IEF, 7.6.2019 – Am Tag der Europawahl hatten die Iren eine zweite weitreichende Entscheidung zu treffen: Im Zuge eines Referendums sprachen sich rund 82 Prozent der irischen Wähler für ein vereinfachtes Scheidungsrecht aus.

Das Scheidungsrecht in Irland galt lange als eines der strengsten in Europa. In der Verfassung von 1937, die stark von den Werten der römisch-katholischen  Lehre geprägt war, wurde Scheidung per Verfassungsgesetz verboten. Während im Jahr 1986 eine Volksabstimmung zu Gunsten einer Aufhebung des Verbots der Scheidung noch negativ ausfiel, stimmten die Iren im Jahr 1995 einem Aufweichen des Scheidungsrechts mit einer knappen Mehrheit von 50,3 Prozent zu.

Am 26.5., dem Tag der Europawahl in Irland, befürworteten die Iren im Zuge eines neuerlichen Referendums mit einer Wahlbeteiligung von 51 Prozent nun eine Verfassungsänderung, die das innerstaatliche Scheidungsrecht weiter lockern soll. Statt wie bisher vier Jahre soll das von der irischen Regierung unter Premierminister Leo Varadkar zu novellierende Gesetz nun nur mehr eine Trennungszeit von zwei Jahren als Voraussetzung für eine Scheidung vorsehen.

Bischof Denis Nulty, der Vorsitzende des Rates für Ehe und Familie der irischen Bischofskonferenz, sagte im Vorfeld des Referendums, die geplanten gesetzlichen Änderungen würden darauf abzielen, die „Auflösung von Ehen zu fördern“. Der Bischof von Elphin, Kevin Doran richtete ein Schreiben an seine Gemeinde, wonach katholische Wähler, wie alle anderen auch, nun abwägen müssten, ob die geplante Verfassungsänderung den Effekt „eines weiteren Aufweichens des gesellschaftlichen Bekenntnisses zur Ehe“ haben könnte. „Die wesentliche Parallelfrage, die wir stellen müssen, ist“, so Doran weiter, „ob die Gesellschaft ihrer Verantwortung nachkommt, der Familie den Vorrang zu geben und Unterstützung anzubieten, die Paaren hilft, Probleme, die in ihrer Beziehung entstehen, zu lösen, bevor die Differenzen unüberbrückbar werden.“.

Das Referendum von Ende Mai steht in einer langen Liste von Volksabstimmungen, die eine tiefgreifende Wertverschiebung verdeutlichen und insbesondere eine Abkehr der irischen Gesellschaft von den Werten der katholischen Lehre erkennen lassen: Erst vor genau einem Jahr hatten die Iren mit einer 2/3 Mehrheit der Legalisierung von Abtreibungen zugestimmt. Auch das irische Abtreibungsrecht galt bis dahin als das strikteste in ganz Europa. 2015 hatten die Iren mit 62 Prozent zugunsten der Öffnung des Eherechts für gleichgeschlechtliche Paare abgestimmt. (KL)

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