GB / Lebensende: Kampf um Leben von Alfie Evans

IEF, 27.4.2018 – Nachdem ein Gericht gegen den Willen der Eltern entschieden hatte, die lebenserhaltenden Maßnahmen des schwerkranken 23 Monate alten Kindes Alfie Evans abzuschalten, kämpfen seine Eltern um sein Leben. Die Beatmung des Kindes, die am 23.4.2018 eingestellte wurde, wurde am Morgen des 24.4.2018 wieder aktiviert, nachdem der Bub die Nacht über selbständig atmete.

Alfie Evans leidet Medienberichten zufolge an einer seltenen, degenerativen Hirnerkrankung. Alfie wird seitdem er einige Monate alt ist im Alder Hey Krankenhaus in Liverpool  behandelt. Er befinde sich in einem „halb vegetativen“ Zustand. Eine genaue Diagnose konnten die Ärzte allerdings nicht stellen.

Richter: „Verlängerung seines Leidens unmenschlich“

Nachdem die Eltern beantragten, Alfie in einem anderen Spital behandeln lassen zu dürfen, verweigerte das Krankenhaus Alder Hey die Herausgabe und klagte daraufhin. Die Eltern legten daraufhin Beschwerde beim obersten britischen Gericht (Supreme Court) ein, das diese zurückwies. Die lebenserhaltenden Maßnahmen für Alfie waren abgestellt worden, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Montag einen Antrag der Eltern auf Fortführung abgelehnt hatte. Die britischen Richter hielten lebenserhaltende Maßnahmen bei Alfie für sinnlos, weil das Gehirn des Kindes durch die Krankheit fast vollständig zerstört sein soll. Alfies Ärzte hatten eine Verlängerung seines Leidens als unmenschlich bezeichnet. Prof. Nikolaus Haas, Direktor des Universitätsklinikums München, der Alfie in Liverpool untersuchte und für das Gericht ein Gutachten erstellte, sagte, das Kind leide nicht. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt erklärt Haas, dass auch die Ärztekollegen und die Richter davon ausgingen, dass Alfie in einem „neurovegetativen Status“ sei. „Das bedeutet, er bekommt von seiner Umgebung nichts mit und hat auch keine Schmerzen.“, so Haas.

Unterstützung durch päpstliche Kinderklinik und Papst

Seine Eltern wollten zu diesem Zeitpunkt, dass ihr krankes Kind in der päpstlichen Kinderklinik Bambino Gesù in Rom behandelt wird. Sie erhielten dabei Unterstützung vom Vatikan und von den italienischen Behörden. Es wurde ein Flugzeug bereitgestellt, mit dem Alfie nach Italien geflogen werden könnte. Das italienische Außenministerium gab am Montag bekannt, es habe Alfie die Staatsbürgerschaft verliehen, um seine Überstellung nach Rom zu erleichtern. Papst Franziskus, den der Vater von Alfie, Tom Evans vergangene Woche in Rom traf, sprach sich am Montagabend erneut dafür aus, dass die medizinische Behandlung des Jungen fortgesetzt werde. „Von den Gebeten und der großen Solidarität für den kleinen Alfie Evans bewegt, erneuere ich meine Bitte, dass auf das Leiden seiner Eltern gehört wird und ihre Bitte, neue Möglichkeiten der Behandlung zu versuchen, erfüllt wird“, schrieb er auf Twitter.

Beatmung und Flüssigkeitszufuhr wieder aktiviert

Nachdem am Montagabend die Beatmungsgeräte abgeschaltet wurden, hatte Alfie neun Stunden ohne fremde Hilfe geatmet, sagte Vater Tom Evans Dienstagmorgen zu Reportern vor dem Alder Hey Hospital in Liverpool. Daraufhin sei die Zufuhr von Sauerstoff und Wasser wieder aktiviert worden. Das knapp zweijährige Kind atme aber weiterhin selbst.

Kind darf nicht ausgeflogen werden

Richter Anthony Hayden lehnte am Dienstag, 24.4.2018, einen entsprechenden Antrag der Eltern auf eine weitere Behandlung im Vatikanspital ab. Er wolle damit einen Schlussstrich unter den Rechtsstreit um das Schicksal Alfies ziehen. „Das ist das letzte Kapitel im Leben dieses außergewöhnlichen kleinen Jungen“, so Hayden laut der Tageszeitung Die Welt.

Intensivmediziner: „Frage ist, wie man am Ende des Lebens mit Alfie umgeht“

Laut dem bereits oben erwähnten Intensivmediziner Nikolaus Haas, sei Alfie ein stabiler Patient gewesen, dem eine Verlegung zumutbar gewesen sei. Im Umgang mit Alfie bezeichnet Haas „die Logik, es sei für das Kind besser zu sterben (…) und das auch noch vor Gericht einzuklagen“ als „unvorstellbares Verhalten“. Die Frage, ob es Alfie besser gehen könnte als die britischen Ärzte sagen, verneint der Mediziner. Jedoch wisse niemand, wie lange der Bub mit entsprechender Unterstützung noch leben könnte. Die Frage sei aber vielmehr, wie man am Ende des Lebens mit ihm umgehe. Wie es mit ihm weitergehe, sei auch eine persönliche Entscheidung der Familie, so Haas und weiter: „Wenn die Eltern sagen, wir wollen den weiteren Weg und auch den Sterbeprozess des Kindes zu Hause begleiten, dann muss eine Gesellschaft in der Lage sein, dass zu ermöglichen und zu akzeptieren.“ Im  Fall von Alfies Eltern gäbe es seiner Meinung nach keinen Grund, ihnen die Entscheidungsverantwortung für ihr Kind zu entziehen.

Ähnlicher Fall Charlie Gard

Vor einem Jahr gab es bereits einen ähnlichen Fall in England. Wie das Institut für Ehe und Familie (IEF) berichtete, kämpften britische Eltern um das Leben ihres Babys Charlie Gard, der unter starken Hirnschäden litt. Seine weitere Behandlung wurde von den zuständigen Ärzten zunächst abgelehnt. Nachdem weitere Untersuchungen zeigten, dass eine Behandlung wohl keinen Erfolg mehr herbeiführen würde, lenkten die Eltern ein. Charlie wurde in ein Kinderhospiz verlegt, wo er Ende Juni 2017 verstarb.

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