrachte den Tod als natürlichen Prozess. Insofern unterscheide sich Palliative Care deutlich von Medical Assistance in Dying (MAiD). MAiD sei vielmehr ein anderer Zweig der öffentlichen Gesundheitsversorgung, so die Präsidentin von Delta Hospice. Dieser dürfe privaten Organisationen nicht einfach übergestülpt werden.

„‚Euthanasie‘ spart Kosten“

Dem Gesundheitsministerium wirft sie vor, Kosten sparen zu wollen. „Es ist einfacher und billiger für die Regierung ‚Euthanasie‘ anzubieten als Palliative Care zu finanzieren.“, ist Ireland überzeugt. Die Entscheidung des Gesundheitsministers offenbare die politische Agenda bezüglich MAiD. Nach wie vor bestünde die Hoffnung, dass die Regierung sich doch noch einmal zu Verhandlungen bereit erklärt. Ansonsten werde auch in rechtlicher Hinsicht jeder Weg beschritten, der Aussicht auf Erhaltung des Hospizes gebe, kündigt Ireland an. (TSG)

Hören Sie zur österreichischen Situation nach dem deutschen Urteil Dr. Stephanie Merckens (IEF) im Streitgespräch mit RA Dr. Wolfram Proksch (ETHOS.legal): https://www.addendum.org/events/sterbehilfe-in-oesterreich/

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